IPO mit 80 Seiten Warnungen
Anthropic will 2 Billionen wert sein – trotz 42 Milliarden US-Dollar Verlust
Der Claude-Entwickler wächst rasant, verliert aber Milliarden und plant gewaltige Infrastruktur-Ausgaben. Im eigenen IPO-Prospekt warnt Anthropic zugleich vor Risiken der eigenen KI.
- Anthropic wächst rasant, macht jedoch Milliardenverluste
- 518 Milliarden Dollar sind für Infrastruktur geplant
- Prospekt warnt vor KI-Risiken für die Menschheit
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Anthropic wächst in atemberaubendem Tempo – und verbrennt dabei Milliarden. Laut dem von Reuters eingesehenen Börsenprospekt erzielte das KI-Unternehmen 2025 einen Umsatz von 4,6 Milliarden US-Dollar (rund 3,9 Milliarden Euro), gleichzeitig aber einen Nettoverlust von fast 42 Milliarden US-Dollar (rund 35,8 Milliarden Euro). Der Großteil davon entfiel allerdings auf eine nicht zahlungswirksame Belastung von 34 Milliarden US-Dollar aus der Neubewertung wandelbarer Wertpapiere. Operativ blieb dennoch ein Verlust von mehr als 8 Milliarden US-Dollar.
Der Kostentreiber ist klar: Rechenleistung. Anthropic gab im vergangenen Jahr 7,33 Milliarden US-Dollar für Compute und Infrastruktur aus – mehr als dreimal so viel wie 2024 und über die Hälfte der gesamten operativen Aufwendungen von 12,65 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig hat sich der Umsatz binnen eines Jahres von rund 400 Millionen auf 4,6 Milliarden US-Dollar mehr als verzehnfacht.
Noch größer wird die Dimension beim Blick nach vorn. Laut Prospekt plant Anthropic in den kommenden Jahren Verpflichtungen von insgesamt 518 Milliarden US-Dollar für Cloud, Rechenleistung und Infrastruktur. Ende 2025 verfügte das Unternehmen über 20,28 Milliarden US-Dollar an Barmitteln, kurzfristigen Anlagen und Zahlungsmitteläquivalenten.
Auch die Abhängigkeit von wenigen Kunden fällt auf. Fast ein Viertel des Umsatzes stammte 2025 laut Reuters von nur zwei Kunden. Zudem haben viele der größten Abnehmer keine langfristigen Verträge abgeschlossen.
Parallel warnt Anthropic ungewöhnlich offen vor den Risiken der eigenen Technologie. Mehr als 80 der 261 Seiten des Prospekts sollen sich laut Reuters mit möglichen Gefahren von KI beschäftigen. Das Unternehmen nennt unter anderem "selbsterhaltendes Verhalten", die Fähigkeit, sich "einer Abschaltung zu widersetzen", Informationen zu manipulieren und im Extremfall ein "katastrophales oder existenzielles Risiko für die Menschheit".
CEO Dario Amodei hat die Branche deshalb zuletzt zu einem langsameren Entwicklungstempo aufgerufen. Gleichzeitig brachte Anthropic erst vergangene Woche Opus 5.5 auf den Markt, um im Wettlauf mit OpenAI nicht zurückzufallen.
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Der geplante Börsengang könnte Anthropic mit bis zu 2 Billionen US-Dollar bewerten. Reuters zufolge wird der IPO inzwischen für die Zeit nach den US-Zwischenwahlen im November erwartet. Für Anleger wäre es damit einer der spektakulärsten Börsengänge überhaupt – mit extremem Wachstum, extremen Kosten und Risiken, die Anthropic selbst ungewöhnlich deutlich beschreibt.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

