Rhein fällt unter null
Niedrigwasser kostet deutsche Konzerne Hunderttausende Euro extra pro Schiff
Der Rhein erreicht historische Tiefstände. Frachtraten explodieren, wichtige Rohstofftransporte stocken. Die gesamte deutsche Wirtschaft könnte getroffen werden.
- Rhein fällt bei Kaub auf historischen Tiefstand
- Niedrigwasser verteuert Fracht und stoppt Transporte
- Niedrigwasser belastet Industrie und Landwirtschaft
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Über 400.000 Euro können die Niedrigwasserzuschläge inzwischen bei nur einer Schiffsladung betragen! Für Transporte über das Nadelöhr Kaub werden bei extrem niedrigen Pegeln inzwischen bis zu 1.350 Euro zusätzlich je Container fällig. Bei 300 betroffenen Containern summiert sich das auf 405.000 Euro.
Die Kosten explodieren auf Europas wichtigster Wasserstraße. Große Rhein-Containerschiffe kommen auf mehrere Hundert Standardcontainer (TEU). Ein sogenanntes "Rhinemax"-Schiff fasst beispielsweise rund 400 bis 470 TEU, besonders große Schiffe und Verbände können 500 TEU und mehr erreichen. Bei extremem Niedrigwasser lässt sich diese Kapazität jedoch nicht annähernd ausschöpfen.
Bei Kaub, dem Nadelöhr des Mittelrheins, fiel der Wasserstand am Wochenende zeitweise auf einen historischen Tiefstand von minus zwei Zentimetern. Das bedeutet nicht, dass der Rhein an der Stelle völlig ausgetrocknet ist und Fußgänger auf die andere Seite wandern können. Der Pegelnullpunkt ist eine Referenzgröße, die Fahrrinne liegt etwas tiefer. Für die Schifffahrt stellt die Situation dennoch eine extreme Belastung dar.
Bereits im Sommer mussten Frachtschiffe auf Teilen des Rheins ihre Ladung auf rund 20 Prozent ihrer normalen Kapazität reduzieren, berichtete Reuters im Juli. Transporte müssen dadurch auf mehr Schiffe verteilt oder auf Bahn und Lkw verlagert werden. Über den Rhein werden unter anderem Mineralölprodukte, Kohle, Erze und Mineralien sowie Getreide transportiert. Hinzu kommen Chemikalien und Baustoffe.

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Besonders empfindlich reagieren Raffinerien und die Chemieindustrie, die, wie BASF, ihre Werke direkt am Rhein hat. Ölprodukte wie Benzin, Diesel und Heizöl müssen auf teurere Transportwege ausweichen. Pipelines, Bahn und Lkw können die fehlende Kapazität der Binnenschiffe nur begrenzt ersetzen. Auch Stahlwerke benötigen kontinuierlich große Mengen Eisenerz und Kohle. Bereits im Juli hatte Thyssenkrupp Steel wegen Versorgungsproblemen die Hochofenproduktion in Duisburg leicht reduziert.
Auch die Landwirtschaft ist betroffen. Getreide, Ölsaaten, Futtermittel und Dünger müssen transportiert werden. Höhere Frachtraten verteuern damit nicht nur den Abtransport der Ernte, sondern potenziell auch wichtige Vorprodukte für die Landwirtschaft.
Wie groß der volkswirtschaftliche Schaden werden kann, zeigt das Niedrigwasserjahr 2018. Eine Untersuchung des Kiel Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass 30 Niedrigwassertage innerhalb eines Monats die deutsche Industrieproduktion unter sonst gleichen Bedingungen um rund ein Prozent drücken können. Im November 2018 lag die Produktion nach Berechnungen der Forscher rund 1,5 Prozent unter dem Niveau, das ohne Niedrigwasser zu erwarten gewesen wäre. Das entsprach einem Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt von knapp minus 0,4 Prozent.
Da Straße und Schiene die ausgefallenen Schiffstransporte kurzfristig nicht in nennenswertem Umfang kompensieren können, wird aus dem extrem niedrigen Rheinpegel ein gesamtwirtschaftliches Problem. Steigende Frachtraten verteuern Energie, Rohstoffe und Vorprodukte. Bleibt das Wasser länger niedrig, wächst das Risiko, dass Unternehmen diese zusätzlichen Kosten zumindest teilweise an ihre Kunden weitergeben.
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Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

