Inflation über 5 Prozent
Spanien geht auf die Barrikaden: Massenproteste wegen Wohnungsnot
Nachdem die Geschichte einer 65-jährige zwangsgeräumten Rentnerin aus Mallorca publik wurde, gehen die Spanier auf die Straße. Und: Die Lebenshaltungskosten der Iberer steigen, die Inflation liegt bei über 5 Prozent.
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Ein Aufschrei geht durch die Gesellschaft Spaniens: Pilar Lopez verbrachte zwei Monate schlafend in ihrem Auto, nachdem sie diesen Sommer aus ihrer Wohnung in Palma de Mallorca zwangsgeräumt worden war, in der sie 12 Jahre lang gelebt hatte.
Die 65-jährige Lopez, die an einer schweren chronischen Erkrankung infolge einer Rückenmarksverletzung leidet, gab gegenüber spanischen Medien an, dass ein Investmentfonds die Immobilie von der Bank, mit der sie einen Mietvertrag hatte, erworben und ihr völlig unerwartet Geld für den Auszug angeboten habe. Sie lehnte ab, konnte sich aber nicht gegen die Zwangsräumung wehren.
Das ist aber nicht das einzige Ereignis dieser Art, dass das Blut der Spanier zum Kochen brachte:
Die 87-jährige Rentnerin Maricarmen Abascal wurde letzte Woche auf einer Trage aus ihrem Haus in Madrid abtransportiert, in dem sie zuvor über sieben Jahrzehnte gelebt hatte. Abascal kann nach einer Einigung mit ihrem Vermieter in ihr Haus zurückkehren, teilte ihr Anwalt am späten Montag mit, das hat das grundlegende Problem der allgemeinen Wohnungsnot und die Wut der Spanier aber nicht gemildert.
Diese Zwangsräumung löste in ganz Spanien Massendemos aus. Protestler schlugen Zelte auf dem zentralen Platz Puerta del Sol vor dem Madrider Regionalregierungssitz auf, und Ministerpräsident Pedro Sánchez versprach, nach der Kabinettssitzung am Dienstag eine Lösung zu präsentieren.
28.09.2026, Spanien, Barcelona: Eine Demonstrantin hält in Barcelona ein Plakat mit dem Foto von Maricarmen, die in Madrid aus ihrer Wohnung vertrieben wurde. Foto: Matteo Secci/ZUMA Press Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (Spanien,Wohnungsnot,Demonstrationen)
Wohnungsnot in Südeuropa wächst massiv
Spanien erlebt, wie viele andere europäische Länder, eine akute Wohnungskrise, da die Immobilienpreise in die Höhe schnellen und die Mieten schneller steigen als die Reallöhne.
Dem Land fällt es schwer, an das Tempo des Wohnungsbaus vor der Finanzkrise 2008 anzuknüpfen, und laut der spanischen Zentralbank wird das Defizit von rund 750.000 Wohnungen bis 2028 auf über eine Million anwachsen, fast doppelt so hoch wie in Italien.
So sieht die Wohnungsnot in Deutschland aus
In Deutschland sieht es anders, aber nicht besser aus: Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) kommt in seiner Wohnungsbedarfsprognose von 2025 zu dem Schluss, dass in Deutschland jährlich ein Neubaubedarf von rund 320.000 Wohnungen bis 2030 besteht. Darin enthalten sind aber nicht bereits fehlende Wohnungen.
2025 wurden laut Statistischem Bundesamt nur 206.600 Wohnungen in Deutschland fertiggestellt. Das waren 18 Prozent weniger als 2024 und das niedrigste Bauniveau seit 2012.
Und 2026 dürfte die Zahl zunächst noch weiter fallen. Das ifo Institut beziehungsweise Euroconstruct erwartet für 2026 nur rund 185.000 Fertigstellungen. Gleichzeitig sind die Bauzinsen für zehnjährige Finanzierungen Ende September auf rund 4,3 Prozent gestiegen.
Inflation in Spanien durchbricht die 5-Prozent-Schallmauer
Was die Spanier in dieser angespannten Situation noch härter trifft: am Dienstag veröffentlichte das Statistikamt INE (Instituto Nacional de Estadística) die spanischen Inflationszahlen. Die Inflation stieg im September um 5 Prozent, nach 4,6 Prozent im August.
Eurostat veröffentlicht am Freitag die Zahlen für die 21 Länder der Eurozone. Ökonomen schätzen, dass die Inflation mit 3,7 Prozent den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht hat.
Die in Spanien massiv angestiegende Inflation mag auch ein Grund sein, warum die beiden Geschichten der obdachlos gewordenen Rentner, das Faß zum Überlaufen gebracht haben.
Autor: Krischan Orth, wallstreetONLINE Redaktion

