Märkte am Morgen
Deutsche Inflationsdaten, OpenAI sammelt Milliarden ein, Micron legt Zahlen vor
Vor den Inflationsdaten startet der DAX mit Rückendwind in den Tag. Parallel sorgen OpenAIs Milliardenrunde, Chinas Konjunkturpaket und ein höherer Ölpreisausblick der Bank of America für neue Impulse.
- DAX startet vor Inflationsdaten mit Rückenwind
- OpenAI plant Milliardenrunde, China legt Paket auf
- Ölprognose steigt, Micron prägt KI-Stimmung
- Report: KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!
Der deutsche Leitindex startet heute mit positiven Vorzeichen in den Handel. Die Handelsplattform Tradegate taxiert den DAX eine Stunde vor Xetra-Beginn rund 0,5 Prozent höher bei 25.540 Punkten. Richtungsweisend dürfte ohnehin erst der Nachmittag werden, denn dann stehen gleich mehrere wichtige Preisdaten an.
Im Zentrum steht die vorläufige deutsche Inflationsrate für September, die das Statistische Bundesamt um 14 Uhr veröffentlicht. Ökonomen rechnen mit einem Sprung der Jahresrate auf 3,2 Prozent, dem höchsten Wert seit Dezember 2023.
Marktexperte Thomas Altmann verweist darauf, dass besonders die zuletzt stark unter Druck geratenen Rentenmärkte die Zahl genau beobachten werden. Nach seiner Einschätzung könnte "jede negative Überraschung neuen Verkaufsdruck erzeugen", während eine milde Inflationszahl umgekehrt für eine Erleichterungsrally sorgen könnte.
Kurz darauf folgt mit dem von der US-Notenbank bevorzugten PCE-Preisindex ein weiterer Belastungstest, hier wird eine unveränderte Jahresrate von 3,7 Prozent erwartet.
Auch Consorsbank-Chefanalyst Jochen Stanzl sieht den Nachmittag als entscheidend: Zu heiße Inflationswerte aus Deutschland und den USA sowie ein robuster privater US-Arbeitsmarktbericht könnten die Spekulationen auf eine erneute EZB Zinsanhebung wieder über die kritische 50 Prozent Marke treiben. Stanzl erwartet, dass der DAX seine Grenzen zwischen 25.200 und 25.600 Punkten testen wird.
Rückenwind kam am Morgen aus Asien, wo vor allem Halbleiterwerte zulegten. Auslöser war eine Aussage von US-Präsident Donald Trump, der nach einem Treffen mit fast zwei Dutzend Technologiechefs aus dem Silicon Valley, darunter die Spitzen von Anthropic und Nvidia, neue Regulierungen zur Künstlichen Intelligenz ablehnte. Bestehende Gesetze reichten aus, um die Bevölkerung vor möglichen Risiken der Technologie zu schützen, so Trump.
Unterdessen möchte ChatGPT-Entwickler OpenAI laut informierten Kreisen mindestens 30 Milliarden US-Dollar von Investoren einsammeln wollen, bei einer angestrebten Bewertung von etwa 1,4 Billionen US-Dollar. Damit würde OpenAI die zuletzt erzielte Bewertung von Rivale Anthropic übertreffen, zuvor war sogar nur von 1,2 Billionen US-Dollar die Rede gewesen.
Parallel bringt OpenAI mit "Dots" eine neue Generation dauerhaft aktiver KI-Agenten an den Start, die laut Firmenchef Sam Altman Nutzern Aufgaben im Job und Alltag abnehmen sollen, vom Recherchieren über das Verfassen von Dokumenten bis zum Programmieren. Dots gilt als OpenAIs Antwort auf Muse von Meta.
Auch aus China kommen neue Signale. Peking hat mit Hypothekensubventionen und ausgeweiteter Zentralbankunterstützung das größte Konjunkturpaket seit September 2024 geschnürt. Investoren reagierten dennoch verhalten, da die strukturelle Nachfrageschwäche im Land unangetastet bleibt. Pantheon Macroeconomics Chefökonom Duncan Wrigley geht davon aus, dass die Maßnahmen zwar reichen dürften, um das untere Ende des Wachstumsziels von 4,5 bis 5 Prozent zu erreichen, die grundlegenden Probleme aus schwacher Binnennachfrage und hoher Exportabhängigkeit aber ungelöst bleiben.
Bewegung gibt es zudem am Ölmarkt. Die Bank of America hat ihre Brent-Prognose für das zweite Halbjahr 2026 deutlich von 83 auf 95 US-Dollar je Barrel angehoben. Grund ist die Erwartung anhaltender geopolitischer Spannungen am Persischen Golf. Zwar hätten alternative Routen und eskortierte Tanker durch die Straße von Hormus einen Teil der Ausfälle kompensiert, doch beschädigte Infrastruktur mache eine rasche Normalisierung unwahrscheinlich.
Heute Abend rücken wichtige Earnings aus der KI-Branche in den Fokus: Mit Micron legt ein zentraler Zulieferer der KI-Branche seine Quartalszahlen vor. Da viele KI-Titel gemessen an aktuellen Gewinnen hoch bewertet sind und stark auf künftiges Wachstum setzen, gilt der Ausblick des Speicherchipherstellers als richtungsweisend für die Stimmung im gesamten Sektor.
Termine des Tages
Um 9:55 Uhr werden die deutschen Arbeitslosenzahlen für September veröffentlicht, um 14 Uhr folgt die deutsche Inflationsrate. In den USA stehen um 14:15 Uhr der ADP Arbeitsmarktbericht, um 14:30 Uhr unter anderem die dritte Schätzung zum BIP für das zweite Quartal sowie private Einkommen und Konsumausgaben auf der Agenda.
Am Nachmittag berichtet zudem Hewlett-Packard Enterprise auf seinem Investor Day, am Abend folgen die Quartalszahlen von Micron. BMW setzt seinen Kapitalmarkttag fort, in Frankreich finden die Hauptversammlungen von Air Liquide, L'Oréal und Totalenergies statt.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion

