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    Der deutsche Atom-Irrweg – und wie er noch korrigiert werden könnte

    Außer Deutschland und Österreich beschäftigen sich alle Industrieländer damit, wie sie in den nächsten Jahren die Nutzung der Kernenergie voranbringen können.

    31 Länder betreiben Kernkraftwerke, in 15 Ländern sind Kernkraftwerke im Bau, in 16 weiteren sind sie in Planung. In diesem Jahr sind allein in China 38 Reaktoren im Bau, jährlich gehen dort sechs bis zehn Kernkraftwerke ans Netz. Länder, die zuvor gegen Kernkraft waren, so etwa Schweden, haben ihre Linie inzwischen korrigiert. Andere Länder wie Polen, in denen es keine Kernkraft gab, planen den Einstieg. Sogar Dänemark, das schon 1985 ein Verbot des Baus von Kernkraftwerken gesetzlich verankert hatte, beschloss eine Überprüfung. In den USA hat die Regierung unter Trump den Anti-Kernkraftkurs korrigiert. Nur Deutschland geht einen Sonderweg. Und das ist einer der Gründe dafür, warum Strom in Deutschland heute so teuer ist wie in kaum einem anderen vergleichbaren Land – und daher immer mehr Industriearbeitsplätze verloren gehen.

    „Ethikkommission“ als Feigenblatt

    Wie es dazu kommen konnte, zeigen Fritz Vahrenholt und Björn Peters in ihrem soeben erschienenen Buch „Zeit für Kernkraft. Schlüssel zum Wohlstand“ (LMV, München 2026). Sie zeigen, wie Deutschland von einem Land, das führend in der Entwicklung sicherer Kernkraftwerke war, zu einem Land wurde, das inmitten einer Energiekrise sogar die drei letzten Kernkraftwerke abschaltete.

    Bekanntlich fällte diese Entscheidung zunächst die rot-grüne Regierung unter Gerhard Schröder, während Angela Merkel die Laufzeit verlängern wollte. Der Unfall von Fukushima im Jahr 2011 war der Grund, warum in einer blitzartigen Aktion die Bundesregierung unter Angela Merkel beschloss, die deutschen Kernkraftwerke viel früher als geplant abzuschalten. Aber eigentlich war es nicht der Unfall an sich (der nicht einmal in Japan zu einer solchen Entscheidung führte), sondern die Tatsache, dass etwa zwei Wochen nach dem Unfall vom 11. März 2011, nämlich am 27. März, Landtagswahlen in Baden-Württemberg stattfanden. Merkel wollte in der damals aufgeheizten Atmosphäre den Grünen ein zentrales Wahlkampfthema wegnehmen. Doch nicht einmal das funktionierte. Denn die Grünen erzielten ein Rekordergebnis und stellten nach dieser Wahl erstmals in einem deutschen Bundesland den Ministerpräsidenten.

    Das Buch zeigt, wie die Diskussion von irrationalen Ängsten und von Ahnungslosen bestimmt wurden, die über keinerlei fachliche Expertise verfügten. Ein Beispiel ist die Einsetzung einer 17-köpfigen „Ethikkommission“ durch die Merkel-Regierung, die der Entscheidung vermeintlich Legitimität verschaffen sollte. Die Kommission bestand aus Vertretern von vier Umweltverbänden, drei Vertretern der Kirchen, mehreren Professoren und Ex-Politikern, einem Gewerkschaftsvertreter und einem einzigen Industrievertreter. „So entstand eine Konstellation, die für den deutschen Sonderweg in der Energiepolitik typisch ist: Eine technische Großentscheidung – der endgültige Ausstieg aus einer etablierten CO2-armen Energiequelle – wurde unter dem unmittelbaren Eindruck eines fernen Unfalls, unter Wahlkampfdruck und auf Basis eines schwach interdisziplinär besetzten Ethikgremiums getroffen, dessen Mandat das Ergebnis im Kern bereits vorgab.“

     

    Die fünf Argumente gegen Kernenergie

    Die Autoren widerlegen die fünf Standardargumente gegen Kernenergie:

    1. Das fehlende Endlager. Das könnte längst da sein, wenn es politisch nicht verhindert würde. Die Kerntechnik der Generation IV, an der weltweit – nur nicht in Deutschland – zahlreiche Unternehmen und Tausende von Forschern arbeiten, würde das Endlagerproblem grundlegend entschärfen.
       
