Die Kluft explodiert
Reich gegen superreich: Der Börsenboom sprengt Amerikas Vermögensschere
Die reichsten 0,1 Prozent der US-Haushalte besitzen 28 Billionen US-Dollar. Vor allem der Börsenboom lässt die Vermögenskluft weiter wachsen.
- Top 0,1 Prozent besitzen 28 Billionen US-Dollar
- Aktiengewinne mehren vor allem das Spitzenvermögen
- Börsenboom lässt die Vermögenskluft weiter wachsen
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Der Börsenboom in den USA produziert gewaltige Vermögensgewinne – doch sie landen zu einem erheblichen Teil bei einer winzigen Gruppe, wie das Wall Street Journal berichtet. Die reichsten 0,1 Prozent der US-Haushalte besitzen inzwischen rund 28 Billionen US-Dollar. Das entspricht etwa 15 Prozent des gesamten amerikanischen Vermögens. Seit Ende 2019 hat sich ihr Vermögen damit mehr als verdoppelt. Dahinter stehen gerade einmal rund 137.000 Haushalte. Im Durchschnitt verfügt jeder davon über mehr als 200 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Die ärmere Hälfte der Amerikaner besitzt zusammen lediglich rund 4 Billionen US-Dollar beziehungsweise 2,3 Prozent des Vermögens. Durchschnittlich kommen diese Haushalte auf etwa 63.000 US-Dollar. Das durchschnittliche Vermögen an der Spitze ist damit mehr als 3.000-mal so hoch.
Der entscheidende Beschleuniger ist die Börse. Von den rund 14,5 Billionen US-Dollar, die die reichsten 0,1 Prozent der US-Haushalte seit Ende 2019 zusätzlich angehäuft haben, stammen etwa 10 Billionen US-Dollar aus Kursgewinnen bei Aktien und Investmentfonds. Allein im Jahr bis Ende Juni 2026 sorgte der Aktienmarkt für fast 4 Billionen US-Dollar zusätzliches Vermögen bei dieser kleinen Gruppe.
Aktienbesitz macht den Unterschied
Die aktuellen Daten der US-Notenbank zeigen, warum steigende Aktienkurse die Vermögensschere so stark öffnen. Im zweiten Quartal hielten die reichsten 0,1 Prozent Aktien und Fonds im Wert von rund 16,15 Billionen US-Dollar. Bei der unteren Hälfte der Vermögensverteilung waren es dagegen nur rund 370 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig besitzt die Spitze zusätzlich knapp 4,8 Billionen US-Dollar an Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen. Damit wirken Kurssteigerungen an der Wall Street an der Spitze wie ein enormer Vermögenshebel. Die Fed meldete für das gesamte zweite Quartal 2026 einen Anstieg des Nettovermögens der US-Haushalte und gemeinnützigen Organisationen um 12,8 Billionen US-Dollar auf 195,9 Billionen US-Dollar. Hauptgrund waren kräftige Bewertungsgewinne bei Unternehmensaktien.
Doch die Superreichen unterscheiden sich nicht nur durch ihr Aktienvermögen vom Rest. Untersuchungen der Ökonomen Owen Zidar und Eric Zwick zeigen, dass große Vermögen häufig mit Unternehmertum verbunden sind. Viele extrem wohlhabende Amerikaner besitzen mittelständische Unternehmen, Partnerschaften oder Beteiligungen außerhalb der Börse – vom Autohändler bis zum regionalen Firmenimperium.
Der Börsenboom verstärkt sich selbst
Für die Wirtschaft hat diese Entwicklung Folgen. Steigende Depotwerte können den sogenannten Vermögenseffekt auslösen: Wer sich reicher fühlt, konsumiert mehr oder kann Aktienportfolios als Sicherheit für Kredite einsetzen. Besonders bei sehr vermögenden Haushalten kann ein Börsenboom damit zusätzlich die Nachfrage nach Luxusgütern, Immobilien, Reisen oder alternativen Investments stützen. Für Anleger steckt darin zugleich eine zentrale Erklärung dafür, warum ein steigender S&P 500 nicht automatisch bedeutet, dass der Wohlstand gleichmäßig wächst. Zwar profitieren auch Millionen Amerikaner über Altersvorsorgekonten von höheren Aktienkursen. Die direkten Aktienbestände sind jedoch extrem ungleich verteilt.
Und genau deshalb öffnet sich inzwischen selbst innerhalb der wohlhabenden Bevölkerung eine neue Kluft. Die reichsten Amerikaner werden nicht einfach nur reicher als die Mittelschicht. Die Superreichen ziehen zunehmend auch den "normalen" Millionären davon. Solange Aktienkurse und Unternehmensbewertungen steigen, dürfte dieser Mechanismus bestehen bleiben.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion

