Prognose angehoben
"Dank" Huthis und Iran verdient Hapag-Lloyd jetzt Milliarden!
Der Konflikt im Nahen Osten bedroht die Seeschifffahrt und sorgt für steigende Frachtraten. Das kommt jetzt der Reederei Hapag-Lloyd stark zu gute.
- Nahostkonflikt treibt Frachtraten stark nach oben
- Hapag-Lloyd hebt Prognose deutlich nach oben
- Aktie steigt nachbörslich, Bewertung bleibt günstig
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Nicht nur der Ölpreis, sondern auch die Frachtraten eskalieren jetzt
Der Iran-Krieg ist längst nicht mehr nur auf den Iran, die Straße von Hormus und die Golf-Anrainer begrenzt, sondern tobt auch im Jemen und in Saudi-Arabien, wo die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen einerseits entlang der jemenitischen Küste vormarschieren und andererseits Energieinfrastruktur in Saudi-Arabien mit Drohnen und Raketen beschießen.
Das führt neben weiter steigenden Ölpreisen – so wurde beispielsweise die wichtige Ost-West-Pipeline, welche den Rotmeerhafen Yanbu versorgt, getroffen – auch zu Gefahren für die internationale Seeschifffahrt. Die Meerenge Bab-al Mandab ist an ihrer schmalsten Stelle nur 27 Kilometer breit. Das liegt in der Reichweite selbst primitiver Raketen und Drohnen.
Eine vollständige Kontrolle der jemenitischen Küste durch die Huthi-Milizen könnte Reedereien daher zum wochenlangen Umweg um das Kap der Guten Hoffnung zwingen. Schon jetzt steigen nicht nur die Versicherungsprämien, sondern auch die Frachtraten rasant an. Der sogenannte Baltic Dry Index, der ein Indiz für die weltweiten Kosten von Schüttgut ist, hat gegenüber dem Stand vor einem Jahr um knapp 52 Prozent zulegt, in den vergangenen 4 Wochen gewann er 7,5 Prozent hinzu.
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Hapag-Lloyd trotz höheren Treibstoffkosten – Prognose wird angehoben!
Was internationale Transporte deutlich teurer macht und gemeinsam mit hohen Preisen für Öl, Benzin und Diesel die Inflationsentwicklung befeuert, ist für Schifffahrtsunternehmen und Reedereien ein Gewinn – das sind die Gewinner der wachsenden Bedrohungslage im Roten Meer.
Die kämpfen zwar mit steigenden Treibstoffpreisen, freuen sich aber über die deutlich höheren Frachtraten. Denn während hohen Treibstoffkosten mit Maßnahmen wie Slow Steaming, also dem absichtlichen Langsamfahren, entgegengewirkt werden kann, zeichnet sich für die Bedrohung im Nahen Osten nach wie vor keine Lösung ab. Einer der Krisenprofiteure ist der Hamburger Reedereikonzern Hapag-Lloyd, der am Montagabend überraschend seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr angehoben hat – und das bereits zum wiederholten Mal.
Mehreinnahmen in Milliardenhöhe, Reederei wird zum Krisengewinner
Wie das Unternehmen mitgeteilt hat, erwartet Hapag-Lloyd nun ein EBITDA von 3,9 bis 4,4 Milliarden US-Dollar. Das stellt gegenüber der bisherigen Prognose von 2,7 bis 3,7 Milliarden US-Dollar eine gewaltige Anpassung zur Oberseite dar. Auch beim EBIT erwartet das Management nun deutlich bessere Ergebnisse. Bislang beliefen sich die Schätzungen auf 0,1 bis 1,1 Milliarden US-Dollar, Hapag-Lloyd erwartet nun jedoch 1,25 bis 1,75 Milliarden US-Dollar.
Umgerechnet in Euro könnten die Hamburger somit vor einem EBITDA von bis zu 3,8 Milliarden Euro und einem EBIT von 1,5 Milliarden Euro stehen. Von Analystinnen und Analyten wurden laut der Daten von MarketScreener zuletzt Ergebnisse in Höhe von knapp 3,3 Milliarden sowie 931,0 Millionen Euro erwartet. Hapag-Lloyd dürfte die Konsensschätzungen damit mühelos übertreffen.
In der Pressemitteilung gibt der Konzern als Gründe für seine Prognoseanpassung eine "anhaltend starke Marktnachfrage" und eine "weiterhin positive Entwicklung der Spotfrachtraten" an, wies jedoch gleichzeitig daraufhin, dass "die Prognose mit einem hohen Maß an Unsicherheit behaftet" sei.
Aktie schießt nachbörslich nach oben, macht schwachen Wochenauftakt wett
Anlegerinnen und Anleger reagierten umgehend auf die positive Unternehmensmitteilung. Im regulären Handel hatte Hapag-Lloyd noch unter Druck gestanden – am Handelsplatz XETRA büßte die Aktie zum Wochenauftakt um 2,2 Prozent ein und konnte die 50-Tage-Linie nur mit Mühe verteidigen. Im erweiterten Handel folgte dann der Vorzeichenwechsel, bei Tradegate verzeichneten die Anteile ein Plus von 4,3 Prozent und stürmten in Richtung 140 Euro.
Gelingt es Hapag-Lloyd, diese Gewinne am Dienstag zu verteidigen und weiter auszubauen, könnte der höchste Stand seit Ende März erreicht werden. Damit wäre die jüngst im Bereich von 130 bis 140 Euro zu beobachtende Top-Bildung nach der Erholung in den Sommermonaten Geschichte und die Aktie könnte mittelfristig Kurs in Richtung ihrer bisherigen Jahreshochs nehmen.

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Fazit: Analysten unter Zugzwang – auch aufgrund günstiger Bewertung
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung steht nach der Prognoseanpassung ein EV/EBITDA-Verhältnis von 7,0 zu Buche, sollte Hapag-Lloyd ein EBITDA-Ergebnis am oberen Ende der Schätzung erreichen, das wäre ein Wert auf Vorjahresniveau und läge deutlich unter dem Branchendurchschnitt von 11,8. Selbst am unteren Ende der angehobenen Schätzung wäre die Bewertung mit 7,8 günstig und könnte für weiteres Aufwärtspotenzial sorgen.
Analystinnen und Analysten jedenfalls dürfte die Prognoseanhebung unter Druck setzen, die waren zuletzt nämlich mehrheitlich bearish für die Aktie und sahen Hapag-Lloyd im Mittel um 21,0 Prozent überbewertet. Diese These ist jetzt nicht mehr zu halten, zusätzlichen Rückenwind in den kommenden Tagen und Wochen könnten daher Kurszielanpassung aus der Analystenschar liefern.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