    2. Die angebliche Belastung mit Radioaktivität im Normalbetrieb. Sie beträgt jedoch weniger als 0,5 Prozent der natürlichen Hintergrundstrahlung und ist praktisch nicht einmal nachweisbar, weil die Schwankungen der natürlichen Strahlung die Zusatzbelastungen verdecken. Die Festlegung in vielen Ländern, dass die Emissionen gegen Null gehen müssen, war irrational und hat zu einer extremen Verteuerung der Kernenergie geführt.
       
    3. Die Angst vor dem Super-GAU. Vergleicht man die Todesfälle pro Terawattstunde der Kernenergie mit anderen Energieträgern, dann schneidet nur die Windenergie ein wenig besser ab. Fossile Energien haben zu viel mehr Todesfällen geführt. Und die am Netz befindlichen modernen Kernkraftwerke der Generation III haben eine Eintrittswahrscheinlichkeit für einen Radioaktivitätsaustritt von höchstens einmal in zehn Millionen Jahren. Bei den Kernkraftwerken der Generation IV ist ein solcher Austritt bei einem Unfall ausgeschlossen.
       
    4. Kernenergie ist zu teuer. Das liegt daran, dass vom Staat unter dem Eindruck der Anti-Atom-Bewegung Regulierungen erlassen wurden, die sehr weit über das hinausgehen, was zum sicheren Betrieb notwendig wäre. Beispiele aus China und den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigen, dass Kernkraft auch bei höchsten Sicherheitsanforderungen nicht teuer sein muss.
       
    5. Es wird ein Zusammenhang konstruiert zwischen friedlicher Nutzung der Kernenergie und Atomwaffen, der nicht gegeben ist, weil Reaktorplutonium für militärische Zwecke unkontrollierbar ist.

     

    Während alle Schätzungen von einer massiven Zunahme des Stromverbrauchs in allen Ländern, so auch in Deutschland, ausgeht – allein schon wegen der Rechenzentren, die für die KI entscheidend sind – hat der Deutsche Bundestag beschlossen, dass der Energieverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2045 auf 1400 Terawattstunden nahezu halbiert werden soll!

     

    Ist eine Rückkehr zur Kernkraft möglich?

    Ist der Ausstieg aus der Kernkraft in Deutschland noch rückgängig zu machen? Die Politik hat eine Rückkehr zu verhindern versucht, indem Kernkraftwerke im Taliban-Stil zerstört wurden. Die Autoren belegen: Insgesamt könnten in Deutschland 14 Kernkraftwerke mit zusammen 18 710 Megawatt repariert oder durch Neubau reaktiviert werden, zu Kosten von unter 40 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die „Energiewende“, die wenig gebracht hat (Deutschland gehört unter den großen Industrieländern in Europa dennoch zu den größten CO2-Emittenten), hat bislang schon 500 Milliarden Euro gekostet und soll bis zu 5400 Milliarden kosten.

    „Würden diese vierzehn Kernkraftwerke reaktiviert“, so die Autoren, „könnte innerhalb von nur wenigen Jahren Atomstrom im Umfang von jährlich 140 TWh produziert werden – fast so viel wie in den Spitzenjahren bis zum Atomausstieg.“ Allerdings müsste dafür das Atomgesetz geändert werden, um das Verbot von Neubau und Wiederinbetriebnahme aufzuheben.

    Rainer Zitelmann ist Autor des Buches „Zero Sum Mindset. Die Nullsummenfalle.“

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    Rainer Zitelmann
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    Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist Historiker, Politikwissenschaftler und Soziologe - und zugleich ein erfolgreicher Investor. Er hat zahlreiche Bücher auch zu den Themen Wirtschaft und Finanzen* geschrieben und herausgegeben, viele davon sind in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. * Werbelink
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    Verfasst von Rainer Zitelmann
    Der deutsche Atom-Irrweg – und wie er noch korrigiert werden könnte Außer Deutschland und Österreich beschäftigen sich alle Industrieländer damit, wie sie in den nächsten Jahren die Nutzung der Kernenergie voranbringen können.

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