KI-Apokalypse?
KI-Apokalypse?
Zwischen Milliardenfantasie und Kontrollverlust: Warum der rasante Aufstieg der KI nicht nur Chancen, sondern auch erhebliche Risiken für Anleger birgt.
In wenigen Wochen – genauer am 30. November – feiert ChatGPT seinen 4. Geburtstag. Beeindruckend und beängstigend zugleich, wie sich die KI allein in dieser kurzen Zeitspanne entwickelt hat: Lag ihr Nutzen anfangs vor allem darin, nette Gedichte zu schreiben und einfache Fragen zu beantworten, übernimmt künstliche Intelligenz mittlerweile immer mehr Aufgaben selbstständig. Ähnlich wie ein Pubertierender, hielt sie sich dabei zuletzt allerdings nicht immer an die Regeln, die ihre Eltern ihr aufgegeben haben. So häufen sich Berichte, dass KI immer öfter aus den Versuchslaboren ihrer Erschaffer ausbricht. Und das auf so gewiefte Weise, dass die Intelligenz ihrer menschlichen Aufpasser nicht mehr ausreicht, das illegale Treiben der KI auf Anhieb zu erkennen, geschweige denn es zu unterbinden. So brachen KI-Agenten beim ChatGPT-Entwickler OpenAI jüngst aus einer Testumgebung aus und hackten sich in Systeme anderer Unternehmen ein. Selbst ein Regierungsserver der australischen Gesundheitsbehörde wurde gehackt. In einer Anhörung vor dem UN-Sicherheitsrat warnten die Chefs der großen KI-Konzerne Ende September denn auch höchstselbst vor einem drohenden Kontrollverlust. KI-Wissenschaftler sehen in KI mittlerweile gar eine Gefahr für die Menschheit als Ganzes. Selbst wenn das übertrieben sein könnte, dürfte OpenAI-Chef Sam Altmann richtig liegen, wenn er davor warnt, dass durch KI zu viel Macht in die Hände weniger Menschen gelangen könnte. Eben diese aus ihren rasend schnell wachsenden Fähigkeiten resultierende Macht ist es, die an der Börse die Fantasie der Anleger beflügelt. Schließlich geht Macht stets auch mit einer Anhäufung von Vermögen einher – der Mensch nutzt Macht schließlich in der Regel zu seinem eigenen Vorteil. Und wenn die KI bereits 4 Jahre nach ihrer Geburt derartige Fähigkeiten erlangt hat, was wird sie dann erst in 6 Jahren als dann 10-Jährige können? Und wieviel Macht und Vermögen dürfte damit einhergehen? Schon heute sind KI-Konzerne die wertvollsten und gewinnstärksten Unternehmen der Welt – und ihre Großaktionäre die reichsten Menschen überhaupt. Kein Wunder, dass Anleger an dieser Entwicklung teilhaben wollen. Ähnlich wie bei der Anwendung von KI nehmen aber auch bei der Geldanlage in KI die Risiken zu: Nicht nur, dass die Investitionen der Konzerne für neue Rechenzentren historische Dimensionen erreicht haben und ein Blasenniveau mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen werden kann. Auch stellt sich die Frage: Wer haftet eigentlich, wenn eine KI aus einem Versuchslabor ausbricht und Milliardenschäden anrichtet? Wenn bspw. weltweit hochsensible Bankdaten gelöscht oder manipuliert, flächendeckend Stromausfälle herbeigeführt oder dauerhaft Teile des Internets lahmgelegt werden? Wenn die KI-Anbieter selbst dafür in Verantwortung gezogen würden, könnten Haftungssummen schnell deren finanzielle Leistungsfähigkeit übersteigen. Sollte es hingegen zukünftig eine strengere KI-Regulierung geben, damit es gar nicht erst so weit kommt, würde das die KI-Entwicklung ausbremsen. Für Anleger gilt daher dasselbe wie für Anwender der KI: Man kommt um das Thema nicht herum – man sollte sich ihm aber durchaus kritisch und kontrolliert nähern. Denn genau so wenig wie KI zu einer Gefahr für die Menschheit werden darf, sollte sie zu einer Gefahr für das eigene Depot und Vermögen werden.
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