100 Prozent Strafzoll
Trumps Sanktionen gegen russisches Öl: Warum Indien nicht einfach umsteigen kann
Trumps neues Sanktionsgesetz droht Käufern russischen Öls mit Zöllen von bis zu 100 Prozent. Indien steht im Visier, will aber nicht so rasch umsteuern. Die Gründe reichen von der Inflation bis zur Raffinerietechnik.
- USA drohen Käufern russischen Öls mit Strafzöllen
- Indiens Bedarf und Raffinerien bremsen den Ölwechsel
- Indien setzt auf Ausnahmen statt raschen Ölverzicht
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Mit dem Sanctioning Russia and Iran Act (SRIA), den US-Präsident Donald Trump am 18. September unterzeichnet hat, drohen großen Abnehmern russischer Energie Zölle von bis zu 100 Prozent. Das Gesetz soll binnen 30 Tagen greifen. Einen raschen Abschied vom russischen Rohöl halten Beobachter in Indien dennoch für unrealistisch.
Die Abhängigkeit ist erheblich. Indien deckt mehr als 85 Prozent seines Rohölbedarfs über Importe, Russland war 2025 laut UN-Daten mit einem Drittel des Warenwerts wichtigster Lieferant. Umgekehrt ist Indien für Moskau ein Schlüsselkunde: Im August kaufte das Land laut dem Centre for Research on Energy and Clean Air russische Energieträger für 4,8 Milliarden Euro, nur China nahm mehr ab. Auf Rohöl entfielen 4,1 Milliarden Euro, 24 Prozent weniger als im Rekordmonat Juli. Der Rückgang folgte auf die klare Zustimmung des US-Senats.
Finanzministerin Nirmala Sitharaman warnt vor einem abrupten Wechsel. Das verfügbare Angebot sei begrenzt, ein Ausstieg würde die Preise dort nach oben treiben. Hinzu kommt die Technik: Indiens Raffinerien sind auf mittelschweres, schwefelhaltiges Öl ausgelegt. Rohöl, das sich selbst mit Anpassungen nicht verarbeiten lasse, nütze niemandem.
Prerna Gandhi von der Vivekananda International Foundation sieht Inflationsrisiken, zumal der Nahe Osten mit Liefer- und Transportproblemen kämpft und Brent über 100 US-Dollar je Barrel notiert. Zugleich hätten auch die USA kein Interesse, Millionen russischer Barrel aus einem knappen Markt zu drängen.
Indien könne daher Ausnahmen aushandeln. Ajay Srivastava von der Global Trade Research Initiative rät, weiter zu kaufen, solange der Preis stimmt, und in den Handelsgesprächen keine einseitigen Zugeständnisse zu machen.
Neu-Delhi hat seine Bedenken längst deponiert, zuletzt beim Treffen von Außenminister S. Jaishankar mit US-Außenminister Marco Rubio in New York. Viel steht auf dem Spiel: Die USA sind Indiens wichtigster Exportmarkt, die Warenlieferungen dorthin stiegen von April bis August auf 42,79 Milliarden US-Dollar.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
Öl (Brent) wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -2,25 % und einem Kurs von 96,35USD auf Lang & Schwarz (29. September 2026, 20:08 Uhr) gehandelt.
