Milliardenmarkt Cybersecurity
Nicht Palo Alto oder Crowdstrike - diese deutsche Aktie geht richtig steil!
Die Secunet-Aktie jagt nach Bundeswehr-Fantasie Richtung Mehrjahreshoch. Ein möglicher Großauftrag könnte 2027 für einen Wachstumsschub sorgen – doch nach der September-Rally ist schon viel eingepreist.
- Secunet-Aktie steigt nach Bundeswehr-Fantasie stark
- Bundeswehr-Auftrag könnte 2027 Wachstum bringen
- Nach der Rally sind hohe Erwartungen eingepreist
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Bei Secunet ist plötzlich wieder richtig Musik drin. Die Aktie des Essener Cybersicherheitsspezialisten sprang am Montag um 7,5 Prozent auf 249,50 Euro und rückte damit erneut dicht an das erst wenige Tage zuvor erreichte Mehrjahreshoch von 255 Euro heran. Allein im September hat der Titel in der Spitze rund 40 Prozent zugelegt.
Der Grund für die Euphorie: Secunet könnte vor einem außergewöhnlich großen Auftragsschub stehen. Reuters zufolge soll ein vierjähriger Rahmenvertrag für die Modernisierung der verschlüsselten Bundeswehr-Kommunikation Abrufe von bis zu 1,7 Milliarden Euro ermöglichen. Ein erster Auftrag könnte dem Bericht zufolge gut 100 Millionen Euro umfassen.
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Offiziell bestätigt sind diese Summen bislang allerdings nicht.
Am 23. September gab der Haushaltsausschuss des Bundestages grünes Licht für einen Ergänzungsrahmenvertrag für Leistungen aus dem Produktportfolio "Sichere Inter-Netzwerk-Technologie", kurz SINA. Das Verteidigungsministerium nennt auf seiner öffentlich zugänglichen Seite jedoch weder Secunet als Vertragspartner noch das Volumen von 1,7 Milliarden Euro oder einen ersten Abruf über 100 Millionen Euro.
SINA ermöglicht geschützte Kommunikation selbst über unsichere Netze und gehört seit Jahren zu den zentralen Sicherheitslösungen für Bundesbehörden und die Bundeswehr. Secunet bezeichnet das System mit mehr als 250.000 installierten Einheiten als eine der maßgeblichen Sicherheitsarchitekturen der Bundesrepublik.
100 Millionen Euro wären für Secunet enorm
Gerade der mögliche erste Abruf zeigt, warum die Börse so elektrisiert reagiert. Für 2026 erwartet Secunet selbst einen Jahresumsatz von maximal 500 Millionen Euro. Ein Auftrag über 100 Millionen Euro entspräche damit rund 20 Prozent eines heutigen Jahresumsatzes.
Berenberg-Analyst Andreas Wolf geht davon aus, dass Secunet wegen seiner etablierten Position bei der Verschlüsselungstechnologie erheblich von den Bundeswehr-Investitionen profitieren könnte. Medienberichten zufolge rechnet er damit, dass ein möglicher Auftrag von rund 100 Millionen Euro überwiegend 2027 umsatzwirksam werden könnte. Entsprechend hat Wolf seine Wachstumserwartungen für das kommende Jahr erhöht. Sein Kursziel hob der Analyst leicht von 254 auf 260 Euro an und bestätigte seine Kaufempfehlung.
Wichtig bleibt allerdings: Ein Rahmenvertrag über bis zu 1,7 Milliarden Euro bedeutet nicht, dass Secunet diesen Betrag tatsächlich als Umsatz verbuchen wird. Entscheidend ist, welche Leistungen tatsächlich abgerufen werden, welcher Anteil davon auf Secunet entfällt und über welchen Zeitraum die Aufträge abgearbeitet werden. Genau hier liegt die größte Chance – aber auch das größte Risiko für die aktuellen Erwartungen.
Das Geschäft läuft auch ohne Milliardenfantasie
Secunet ist operativ ohnehin stark unterwegs. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 19,2 Prozent auf 204,7 Millionen Euro. Noch dynamischer entwickelte sich der Auftragseingang: Er legte um 78,7 Prozent auf 287,4 Millionen Euro zu.
Der Auftragsbestand belief sich Ende Juni auf 360,8 Millionen Euro und lag damit 29,4 Prozent über dem Niveau von Ende 2025. Besonders stark entwickelte sich die Nachfrage aus dem öffentlichen Sektor. Auch die Bereiche Defence & Space sowie Homeland Security verzeichneten deutlich höhere Bestellungen.
