Nach +100 % kommt die Warnung
Diese Börsen-Schnäppchen könnten für Anleger zur Falle werden
Nach der Rallye wächst die Skepsis. Ein früherer Weggefährte von Michael Burry warnt, dass ausgerechnet vermeintlich günstige Aktien aus Südkorea für Anleger schnell zur Wertfalle werden könnten.
- Clifton warnt vor südkoreanischen Wertfallen
- Familien drücken Kurse, Dividenden bleiben aus
- Japan reformiert, Korea bleibt für Anleger riskant
- Report: KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!
Südkoreas Börse wirkt billig – doch genau darin sieht Phil Clifton eine gefährliche Falle. Der frühere Portfoliomanager von Michael Burrys Scion Asset Management warnt davor, dass niedrige Bewertungen Anleger täuschen können, weil ein erheblicher Teil des Unternehmenswerts bei vielen Firmen gar nicht bei Minderheitsaktionären ankommt. Clifton traf sich im August mit rund zwei Dutzend Unternehmen in Südkorea und Japan und schrieb danach in einem Investorenbrief, Investments in Korea erforderten "ein besonderes Maß an Vorsicht und Aufmerksamkeit hinsichtlich der Anreize für das Management".
Sein Hauptkritikpunkt ist die Struktur vieler familienkontrollierter Unternehmen. Die südkoreanische Erbschafts- und Schenkungssteuer kann laut Clifton in bestimmten Fällen bis zu 60 Prozent erreichen, während börsennotierte Beteiligungen zum Marktwert angesetzt werden. Dadurch entstehe für kontrollierende Familien ein Anreiz, Aktienkurse niedrig zu halten – etwa indem Unternehmen Bargeld horten, wenig oder gar keine Dividenden ausschütten oder Kapital außerhalb des Kerngeschäfts investieren.
Clifton formuliert die Gefahr drastisch: "Aktien solcher Unternehmen sind praktisch ewige Anleihen ohne Kupons oder Kapitalrückzahlung und werden zu 'Wertfallen', die sich nicht entwickeln, unabhängig davon, wie gut das zugrunde liegende Geschäft läuft", zitiert ihn Bloomberg. Der entscheidende Punkt: Selbst starke Margen, gutes Wachstum und niedrige Bewertungsmultiplikatoren helfen wenig, wenn der wirtschaftliche Wert am Ende nicht bei den Aktionären landet.
Die Warnung kommt ausgerechnet nach einer spektakulären Rallye. Der Kospi war in diesem Jahr bis zu seinem Hoch im Juni um mehr als 100 Prozent gestiegen. Hoffnungen auf bessere Corporate Governance, höhere Ausschüttungen und eine Auflösung des sogenannten Korea-Discounts hatten internationale Anleger angelockt. Seit dem Hoch hat die Dynamik allerdings nachgelassen.
Japan beurteilt Clifton deutlich positiver. Dort hätten Börse und Regulierer beim Abbau struktureller Bewertungsabschläge bereits greifbare Fortschritte erzielt. "Zu unserem Glück sind die Bewertungsabschläge in Japan noch nicht vollständig verschwunden", sagte er. Seine größte Position ist derzeit das japanische Health-Tech-Unternehmen Medley.
Nur im September: Depot eröffnen, 5 Trades ausführen, Depot übertragen – oder beides kombinieren.→ Jetzt teilnehmen
Cliftons Warnung ist damit keine pauschale Absage an Korea. Sie richtet sich gegen den reflexartigen Kauf vermeintlich billiger Aktien. Für Value-Investoren zählt aus seiner Sicht nicht nur, wie günstig ein Unternehmen aussieht, sondern ob Gewinne, Cash und Unternehmenswert am Ende tatsächlich bei den Minderheitsaktionären ankommen.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

