Wer ist der nächste Kandidat
Eli Lilly im Übernahmefieber: 2 Biotechs, die ins Beuteschema passen
Eli Lilly will die nächste Übernahmerunde einläuten. CEO David Ricks nennt gleich mehrere neue Wunschfelder. Zwei börsennotierte Biotechs passen auffällig gut ins Profil – allerdings aus völlig unterschiedlichen Gründen.
- Lilly sucht Zukäufe in drei Gesundheitsfeldern
- Daré passt zur Frauengesundheit, ist aber sehr klein
- Vaxcyte wäre ein Milliarden-Deal, unbestätigt
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Der US-Pharmariese hat längst noch nicht genug. Nach Übernahmen im zweistelligen Milliardenbereich hält der wertvollste Pharmakonzern der Welt bereits nach den nächsten Zielen Ausschau. CEO David Ricks stellte gegenüber Bloomberg sogar größere Transaktionen als zuletzt in Aussicht und nannte drei Bereiche, in denen Lilly verstärkt investieren könnte: Infektionskrankheiten, Frauengesundheit und psychische Gesundheit.
Dabei will Lilly offenbar nicht erst zugreifen, wenn ein Wirkstoff kurz vor der Markteinführung steht. Ricks erklärte, dass sein Konzern bewusst bereit sei, früh auf vielversprechende Daten zu setzen. Genau dadurch könne Lilly Unternehmen kaufen, solange sie noch 500 Millionen statt fünf Milliarden US-Dollar wert seien.
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Welche Unternehmen Lilly tatsächlich prüft, ist nicht bekannt. Zwei börsennotierte Biotechs könnten jedoch genau ins Beuteschema passen, das CEO Ricks beschrieben hat. Allerdings ist nicht bekannt, ob Eli Lilly schon seine Fühler in diese Richtung ausgestreckt hat.
Daré Bioscience: Lillys Türöffner in die Frauengesundheit?
Kaum ein Unternehmen würde thematisch so exakt zu Ricks' neuem Wunschgebiet Frauengesundheit passen wie Daré Bioscience. Das kleine US-Biotech konzentriert sich vollständig auf diesen Bereich und deckt mit seiner Pipeline Verhütung, sexuelle Gesundheit, vaginale Erkrankungen, HPV und Schwangerschaftskomplikationen ab.
Zu den wichtigsten Projekten gehört Ovaprene, ein hormonfreies monatliches Verhütungsmittel, das sich in einer Phase-III-Studie befindet. Im Mai meldete Daré positive Ergebnisse einer geplanten Zwischenanalyse. Die Studie sollte ohne Änderungen fortgesetzt werden. Nachdem Bayer seine Lizenzvereinbarung beendet hatte, liegen die Rechte inzwischen wieder bei Daré.
Hinzu kommen unter anderem DARE-HPV gegen persistierende Hochrisiko-HPV-Infektionen sowie eine Sildenafil-Creme gegen weibliche sexuelle Erregungsstörungen.
Der entscheidende Punkt: Daré ist winzig. Ende September lag der Börsenwert lediglich bei rund 15 Millionen US-Dollar. Für Lilly wäre selbst eine hohe Übernahmeprämie finanziell kaum relevant.
Damit gibt es allerdings auch einen Haken: Daré liegt sogar deutlich unter der Größenordnung, die Ricks mit seinem Beispiel eines 500-Millionen-US-Dollar-Unternehmens beschrieben hat. Eine Übernahme wäre daher eher ein kleiner strategischer Zukauf als einer der von Ricks angekündigten größeren Deals. Inhaltlich passt Daré hervorragend, von der Größenordnung dagegen nur bedingt.
Vaxcyte: Der Milliarden-Deal für Lillys neue Impfstoff-Offensive?
Ganz anders sieht es bei Vaxcyte aus. Das kalifornische Biotech entwickelt Impfstoffe gegen bakterielle Infektionskrankheiten und wäre mit einem Börsenwert von zuletzt rund 8,7 Milliarden US-Dollar bereits eine Übernahme in einer völlig anderen Liga.
Das wichtigste Programm ist VAX-31, ein 31-valenter Pneumokokken-Konjugatimpfstoff. Drei Phase-III-Studien bei Erwachsenen laufen bereits. Erste Topline-Daten aus OPUS-1 werden noch im vierten Quartal 2026 erwartet, weitere Phase-III-Ergebnisse sollen im ersten Halbjahr 2027 folgen. Vaxcyte entwickelt außerdem VAX-A1 gegen Erkrankungen durch Gruppe-A-Streptokokken sowie einen Impfstoff gegen Shigellen.
Genau hier wird die Verbindung zu Lilly besonders interessant. Der Konzern hat im Mai mit Curevo, LimmaTech Biologics und Vaccine Company gleich drei Unternehmen übernommen, um ein neues Geschäft mit Infektionskrankheiten und Impfstoffen aufzubauen. Lilly erklärte dabei ausdrücklich, auf Technologien gegen virale und bakterielle Krankheitserreger setzen zu wollen.
Vaxcyte könnte diesen Aufbau mit einem Schlag massiv beschleunigen. Und anders als Daré passt auch die Größenordnung zu Ricks' jüngsten Aussagen über künftig größere Transaktionen.
Die wichtigste Einschränkung
Weder Daré Bioscience noch Vaxcyte wurden von Lilly oder Ricks als Übernahmeziele genannt. Es gibt derzeit auch keinen öffentlich bekannten Hinweis auf Gespräche zwischen Lilly und einem der beiden Unternehmen. Beide Aktien sind daher keine bestätigten Übernahmekandidaten.
Sie zeigen aber zwei Enden von Lillys möglichem Beuteschema: Daré wäre eine extrem günstige Wette auf einen neuen Therapiebereich, den Ricks ausdrücklich genannt hat. Vaxcyte wäre dagegen der milliardenschwere strategische Ausbau einer Offensive, die Lilly mit drei Übernahmen bereits begonnen hat.
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Markus Weingran, Chefredakteur wallstreetONLINE Börsenlounge
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