Bewertung spottbillig
Nach -46 % in 4 Monaten jetzt diese Crash-Aktie günstig abstauben?!
Die Aktie des US-amerikanischen Solarmodulherstellers First Solar ist unter die Räder gekommen. Doch Bewertung und Geschäftsentwicklung sind vielversprechend.
- Renditen setzen Solaraktien deutlich unter Druck
- First Solar bleibt trotz Kurssturz profitabel und günstig
- Überverkaufte Aktie könnte bald kräftig zurückfedern
- Report: KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!
Trotz hoher Strompreise: Anleiherenditen zerreiben Solar-Aktien
Solar-Aktien hatten bei Investoren in den vergangenen Monaten einen schweren Stand. Die unaufhaltsam steigenden Anleiherenditen setzten die als zinssensitiv geltende Branche unter Druck, da höhere Finanzierungs- und Zinskosten die Kapitalrenditen mindern und die Ertragsaussichten von neuen Solarparks trotz hoher Energiepreise im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg reduzieren.
Nach einer zwischenzeitlich sehr ansprechenden Entwicklung von Aktien wie Enphase Energy, First Solar und SolarEdge legte der Branchen-ETF Invesco Solar im Juni den Rückwärtsgang ein. In den vergangenen Tagen wechselte er gegenüber dem Stand vor einem Jahr dann sogar das Vorzeichen. Hier steht jetzt ein Minus von knapp 2 Prozent zu Buche. Gegenüber dem Jahresanfang belaufen sich die Verluste sogar auf rund 13 Prozent.
Nur im September: Depot eröffnen, 5 Trades ausführen, Depot übertragen – oder beides kombinieren. Jetzt teilnehmen
Aktie in nur 4 Monaten fast halbiert: Crash bei First Solar
Wenngleich die Gefahr eines erneuten Abschwungs der Branche, die sich gerade erst zu erholen begonnen hatte, real ist, wirkt der Abverkauf bei ausgewählten Einzelwerten überzogen. Das gilt beispielsweise für die Aktie des US-amerikanischen Solarmodulherstellers First Solar, die gegenüber ihrem Jahreshoch inzwischen 46 Prozent an Wert eingebüßt hat, ohne dass sich die Geschäftsaussichten grundlegend verändert haben.
Im Gegenteil hat die als gegenüber erneuerbaren Energien kritisch eingestellt geltende Trump-Regierung erst Anfang August über neue Zölle für Polysilizium und Preisuntergrenzen diskutiert, um Dumping durch chinesische Hersteller zu bekämpfen und heimische Hersteller von Wafern und Solarmodulen zu schützen. Der nach ausgelieferter Leistung größter Hesteller ist First Solar. Das Unternehmen strebt für 2026 eine Fertigungskapazität von 25 Gigawatt an, davon 14 in den USA.
Unternehmensbewertung jetzt spottbillig
Während die hohen Kursverluste für bereits investierte Anlegerinnen und Anleger schmerzhaft sind, könnten sie für neue Investoren ein Segen sein. Denn die Unternehmensbewertung ist dadurch so attraktiv wie seit über einem Jahr nicht mehr – als vielleicht letztem börsennotierten Modulhersteller wird es First Solar auch 2026 gelingen, einen Gewinn zu erwirtschaften. Das kann man von chinesischen Mitbewerbern wie JinkoSolar, dessen Aktie zuletzt sogar unter die Marke von 10 US-Dollar gerutscht ist, nicht behaupten.
Dadurch ergibt sich für 2026 ein KGVe von 9,8, das um 43,0 Prozent unter dem 5-Jahres-Mittel liegt. In Erwartung weiter steigender Gewinne ist für 2027 ein noch günstigeres KGVe von 7,4 veranschlagt. Daraus ergibt sich auch ein hochattraktives Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) von 0,46. Bereits ab einem Wert von 1,0 oder darunter gilt eine Aktie als günstig.
Gegenüber dem Stand vor 12 Monaten ist das Nettovermögen zwar um rund 670 Millionen US-Dollar auf 1,53 Milliarden US-Dollar geschrumpft. Nichtsdestotrotz ist First Solar weiter schuldenfrei. Dadurch ergibt sich auch für das EV/EBITDA-Verhältnis mit 6,5 ein hervorragender Wert. Der liegt sogar um 64,1 Prozent unter dem historischen Bewertungsmittel sowie um 54,7 Prozent unter dem Branchendurchschnitt. Das hat am Montag sogar das als Skeptiker der Aktie geltende Research-Haus KeyBanc zu einem Upgrade der Aktie veranlasst.
Mieser Chart, aber eine Gegenreaktion ist überfällig
Der Chart ist unterdessen genau so schwach, wie man es von einer Aktie, die binnen kurzer Zeit fast die Hälfte ihres Wertes verloren hat, erwarten würde. First Solar ist in den vergangenen Wochen unter beide gleitenden Durchschnitte auf neue 52-Wochen-Tiefs gerutscht. Von einer Bodenbildung ist bislang jedoch wenig zu sehen, das spricht zunächst für weitere Verluste.
Es gibt aber auch Indizien, die für ein Ende der Verkaufswelle sprechen. Der Relative-Stärke-Index (RSI) ist inzwischen im überverkauften Bereich angelangt, was zeigt, dass die Verkäuferinnen und Verkäufer ihr Pulver bereits verschossen haben könnten. Außerdem ist die Aktie zuletzt aus den Bollinger Bändern herausgefallen. Auf solche technischen Extremsituationen folgen häufig zumindest kurzfristige Gegenbewegungen. Angesichts der großen Abstände zu den gleitenden Durchschnitten und den nächstgelegenen Widerständen könnte eine solche hochdynamisch ausfallen.

wallstreetONLINE RedaktionEnergiepreise explodieren
Deutsche Bank: Diese Krisengewinner-Aktie ist jetzt ein Kauf!
Fazit: Bei First Solar kann man eine blutige Hand jetzt riskieren
Als eine der Grundregeln des Investierens am Aktienmarkt gilt, nicht in fallende Messer zu greifen. Doch nicht alle fallenden Messer sind gleich – genau eine solche Ausnahme könnte jetzt beim US-Solarmodulhersteller First Solar vorliegen. Die Aktie wurde in den vergangenen Monaten crashartig abverkauft, was den steigenden Anleiherenditen anzulasten ist. Das Kerngeschäft ist davon aber unberührt und könnte im Gegenteil durch neue Schutzmaßnahmen noch besser durch die ausländische Konkurrenz gestärkt werden.
Zwar gilt die Trump-Regierung als Freund fossiler Energien, doch in der KI- und Technologiebranche ist Solarenergie unumstritten – selbst Elon Musk, der gerne mit kontroversen Meinungen auffällt, ist Anhänger von Solarenergie. Daher wird angesichts der hohen Energiepreise und der rasant wachsenden Energienachfrage insbesondere in den USA kein Weg an Solarstrom vorbeiführen.
Im Unterschied zur Konkurrenz wirtschaftet First Solar unverändert profitabel und ist nebenbei schuldenfrei sowie günstig bewertet. Hier eine erste Risikoposition zu starten, könnte sich für mutige, antizyklisch agierende Anlegerinnen und Anleger mittelfristig auszahlen.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


