Öl-Hammer aus Japan
Japan dreht beim Öl auf: US-Lieferungen explodieren um das Zwölffache
Japans Ölimporte steigen kräftig. US-Lieferungen springen auf 33,7 Prozent Marktanteil und liegen damit fast gleichauf mit Saudi-Arabien.
- US-Öl erreicht in Japan fast Saudi-Arabiens Marktanteil
- Nahost-Anteil sinkt, Japan streut seine Ölquellen breiter
- US-Öl federt Ausfälle ab, Transportwege werden länger
- Report: KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!
Japan verändert seine Ölversorgung so stark wie seit Jahren nicht mehr. Im August stiegen die Rohölimporte gegenüber dem Vorjahr um 13,1 Prozent auf 2,51 Millionen Barrel pro Tag. Auffällig ist vor allem, woher das zusätzliche Öl kommt: Die Lieferungen aus den USA schossen auf rund 844.685 Barrel pro Tag nach oben und lagen damit mehr als zwölfmal so hoch wie ein Jahr zuvor. Damit rückten die Vereinigten Staaten überraschend nah an Saudi-Arabien heran. US-Rohöl machte im August 33,7 Prozent der japanischen Einfuhren aus, Saudi-Arabien kam auf rund 34 Prozent. Für ein Land, das traditionell extrem stark vom Nahen Osten abhängig ist, ist das eine bemerkenswerte Verschiebung.
Noch 2025 stammten rund 94 Prozent der japanischen Rohölimporte aus dem Nahen Osten. Im August fiel dieser Anteil auf nur noch 60,7 Prozent. Zum Vergleich: 2024 hatte die Abhängigkeit laut japanischer Energiebehörde sogar bei rund 95 Prozent gelegen. Damals kamen allein 43,7 Prozent der Einfuhren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und weitere 40 Prozent aus Saudi-Arabien. Der Grund für die Verschiebung liegt vor allem in den anhaltenden Störungen im Nahen Osten. Die japanischen Importe aus der Region sanken im August um 28,4 Prozent. Die Lieferungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten brachen um 29,9 Prozent ein, jene aus Saudi-Arabien gingen um 11,9 Prozent zurück.
Japan reagiert darauf mit einer breiteren Beschaffungsstrategie. Neben den USA gewannen auch Mexiko, Ecuador und Kolumbien an Bedeutung. Zusätzlich bezog das Land Rohöl aus Australien, Kanada, Brunei und dem Südsudan. Die Entwicklung ist kein kurzfristiger Ausreißer. Bereits im Juli waren Japans Rohölimporte wieder deutlich gestiegen, nachdem Lieferungen aus den USA einen Teil der Ausfälle aus dem Nahen Osten kompensiert hatten. Gleichzeitig trieben die hohen Ölpreise Japans gesamte Importrechnung kräftig nach oben. Im August legte der Wert der japanischen Einfuhren insgesamt um 28 Prozent zu, vor allem wegen deutlich höherer Energiekosten.
USA werden strategisch wichtiger
Für den Ölmarkt ist die Entwicklung gleich aus mehreren Gründen relevant. Japan gehört zu den größten Ölimporteuren der Welt und verfügt selbst kaum über eigene Förderung. Wenn sich Tokio dauerhaft stärker auf amerikanische und lateinamerikanische Lieferanten stützt, verändert das die globalen Handelsströme. Für US-Produzenten und Exportterminals ist das grundsätzlich positiv: Asiatische Abnehmer werden wichtiger, während Japan seine Abhängigkeit von Hormus und vom Nahen Osten reduziert. Gleichzeitig steigen jedoch die Transportkosten, weil Rohöl aus den USA deutlich weitere Wege zurücklegen muss als Lieferungen aus Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Die Versorgungslage bleibt zudem angespannt. Die asiatischen Rohölimporte lagen im August laut Kpler weiter deutlich unter dem Niveau vor Beginn des Iran-Konflikts. Die Lieferungen durch die Straße von Hormus hatten sich zwar gegenüber den Tiefständen im Frühjahr erholt, lagen aber weiterhin weit unter dem früheren Normalniveau. Auch für den Ölpreis bleibt das relevant. Brent notierte Ende September weiter über 100 US-Dollar je Barrel, obwohl sich die Exporte aus dem Nahen Osten zuletzt wieder verbessert hatten. Die Region erreichte im September mit rund 16,3 Millionen Barrel pro Tag den höchsten Exportwert seit Beginn des Konflikts im Februar.
Japan zeigt damit exemplarisch, wie sich der globale Ölmarkt neu sortiert: Weg von maximaler Abhängigkeit vom Nahen Osten, hin zu breiter gestreuten Lieferketten. Besonders die USA könnten davon langfristig profitieren.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion

