Neue Hoffnung am Ölmarkt
Öl-Schock lässt nach: Saudi-Arabien öffnet entscheidende Export-Route
Saudi-Arabien nimmt die Ölverladung in Yanbu wieder auf und umgeht damit Hormus. Die Exporte steigen, doch die Risiken am Ölmarkt bleiben hoch.
- Saudi-Arabien nimmt Ölverladung in Yanbu wieder auf
- Ost-West-Pipeline hebt saudische Exporte deutlich
- Hormus bleibt eingeschränkt, Ölpreise bleiben hoch
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Saudi-Arabien bringt eine entscheidende Ölroute zurück ans Netz. Nach der Reparatur der Ost-West-Pipeline hat das Königreich die Rohölverladung im Rotmeerhafen Yanbu wieder aufgenommen. Damit kann Saudi-Arabien wieder deutlich mehr Öl exportieren, ohne auf die weiterhin stark beeinträchtigte Straße von Hormus angewiesen zu sein. Die Pipeline war nach Drohnenangriffen am 11. September stillgelegt worden. Seit vergangener Woche läuft sie wieder. Zwei Branchenquellen schätzen die Verladungen aus Yanbu inzwischen auf rund zwei Millionen Barrel täglich. Kpler beziffert den aktuellen Pipeline-Durchsatz auf etwa 2,65 Millionen Barrel pro Tag. In den kommenden Tagen könnten es bereits drei bis vier Millionen Barrel werden. Bis zum früheren Niveau von rund 5,5 Millionen Barrel täglich dürfte es allerdings noch etwa einen Monat dauern.
Wie groß die Bedeutung der Route ist, zeigen Satellitendaten. TankerTrackers zufolge wurden am 27. September in Yanbu und dem südlich gelegenen Terminal Al Muajjiz fast zehn Millionen Barrel Rohöl verladen. Insgesamt seien dort rund 40 Tanker identifiziert worden. Für den Ölmarkt kommt die Entspannung zur richtigen Zeit. Die Straße von Hormus, über die vor dem Krieg rund ein Fünftel der weltweiten Rohöl- und LNG-Versorgung transportiert wurde, ist weiterhin nur eingeschränkt nutzbar. Saudi-Arabiens Ost-West-Pipeline ermöglicht es, Öl aus den Fördergebieten am Persischen Golf quer durch das Land bis zum Roten Meer zu transportieren und Hormus vollständig zu umgehen.
Die Ausweichstrategie zeigt bereits Wirkung. Laut Kpler stiegen die Rohölexporte des Nahen Ostens im September auf rund 16,3 Millionen Barrel pro Tag – den höchsten Stand seit Beginn des Krieges im Februar. Im August waren es noch deutlich weniger. Allein Saudi-Arabiens Exporte sprangen von rund 2,45 Millionen auf etwa 5,4 Millionen Barrel täglich. Dennoch fehlen der Region gegenüber dem Vorkriegsniveau weiterhin mehr als drei Millionen Barrel pro Tag. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate nutzen mit Fujairah einen Exporthafen außerhalb der Straße von Hormus. Zusammen mit den zusätzlichen Mengen aus Yanbu erreichen die Rohölexporte der Region inzwischen knapp 80 Prozent des Niveaus vor dem Konflikt. Auch das ägyptische Terminal Sidi Kerir hat seine Verladungen wieder aufgenommen.
Von einer Entwarnung kann dennoch keine Rede sein. Die Umgehung von Hormus bleibt teuer und logistisch kompliziert. Saudi Aramco erwägt deshalb laut Reuters sogar Preisnachlässe von bis zu neun US-Dollar je Barrel für bestimmte Ladungen, die über Schiff-zu-Schiff-Transfers vor Oman abgewickelt werden. Das erklärt auch, warum die Ölpreise trotz des steigenden Angebots hoch bleiben. Brent kostete am Dienstag zeitweise rund 107 US-Dollar je Barrel, WTI rund 94 US-Dollar. Der Markt honoriert zwar die Rückkehr saudischer Exportkapazitäten, preist aber weiterhin eine erhebliche geopolitische Risikoprämie ein.
Für Anleger ist Yanbu deshalb ein wichtiges Signal: Saudi-Arabien schafft es zunehmend, die Blockade des wichtigsten Öl-Nadelöhrs der Welt zu umgehen. Steigt der Durchsatz der Ost-West-Pipeline tatsächlich wieder in Richtung 5,5 Millionen Barrel pro Tag, könnte das einen Teil der akuten Angebotsängste am Ölmarkt dämpfen. Solange Hormus jedoch nicht wieder normal passierbar ist, bleibt der Markt extrem anfällig für neue Angriffe und Unterbrechungen.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion

