Nvidia unter Druck
Nicht nur Chips: DeepSeek und Huawei greifen Nvidias Herzstück an
DeepSeek und Huawei bauen mit TileLang eine Alternative zu Nvidias CUDA auf. Damit greift China gezielt Nvidias Software-Burggraben im KI-Markt an.
- DeepSeek und Huawei greifen Nvidias CUDA an
- TileLang soll Ascend-Chips einfacher programmieren
- China baut ein eigenes KI-Ökosystem gegen Nvidia
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China macht beim Aufbau eines eigenen KI-Ökosystems den nächsten Schritt. DeepSeek hat gemeinsam mit Huawei neue Programmierwerkzeuge für Huaweis Ascend-KI-Chips entwickelt und Teile der Infrastruktur als Open Source veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht TileLang, eine Hochsprache für KI-Chips, die laut DeepSeek einfacher zu programmieren sein soll als Nvidias CUDA. Der Vorstoß ist für Anleger vor allem deshalb relevant, weil Nvidias Stärke längst nicht nur in leistungsfähigen Chips liegt. Ein zentraler Wettbewerbsvorteil ist das über Jahre gewachsene CUDA-Ökosystem aus Programmierschnittstellen, Bibliotheken und Entwicklerwerkzeugen. Genau hier setzen DeepSeek und Huawei nun an.
DeepSeek öffnet für Huaweis Ascend-Plattform neben TileLang auch Rechen- und Kommunikationsbibliotheken. Huawei habe die Entwicklung der Infrastruktur umfassend unterstützt. Zudem arbeiteten beide Unternehmen an einer sogenannten Supernode-Lösung mit 128 Ascend-950-Chips, bei der Rechenleistung und Kommunikation zwischen den Prozessoren gemeinsam optimiert werden. Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Huawei stellte erst vor zwei Wochen eine neue Generation von KI-Prozessoren und Supernode-Systemen vor. Das Unternehmen erwartet, dass seine Systeme ab dem kommenden Jahr verstärkt für das Training großer KI-Modelle eingesetzt werden. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Huaweis KI-Hardware in China so hoch, dass das Unternehmen nach eigenen Angaben derzeit nicht genug Systeme produzieren kann.
Damit verschiebt sich der Wettbewerb mit Nvidia zunehmend von der reinen Chip-Leistung auf die gesamte Plattform. China versucht, einen eigenen Stack aus KI-Modellen, Beschleunigern, Programmiersprachen und Rechenzentren aufzubauen. DeepSeek liefert dabei die Modell- und Softwarekompetenz, Huawei die Chips und Infrastruktur. Für Nvidia entsteht dadurch kurzfristig noch kein unmittelbarer Ersatz für CUDA. Das Entwickler-Ökosystem des US-Konzerns ist deutlich größer und über Jahre gewachsen. Der neue Vorstoß zeigt aber, dass chinesische Unternehmen gezielt versuchen, die Abhängigkeit von Nvidia nicht nur bei der Hardware, sondern auch bei der Software zu reduzieren.
Sollte es Huawei und DeepSeek gelingen, ein ausreichend attraktives Entwickler-Ökosystem rund um Ascend aufzubauen, könnte Nvidia langfristig einen Teil seines technologischen Lock-in im chinesischen KI-Markt verlieren. US-Exportbeschränkungen beschleunigen diesen Prozess zusätzlich und haben Huawei bereits zu einem der wichtigsten Anbieter für Hochleistungs-KI in China gemacht. Noch ist CUDA der Maßstab. Doch China baut inzwischen nicht mehr nur einen Nvidia-Chip nach – sondern versucht, das komplette Nvidia-Modell aus Hardware und Software nachzubilden.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion
Die NVIDIA Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,52 % und einem Kurs von 201,4EUR auf Tradegate (30. September 2026, 10:20 Uhr) gehandelt.

