VW und Mercedes mit Funken Hoffnung

Gefühlt ist die Stimmung an den Märkten deutlich schlechter, als es die großen Indizes vermuten lassen. EuroStoxx 50 und DAX haben erst im August ihre Hochs erreicht und seitdem leicht korrigiert, beim Nasdaq 100 wurde jüngst ein neues Rekordhoch verzeichnet. Nicht übel für den landläufig als Krisenmonat verrufenen September. Ein Blick unter die Oberfläche zeigt jedoch, dass die Korrektur bei vielen Einzelwerten bereits deutlich weiter fortgeschritten ist. Das muss allerdings nicht zwangsläufig ein schlechtes Zeichen sein.
DAX auf wenigen Beinen
Auch beim Blick auf den DAX kann man derzeit leicht einer optischen Täuschung erliegen. Der Leitindex hat zuletzt rund fünf Prozent korrigiert und damit eine für den Spätsommer durchaus normale Konsolidierung gezeigt. Die 40 Einzelwerte erzählen allerdings eine deutlich schwächere Geschichte. „Im Durchschnitt liegen die Aktien rund 18 Prozent unter ihren jeweiligen Jahreshochs“, erklärt Andreas Lipkow von CMC Markets. Für die mittelfristige Einschätzung ist jedoch ein anderer Wert entscheidender: Immerhin die Hälfte der DAX-Aktien behauptet ihre sogenannte 200-Tage-Linie. Bei einem großen Teil des Marktes ist der langfristige Aufwärtstrend damit weiterhin intakt.
Genau diese Kombination ist für die aktuelle Einordnung wichtig. Kurzfristig hat die Korrektur bereits viele Aktien erfasst, während die langfristige Trendstruktur noch vergleichsweise stabil ist. Der Markt hat also bereits viel Schwäche verarbeitet, ohne dass der übergeordnete Aufwärtstrend flächendeckend beschädigt wurde.
Wenn Schwäche zur Chance wird
Ein Blick in die Vergangenheit liefert dafür interessante Parallelen. „Ähnliche Niveaus bei der Marktbreite oberhalb der 200-Tage-Linie wurden bereits im August 2024, im Frühjahr 2025 während des Zoll-Crashs und nach den geopolitischen Verwerfungen zwischen den USA und dem Iran im Frühjahr dieses Jahres erreicht“, so Andreas Lipkow. In allen drei Phasen erwies sich die Schwäche beim DAX im Nachhinein als attraktive Einstiegsgelegenheit.
Das bedeutet nicht, dass sich die Geschichte wiederholt oder der Tiefpunkt heute bereits feststeht. Es zeigt aber, dass eine deutlich reduzierte Marktbreite innerhalb eines intakten langfristigen Trends nicht automatisch ein Verkaufssignal ist. Im Gegenteil: Wenn viele Aktien kurzfristig korrigieren, während ihre langfristigen Trends überwiegend intakt bleiben, kann daraus ein interessantes Chance-Risiko-Verhältnis für antizyklische Käufe entstehen.
