Öl schnellt hoch
Wall Street sackt ab, doch DAX trotzt Öl-Schock dank dieser Aktien
Der DAX hält sich im Plus, doch an der Wall Street kippt die Stimmung. Öl schießt über 106 US-Dollar. Gleichzeitig sorgen Redcare, thyssenkrupp und Südzucker für starke Kursbewegungen.
- DAX hält sich trotz Ölpreissprung im Plus
- Redcare und Südzucker heben ihre Prognosen an
- Öl über 106 Dollar schürt Inflationssorgen
- Report: KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!
Der deutsche Aktienmarkt zeigt sich am Montagnachmittag (Stand: 16:10 Uhr) erstaunlich robust. Der DAX liegt rund 0,4 Prozent im Plus und bewegt sich bei etwa 25.513 Punkten. Damit hält sich der Leitindex trotz des kräftigen Ölpreisanstiegs und des schwachen Starts an der Wall Street im positiven Bereich. Rückenwind kommt unter anderem von einzelnen starken Unternehmensmeldungen.
BASF, thyssenkrupp und Redcare sorgen für Bewegung
Bei BASF und Evonik bleibt die mögliche Übernahme des Spezialchemiekonzerns das beherrschende Thema. BASF hatte am Freitag Sondierungen mit Evonik und deren Großaktionärin RAG-Stiftung bestätigt. Am Montag berichtete die "Financial Times", Evonik habe ein Angebot von BASF über 10,3 Milliarden Euro zurückgewiesen. Damit nimmt die Spekulation über eine mögliche Konsolidierung der europäischen Chemiebranche weiter Fahrt auf. BASF selbst betont weiterhin, dass Ausgang und Fortgang der Sondierungen offen sind.
Bei thyssenkrupp steht der Kapitalmarkttag der Stahlsparte im Mittelpunkt. Steel Europe will das bereinigte EBITDA mittelfristig auf mindestens 1,2 Milliarden Euro steigern. Damit soll sich der operative Gewinn gegenüber den für das laufende Geschäftsjahr erwarteten rund 400 Millionen Euro mehr als verdreifachen. Kapazitäts- und Stellenabbau sowie ein stärkerer Schutz des europäischen Stahlmarktes vor Importen sollen dabei helfen. Die Aktie lag am späten Vormittag zeitweise mehr als vier Prozent im Plus.
Einen kräftigen Kurssprung verzeichnet Redcare Pharmacy. Die Online-Apotheke hat ihre Umsatzprognose für 2026 zum zweiten Mal angehoben. Das erwartete Konzernumsatzwachstum liegt nun bei 16 bis 18 Prozent nach bislang 15 bis 17 Prozent. Besonders stark entwickelt sich das deutsche Rezeptgeschäft: Hier erwartet Redcare inzwischen 730 bis 760 Millionen Euro Umsatz, entsprechend einem Wachstum von 45 bis 51 Prozent. Die Aktie legte am Nachmittag zeitweise fast zehn Prozent zu.
Auch Südzucker sorgt für positive Schlagzeilen. Das operative EBITDA stieg im zweiten Quartal um mehr als 80 Prozent auf 168 Millionen Euro. Daraufhin hob der Konzern die Umsatzprognose für 2026/27 auf 8,3 bis 8,7 Milliarden Euro an und erhöhte das untere Ende der EBITDA-Spanne von 480 auf 540 Millionen Euro. Die Aktie lag zeitweise mehr als fünf Prozent im Plus. Bei Hugo Boss gibt es derweil einen überraschenden Vorstandswechsel: CFO und COO Yves Müller verlässt das Unternehmen aus persönlichen Gründen, sein Nachfolger Ivica Maric übernimmt beide Ressorts zum 1. Oktober.
Wall Street startet schwach
An der Wall Street ist die Stimmung deutlich schlechter. Der Dow Jones startete 0,35 Prozent niedriger, der S&P 500 verlor zum Handelsauftakt 0,28 Prozent und der Nasdaq Composite gab 0,49 Prozent nach. Hauptgrund ist der neue Ölpreisschub, nachdem US-Präsident Donald Trump einen iranischen Vorschlag zur Beendigung des Konflikts zurückgewiesen hat. Der Anstieg der Energiepreise lässt zugleich die Renditen am US-Anleihemarkt steigen und verstärkt die Sorge vor einer länger anhaltenden Inflation.
Zusätzlichen Druck gibt es bei Technologiewerten. Vor allem Halbleiteraktien stehen unter Druck. Die Kombination aus höheren Ölpreisen, steigenden Zinsen und neuen Fragen rund um die Entwicklung von KI-Modellen belastet damit ausgerechnet den Sektor, der die Wall Street zuletzt besonders stark getragen hatte. Die zehnjährige US-Rendite liegt inzwischen bei rund 5,2 Prozent.
Asien uneinheitlich
Die asiatischen Börsen lieferten am Montag ein gemischtes Bild. Der japanische Nikkei 225 gab rund 0,7 Prozent nach, während der südkoreanische Kospi wegen kräftiger Verluste bei Chipwerten etwa 2,3 Prozent einbüßte. In China fiel der Shanghai Composite rund 1,7 Prozent, während der Hang Seng in Hongkong etwa 0,5 Prozent zulegte. Besonders die Halbleiterwerte gerieten unter Druck.
Öl springt wieder über 108 US-Dollar
Der Ölpreis bleibt damit der wichtigste Belastungsfaktor für die internationalen Aktienmärkte. Brent verteuerte sich am Montagnachmittag zeitweise auf rund 108 US-Dollar je Barrel und lag zuletzt 1,9 Prozent im Plus bei 106,43 US-Dollar. Auslöser ist die schwindende Hoffnung auf eine schnelle diplomatische Lösung des Konflikts und eine Öffnung der Straße von Hormus. Höhere Energiepreise nähren die Inflationssorgen und erhöhen gleichzeitig den Druck auf die Notenbanken.
Gold massiv unter Druck
Gold kann von der geopolitischen Unsicherheit dagegen nicht profitieren. Die Feinunze kostet am Terminmarkt nur noch rund 4.177 US-Dollar und liegt damit mehr als drei Prozent im Minus. Steigende Anleiherenditen und der relativ feste US-Dollar machen das unverzinsliche Edelmetall für Anleger weniger attraktiv.
Euro kaum verändert – Bitcoin unter 83.000 US-Dollar
Am Devisenmarkt hält sich der Euro bei rund 1,137 US-Dollar. Die Gemeinschaftswährung steht damit weiterhin nahe ihren jüngsten Tiefständen, während der Dollar von den steigenden US-Renditen profitiert.
Bitcoin steht ebenfalls unter Druck. Die Kryptowährung bewegt sich um 83.350 US-Dollar und verliert rund zwei Prozent. Damit zeigt sich Bitcoin am Montag ebenfalls als Risikoanlage und kann sich dem negativen Einfluss von steigenden Renditen, höherem Öl und schwindender Risikobereitschaft nicht entziehen.
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Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

