Börsen-Aus für Pinewood
636 Millionen Euro für Pinewood: Warum Ridgeview jetzt zuschlägt
Pinewood steigert den Gewinn und treibt seine US-Expansion voran. Kurz vor dem Börsen-Aus übernimmt Ridgeview den KI-Softwareanbieter für 637 Millionen Euro.
- Pinewood steigert Gewinn dank Seez AI um 11,4 Prozent
- US-Expansion mit Lithia soll ab 2027 breit starten
- Ridgeview zahlt 637 Millionen Euro für Pinewood
- Report: KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!
Pinewood Technologies wächst weiter – und kurz vor dem geplanten Börsenabschied zeigt der britische Automobilsoftware-Spezialist noch einmal, warum sich der US-Finanzinvestor Ridgeview Partners das Unternehmen 545 Millionen Pfund (636,9 Millionen Euro) kosten lässt. Der bereinigte operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg im ersten Halbjahr um 11,4 Prozent auf 8,8 Millionen Pfund. Rückenwind kam vor allem von Seez AI. Pinewood hatte den Spezialisten für künstliche Intelligenz und Machine Learning im März 2025 für rund 33,3 Millionen Pfund übernommen. Das Unternehmen bietet unter anderem KI-Chatbots, digitale Marketinglösungen sowie Software für Fahrzeugbewertung und Bestandsmanagement an.
Pinewood bestätigte zugleich seine Prognose für das Gesamtjahr. Der bereinigte EBITDA soll 2026 weiterhin rund 21 Millionen Pfund erreichen. Noch ambitionierter sind die mittelfristigen Ziele: Für 2028 peilt der Konzern bereits 62 Millionen Pfund an. Für 2027 liegt das Ziel bei 35 Millionen Pfund. Das Management verweist dabei auf die hohe Planbarkeit durch bereits abgeschlossene Verträge. Die bisherigen mittelfristigen Zielmarken sehen für 2029 sogar 109 Millionen Pfund und für 2030 162 Millionen Pfund vor. Der wichtigste Wachstumstreiber dürfte künftig die Expansion in den USA sein. Pinewood arbeitet dabei eng mit Lithia Motors zusammen, einem der größten Autohändler Nordamerikas. Zwei US-Händler von Lithia sollen im vierten Quartal erstmals mit der Pinewood-Plattform live gehen. Eine breitere Einführung in Nordamerika ist anschließend ab dem ersten Halbjahr 2027 geplant.
Für Pinewood wäre das ein entscheidender Schritt. Bislang liegt der Schwerpunkt des Geschäfts vor allem in Großbritannien und anderen internationalen Märkten. Lithia will die Pinewood-Plattform perspektivisch über sein nordamerikanisches Händlernetz ausrollen. Der US-Konzern verspricht sich davon weniger IT-Komplexität, automatisierte Prozesse und niedrigere Kosten. Die Wachstumsstory bekommt jedoch einen ungewöhnlichen Schlusspunkt. Erst am vergangenen Freitag stimmten die Pinewood-Aktionäre der Übernahme durch die US-Private-Equity-Gesellschaft Ridgeview Partners zu. Der Deal soll voraussichtlich am 9. Oktober wirksam werden.
Ridgeview zahlt 448 Pence je Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von rund 43 Prozent auf den Schlusskurs vom 23. Juli, bevor die Übernahmepläne öffentlich wurden. Gegenüber dem Dreimonatsdurchschnitt lag die Prämie sogar bei rund 64 Prozent. Am Mittwoch notierte die Pinewood-Aktie mit rund 447 Pence praktisch auf Höhe des Übernahmepreises. Damit ist die unmittelbare Kursfantasie weitgehend ausgeschöpft. Für Ridgeview beginnt die eigentliche Wette dagegen erst: Der Finanzinvestor übernimmt ein wachsendes Softwareunternehmen genau zu dem Zeitpunkt, an dem dessen KI-Produkte und die Expansion auf dem riesigen nordamerikanischen Automobilmarkt Fahrt aufnehmen.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion
Die Pinewood Technologies Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,96 % und einem Kurs von 5,275EUR auf Lang & Schwarz (30. September 2026, 10:53 Uhr) gehandelt.