Beim Ergebnis zeigt sich ebenfalls eine Beschleunigung. Das EBIT stieg im ersten Halbjahr um gut 20 Prozent auf 8,7 Millionen Euro. Allein im zweiten Quartal sprang das operative Ergebnis von 5,4 auf 12,6 Millionen Euro.
Für das Gesamtjahr erwartet Secunet einen Umsatz am oberen Ende der Prognosespanne von 460 bis 500 Millionen Euro. Das EBIT soll zwischen 53 und 58 Millionen Euro liegen. Zum Vergleich: 2025 hatte Secunet 458,8 Millionen Euro umgesetzt und ein EBIT von 51,6 Millionen Euro erzielt. Ein größerer Bundeswehr-Abruf käme damit auf ein Geschäft, das bereits ohne diesen Sondereffekt wächst.
Der nächste Wachstumstreiber wartet schon
Auch außerhalb der Verteidigungsausgaben bleibt der strukturelle Rückenwind stark. Das deutsche Gesetz zur Umsetzung der europäischen NIS2-Richtlinie ist bereits seit dem 6. Dezember 2025 in Kraft.
Damit steigen die Anforderungen an Cybersicherheit, Risikomanagement und Meldepflichten für eine deutlich größere Zahl von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Für Secunet bedeutet das zusätzliche Geschäftschancen, insbesondere außerhalb der klassischen Bundesbehörden.
Berenberg sieht dabei gerade bei Ländern und Kommunen Nachholbedarf. Während die Bundesebene durch hohe regulatorische Anforderungen und Vorgaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik vergleichsweise gut geschützt ist, besteht in vielen Verwaltungen weiterhin erheblicher Modernisierungsbedarf.
Für Secunet könnte daraus langfristig ein zweiter Wachstumspfad neben dem Verteidigungs- und Bundesgeschäft entstehen.
Aber die Aktie ist nicht mehr billig
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie viel davon steckt bereits im Kurs? Bei knapp 250 Euro liegt die Aktie nur noch wenige Prozent unter dem neuen Berenberg-Kursziel von 260 Euro. Auch Warburg hatte zuletzt ein Kursziel von 260 Euro genannt, wobei diese Einschätzung bereits aus dem Frühjahr stammt.
Damit ist ein großer Teil der kurzfristigen Fantasie bereits eingepreist. Noch vor wenigen Wochen notierte die Aktie deutlich unter 200 Euro. Die Aussicht auf Milliardeninvestitionen des Bundes hat die Bewertung innerhalb kurzer Zeit massiv nach oben getrieben.
Für weitere größere Kursgewinne dürfte deshalb zunehmend entscheidend werden, ob aus der Fantasie konkrete Zahlen werden.
Bestätigt Secunet tatsächlich einen größeren Bundeswehr-Abruf, steigen die Erwartungen für 2027 möglicherweise noch einmal deutlich. Besonders relevant wäre dabei nicht nur die Auftragshöhe, sondern auch die Frage, wie viel davon zusätzlich zum ohnehin laufenden Geschäft anfällt.
Bleibt der Auftrag hingegen kleiner als erwartet oder verteilt sich über einen längeren Zeitraum, könnte die Aktie kurzfristig anfällig für Gewinnmitnahmen werden.
Fazit: Rücksetzer bietet größere Chance
Secunet gehört zu den Unternehmen, die besonders direkt von steigenden Ausgaben für Verteidigung und Cybersicherheit profitieren können. Das operative Geschäft wächst bereits kräftig, der Auftragseingang boomt und mit SINA verfügt der Konzern über eine etablierte Sicherheitslösung im sensiblen Behörden- und Verteidigungsumfeld.
Der mögliche Bundeswehr-Rahmenvertrag könnte diese Entwicklung noch einmal deutlich beschleunigen. Schon ein erster Auftrag von rund 100 Millionen Euro wäre angesichts der heutigen Unternehmensgröße erheblich.
Doch nach rund 40 Prozent Kursplus im September hat die Börse einen Teil dieser Zukunft bereits vorweggenommen. Die nächste Phase der Rally dürfte deshalb weniger von weiteren Spekulationen als von konkreten Aufträgen, höheren Gewinnschätzungen und einem sichtbar stärkeren Wachstum im Jahr 2027 abhängen.
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Markus Weingran, Chefredakteur wallstreetONLINE Börsenlounge
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