Buffett-Abgang
Berkshire-Aktionäre müssen sich bei Dividende auf harte Realität einstellen
Warren Buffett konnte sich Dividenden verweigern und lieferte dafür fast 20 Prozent Rendite pro Jahr. Aber wie geht es nach dem Ausscheiden des Star-Investors weiter?
- Buffett schuf fast 20 Prozent Rendite pro Jahr
- Abel hält trotz Milliarden-Cash an Null-Dividende fest
- Kursrückstände erhöhen den Druck auf Abel
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Warren Buffett verlangte von den Aktionären von Berkshire Hathaway jahrzehntelang, sich mit der außergewöhnlichen Performance der Aktie zufrieden zu geben und dafür auf Dividenden zu verzichten. Das lief knapp 60 Jahre lang gut. Wer ihm vertraute, wurde dafür fürstlich belohnt.
Von 1965 bis Ende 2025 legte der Börsenwert der Berkshire-Aktie im Durchschnitt um 19,7 Prozent pro Jahr zu. Der S&P 500 kam inklusive Dividenden auf 10,5 Prozent. Aus der vermeintlich aktionärsunfreundlichen Dividendenpolitik wurde so eine der erfolgreichsten Kapitalallokationsstrategien der Börsengeschichte. Aus 100 US-Dollar wären bei 19,7 Prozent jährlicher Rendite über 60 Jahre rund 4,85 Millionen US-Dollar geworden.
Buffetts Argument war dabei, dass Berkshire mit einem einbehaltenen Dollar langfristig mehr als einen Dollar zusätzlichen Marktwert schaffen kann. Daher wäre es unsinnig, diesen Dollar auszuschütten. Deshalb zahlte Berkshire unter Buffett nur 1967 eine kleine Dividende und danach nie wieder regulär Geld an seine Eigentümer aus. Seit Anfang 2026 steht aber Greg Abel als CEO an der Spitze des Konglomerats. Am 18. September zog sich Buffett auch als Chairman zurück, sein Sohn Howard übernahm den Vorsitz des Verwaltungsrats. Damit liegt die Verantwortung für die Kapitalallokation endgültig bei einer neuen Generation.
Abel aber hat Buffetts Dividenden-Regel unverändert übernommen. In seinem ersten Aktionärsbrief als CEO machte er klar, dass Berkshire weiterhin keine Dividende zahlen werde, solange mit jedem einbehaltenen Dollar mehr als ein US-Dollar Marktwert geschaffen werden könne. Das Problem dabei ist aber, dass Buffett die Aktionäre über sechs Jahrzehnte mit außergewöhnlichen Ergebnissen überzeugen konnte. Abel muss sich dieses Vertrauen erst verdienen.

wallstreetONLINE RedaktionDividenden-Radar
Old Republic: Hohe Sonderdividenden – bald Dividendenaristokrat?
Aktuell sitzt Berkshire auf einem gewaltigen Berg ungenutzten Kapitals. Ende Juni belief sich der Cashbestand auf rund 365 Milliarden US-Dollar. Ein großer Teil davon ist in kurzlaufenden Staatsanleihen geparkt, die zwar Zinsen abwerfen, langfristig aber nicht die überragenden Renditen liefern können, mit denen Buffett die Null-Dividenden-Politik einst rechtfertigte.
Abel versucht inzwischen, das Geld stärker arbeiten zu lassen. Im zweiten Quartal kaufte Berkshire für rund 4,5 Milliarden US-Dollar eigene Aktien zurück, im Juli kamen weitere gut 3,3 Milliarden US-Dollar hinzu. Gleichzeitig wurde Berkshire erstmals seit 14 Quartalen wieder zum Nettokäufer von Aktien. Besonders spektakulär war die zusätzliche Investition von 10 Milliarden US-Dollar in Alphabet. Dazu kamen milliardenschwere Übernahmen wie OxyChem und Taylor Morrison.
Doch am Markt überwiegt die Skepsis. Berkshire-Aktien haben 2025 zwar 10,9 Prozent gewonnen, der S&P 500 legte inklusive Dividenden allerdings 17,9 Prozent zu. 2026 hat sich die Lücke weiter geöffnet: Bis zum 28. September kommt die B-Aktie lediglich auf ein Plus von rund 1,6 Prozent, der S&P 500 hat dagegen 11,9 Prozent gewonnen.
Natürlich kann Abel nach 9 Monaten an der Spitze nicht mit Buffetts Bilanz über sechs Jahrzehnte verglichen werden. Doch die Voraussetzung dafür, dass Berkshire keine Dividenden ausgeschüttet hat, war, dass die Geschäfte außergewöhnlich gut liefen und die Aktie entsprechend performte. Abel muss nun beweisen, dass dieses System auch ohne seinen Schöpfer funktioniert. Denn regelmäßige Dividenden haben durchaus ihren Reiz. Selbst eine Dividendenrendite von zwei Prozent würde beim aktuellen Börsenwert von Berkshire von rund 1,08 Billionen US-Dollar Ausschüttungen in der Größenordnung von 21,6 Milliarden US-Dollar jährlich bedeuten. Berkshire könnte damit auf einen Schlag zu einem der größten Dividendenzahler der Wall Street werden. Finanziell wäre eine Ausschüttung angesichts der enormen Liquidität problemlos möglich.
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Trotzdem sprechen gute Gründe dagegen. Dividenden sind für viele Aktionäre unmittelbar steuerpflichtig. Aktienrückkäufe sind flexibler und erhöhen den Anteil der verbleibenden Eigentümer am Unternehmen. Zudem würde eine regelmäßige Dividende Berkshire dauerhaft Kapital entziehen und es dadurch dem Unternehmen erschweren, bei einem Börsencrash oder einer großen Übernahme lukrative Chancen wahrzunehmen, wie es Buffett häufig getan hat.
Entscheidend ist, ob Abel weiterhin zeigen kann, dass Berkshire das Geld besser einsetzt als durch Ausschüttungen. Mit den jüngsten Rückkäufen signalisiert der frischgebackene Konzernchef, dass er die Aktien für attraktiv bewertet hält. Auch die Alphabet-Investition zeigt, dass Abel bereit ist, bei großen Chancen zweistellige Milliardenbeträge einzusetzen.
Gleichzeitig steigt aber der Druck auf ihn. Je länger Berkshire Hunderte Milliarden US-Dollar zurückhält und je länger die Aktie gleichzeitig hinter dem S&P 500 zurückbleibt, desto schwerer wird es, die alte Buffett-Regel allein wegen der Tradition zu verteidigen. Unter Buffett akzeptierten Aktionäre die Null-Dividende, weil sie dafür eine enorme Renditemaschine bekamen. Unter Abel ist aktuell alles offen.
Noch besitzt die neue Führung einen gewaltigen Vertrauensvorschuss. Berkshire verdient operativ Milliarden, verfügt über Beteiligungen und Mehrheiten an einigen der stärksten Unternehmen Amerikas und kann in Krisen Summen investieren, von denen fast jeder andere Konzern nur träumen kann. Aber dieser Vertrauensvorschuss ist nicht unbegrenzt. Sollte Abel das Kapital langfristig nicht ähnlich produktiv einsetzen können wie Buffett und Berkshire dauerhaft hinter dem Markt zurückbleiben, dürfte die Frage nach Ausschüttungen immer lauter werden.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

