Aktie im Sturm
Ellison verpfändet noch mehr Oracle-Anteile: Wird das zur Gefahr?
Larry Ellison verpfändet noch mehr Oracle-Aktien, während er Milliarden in Hollywood steckt. Zugleich greifen Hacker Oracles Software an. Was bedeutet das für die Aktie, die schon 53 Prozent verloren hat?
- Ellison verpfändet weitere Oracle-Aktien für Kredite
- Hacker greifen PeopleSoft an, Schulden steigen
- Oracle wächst stark, doch die Aktie bleibt riskant
- Report: KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!
Larry Ellison setzt noch mehr Oracle-Aktien als Sicherheit ein. Der Gründer des Softwarekonzerns hat 67 Millionen Aktien mehr für private Kredite verpfändet als vor einem Jahr. Das geht aus der Einladung zur Hauptversammlung hervor, die Oracle am Freitag veröffentlichte. Zum Schlusskurs von 137,10 US-Dollar sind allein die neu verpfändeten Papiere rund 9,2 Milliarden US-Dollar wert.
Insgesamt dienen nun 413 Millionen Aktien als Sicherheit, 19 Prozent mehr als 2025 und etwa 36 Prozent seines Bestands. Führungskräften und Mitgliedern des Verwaltungsrats verbietet Oracle solche Geschäfte eigentlich. Ellison, heute Verwaltungsratschef und Technikchef, ist die einzige Ausnahme.
Milliarden für Hollywood
Die Verpfändungen fallen in eine teure Phase. Ellison finanziert die Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance mit, die 111 Milliarden US-Dollar schwer ist. Seine Familie hat 47 Milliarden US-Dollar Eigenkapital zugesagt, rund 24 Milliarden davon stammen von drei Staatsfonds aus dem Nahen Osten. Paramount, geführt von seinem Sohn David Ellison, steht kurz vor dem Ziel. Vergangene Woche einigte sich der Konzern mit zwölf Generalstaatsanwälten und der Autorengewerkschaft Writers Guild of America, die die Fusion verhindern wollten.
Optionen tief unter Wasser
Laut den Unterlagen erhielten die beiden Vorstandschefs Clay Magouyrk und Mike Sicilia Aktienoptionen im Wert von zusammen 870 Millionen US-Dollar, Ellison selbst 117,8 Millionen US-Dollar. Wie das Magazin Fortune berichtet, sind alle Optionen derzeit unter Wasser. Ihr Ausübungspreis liegt bei 280 bis 308 US-Dollar. Die Aktie hat binnen zwölf Monaten um die 50 Prozent verloren.
Hacker nehmen PeopleSoft erneut ins Visier
Neuen Ärger gibt es bei der Sicherheit. Die Hackergruppe ShinyHunters nutzt laut der Google-Tochter Mandiant erneut massiv eine Lücke in Oracles Personalsoftware PeopleSoft aus. Sie umging dabei Schutzmaßnahmen, die nach Angriffen im Frühsommer eingeführt worden waren. Betroffen sind weltweit Dutzende Systeme, von Hochschulen bis zu Behörden. Die Gruppe behauptet, Daten der US-Bundespolizei erbeutet zu haben. Die Behörde ermittelt.
→ Prämie sichern
Operativ liefert Oracle dennoch. Im ersten Geschäftsquartal stieg der Umsatz um 30 Prozent auf 19,3 Milliarden US-Dollar, das Cloud-Infrastrukturgeschäft wuchs um 121 Prozent. Der Auftragsbestand erreichte 664 Milliarden US-Dollar. Die Kehrseite: Der freie Cashflow lag bei minus 5,4 Milliarden US-Dollar, die Schulden kletterten auf 125 Milliarden US-Dollar. Die 43 von Stockanalysis erfassten Analysten trauen der Aktie im Schnitt rund 238 US-Dollar zu.
Fazit
Oracle wächst rasant, verbrennt aber Geld und türmt Schulden auf. Ellisons Verpfändungen erhöhen das Risiko zusätzlich. Fällt der Kurs weiter, könnten Kreditgeber mehr Sicherheiten verlangen. Oracle selbst sieht darin kein wesentliches Risiko, weil Ellison seine Kredite auch ohne Aktienverkäufe tilgen könne. Die Angriffe auf PeopleSoft kratzen zudem am Ruf. Das Kursziel der Analysten wirkt verlockend, der Weg dorthin bleibt holprig. Die Aktie eignet sich nur für risikofreudige Anlegerinnen und Anleger mit langem Atem.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
