Rüstung trifft Kreatin
Rüstungsboom: Diese deutsche Aktie fährt die Produktion hoch
Alzchem setzt auf einen langjährigen Rüstungsboom: Neue Nitroguanidin-Kapazitäten und starkes Kreatin-Geschäft sollen Umsatz und Gewinn weiter antreiben.
- Munitionsnachfrage könnte bis zu 15 Jahre anhalten
- Neue Anlagen stärken Nitroguanidin-Produktion ab 2026
- Kreatin und Rüstung stärken Umsatz und Gewinn
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Alzchem stellt sich auf einen langfristigen Boom im Verteidigungsgeschäft ein. Vorstandschef Andreas Niedermaier erwartet, dass allein das Auffüllen der westlichen Munitionslager die Nachfrage noch bis zu 15 Jahre antreiben könnte. Der Spezialchemiekonzern reagiert darauf mit einem kräftigen Ausbau seiner Produktion in Deutschland und den USA. Im Mittelpunkt steht Nitroguanidin. Alzchem ist nach Angaben von CEO Niedermaier innerhalb der NATO der einzige westliche Anbieter des energetischen Spezialstoffs, der unter anderem als Bestandteil von Treibladungen für weitreichende 155-Millimeter-Artilleriemunition verwendet wird. Auch in Gasgeneratoren für Airbags und Gurtstraffer kommt Nitroguanidin zum Einsatz.
In Deutschland läuft derzeit der Anfahrprozess einer zusätzlichen Nitroguanidin-Anlage. Die neuen Kapazitäten sollen im Verlauf der zweiten Jahreshälfte 2026 schrittweise verfügbar werden. Nach Reuters-Angaben beläuft sich die Investition auf rund 150 Millionen Euro. Alzchem hatte bereits Ende Juli bestätigt, dass die Anlage hochgefahren wird und die steigende Nachfrage bedienen soll. Doch Deutschland ist nur der erste Schritt. In Bushy Park im US-Bundesstaat South Carolina soll eine weitere Nitroguanidin-Produktion entstehen. Geplant sind Investitionen von rund 150 Millionen US-Dollar. Das Projekt basiert auf einem Vertrag mit der US-Regierung und wird durch Fördermaßnahmen des Bundes sowie des Bundesstaates South Carolina und von Berkeley County unterstützt. Der Aufbau soll nach Reuters-Angaben ab 2027 beginnen.
Der Rüstungsboom schlägt sich bereits deutlich in den Zahlen nieder. Im ersten Halbjahr 2026 legte der Konzernumsatz um sechs Prozent auf 303,9 Millionen Euro zu. Das EBITDA stieg sogar um 14 Prozent auf 64,5 Millionen Euro. Besonders stark entwickelte sich das Segment Specialty Chemicals: Hier wuchs der Umsatz um zehn Prozent auf 214,3 Millionen Euro, während das EBITDA um 19 Prozent auf 64,1 Millionen Euro zulegte. Als wichtigste Wachstumstreiber nennt Alzchem Defense, Human Nutrition und Custom Manufacturing.
Neben der Verteidigung entwickelt sich damit ausgerechnet Kreatin zur zweiten großen Wachstumssäule. Die hohe Nachfrage nach den Marken Creapure und Creavitalis veranlasst Alzchem ebenfalls zum Ausbau der Kapazitäten in Deutschland. Niedermaier erwartet nach Reuters-Angaben, dass das Verteidigungsgeschäft künftig ähnlich stark wachsen könnte wie der Kreatinbereich. Für 2026 peilt Alzchem weiterhin einen Umsatz von rund 600 Millionen Euro und ein EBITDA von etwa 126 Millionen Euro an. 2025 hatte der Konzern 562,1 Millionen Euro umgesetzt und ein EBITDA von 116,5 Millionen Euro erzielt. Erste Ergebnisbeiträge der neuen Kapazitäten sollen bereits 2026 sichtbar werden und ab 2027 stärker hochlaufen.
Für Anleger entsteht damit eine ungewöhnliche Wachstumskombination: Alzchem profitiert gleichzeitig vom europäischen und amerikanischen Aufrüstungszyklus sowie vom weltweiten Boom bei Nahrungsergänzungsmitteln. Entscheidend wird nun, wie schnell die neuen Nitroguanidin-Kapazitäten hochgefahren werden können. Sollte Niedermaiers Einschätzung eines bis zu 15 Jahre anhaltenden Nachholbedarfs bei Munition eintreten, könnte der Verteidigungsbereich für Alzchem noch über Jahre ein zentraler Wachstumsmotor bleiben.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion
Die Alzchem Group Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -0,15 % und einem Kurs von 162,3EUR auf Lang & Schwarz (01. Oktober 2026, 07:24 Uhr) gehandelt.

