Kakao und Kaffee billiger
Kommt jetzt die Margenwende bei Nestlé?
Der heiße Sommer könnte Nestlé ein überraschend starkes Quartal beschert haben. Die UBS hebt das Kursziel an und erwartet mehr Menge und Marge. Warum die Bank trotzdem nicht zum Kauf rät.
- UBS erwartet 3,6 Prozent Umsatzwachstum im Sommer
- Mengen und Marge steigen, UBS bleibt dennoch neutral
- Sommer stärkt Wassersparte, Marketing bremst Marge
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Nestlé dürfte im Sommer mehr verkauft haben, als der Markt erwartet. UBS-Analyst Guillaume Delmas rechnet für das dritte Quartal mit einem organischen Umsatzwachstum von 3,6 Prozent. Der vom Datendienst Visible Alpha erhobene Konsens liegt bei 3,2 Prozent. Seine Zahlen legt der Lebensmittelkonzern am 22. Oktober vor. Delmas hob das Kursziel von 80 auf 81 Franken (85,64 Euro) an, bleibt aber bei seiner Einstufung "Neutral".
Entscheidend sei das reale interne Wachstum, also der Zuwachs aus Menge und Produktmix. Hier erwartet die UBS ein Plus von 1,9 Prozent, nach 1,8 Prozent im Vorquartal. Der Konsens liegt bei 1,4 Prozent.
Die Preise dürften dagegen nur noch um 1,7 Prozent steigen, denn frühere Erhöhungen verlieren an Wirkung. Rechnet man zwei Prozent Rückenwind von den Wechselkursen hinzu, käme Nestlé auf einen Umsatz von rund 22,9 Milliarden Franken.
Wasser profitiert vom Sommer
Einen Teil des Schwungs liefert die Sparte für Wasser und Premiumgetränke. Der warme Sommer in Europa und eine leichte Vergleichsbasis dürften ihr ein reales Wachstum von fünf Prozent bescheren. Die Sparte soll im kommenden Jahr aus den Zahlen verschwinden, weil Nestlé sie in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Finanzinvestor Platinum Equity einbringt.
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Zudem ebben alte Belastungen ab. Dazu zählen der Rückruf von Säuglingsnahrung, der Lagerabbau bei Tierfutter in den Vereinigten Staaten und ein Streit mit einem europäischen Handelskunden.
Marge soll steigen
Für das zweite Halbjahr erwarten die Analysten eine bereinigte operative Marge von 16,5 Prozent, 80 Basispunkte mehr als im Vorjahr. Günstigerer Kakao und Kaffee dürften die Bruttomarge auf 46,6 Prozent heben. Höhere Ausgaben für Marketing und Vertrieb zehren allerdings einen Teil davon auf. Den Gewinn je Aktie für 2027 hob Delmas um ein Prozent auf 4,92 Franken (5,20 Euro) an.
Bewertung im Branchenschnitt
Die Aktie notierte am Dienstagmittag bei 76,89 Franken (81,31 Euro). Seit Jahresbeginn liegt sie 1,6 Prozent im Plus. Nach den Halbjahreszahlen im Juli war sie um sieben Prozent eingebrochen.
Mit dem 17-Fachen des erwarteten Gewinns für 2026 ist Nestlé laut der Schweizer Großbank so bewertet wie andere große europäische Lebensmittelkonzerne. Auch die Deutsche Bank und JPMorgan raten zum Halten. Jefferies empfiehlt den Kauf.
Fazit
Die Erholung bei Nestlé gewinnt an Tempo. Mengen und Marge ziehen an. Das Kursziel von der UBS lässt allerdings nur gut fünf Prozent Luft. Für einen deutlichen Kurssprung fehlt der Aktie der Hebel. Die Zahlen am 22. Oktober werden zeigen, ob der Schwung trägt. Wer defensiv anlegt, kann die Aktie halten. Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger warten den Termin besser ab.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
Die Nestle Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -0,61 % und einem Kurs von 80,85EUR auf Lang & Schwarz (29. September 2026, 15:21 Uhr) gehandelt.
