Infineon setzt auf KI-Stromboom: Eaton-Deal stärkt SiC-Geschäft
**Infineon baut Geschäft mit Energieinfrastruktur für KI aus**
Infineon verstärkt seine Aktivitäten rund um den wachsenden Strombedarf von KI-Rechenzentren. Der Münchner Halbleiterkonzern liefert künftig Siliziumkarbid-Leistungshalbleiter an den US-Energiemanagementanbieter Eaton. Die 1.200-Volt-CoolSiC-Module kommen in Eatons neuer Mittelspannungs-Festkörpertransformator-Plattform 800-VDC-MV-SST 2.0 zum Einsatz. Sie wurde in Shenzhen entwickelt und ist für KI-Rechenzentren, Hochleistungsrechner und künftige Gleichstromnetze vorgesehen. Eaton zielt mit der Plattform vor allem auf Märkte in Asien sowie Europa, dem Nahen Osten und Afrika.
Der technologische Ansatz adressiert ein zentrales Problem beim Ausbau von KI-Infrastruktur: Immer leistungsfähigere GPU-Systeme erhöhen die Leistungsdichte und damit den Energiebedarf der Rechenzentren. Herkömmliche Stromarchitekturen wandeln Energie mehrfach um. Das verursacht Verluste und Wärme und beansprucht Platz. Festkörpertransformatoren können Mittelspannungs-Wechselstrom direkt in Hochspannungs-Gleichstrom umwandeln und so Umwandlungsschritte einsparen. Eaton beziffert mögliche Vorteile seiner Lösungen gegenüber traditionellen Architekturen mit bis zu 40 Prozent weniger Platzbedarf, bis zu 50 Prozent kürzeren Installationszeiten und bis zu 46 Prozent geringeren Lösungskosten.
Für Infineon ist der Einsatz von Siliziumkarbid strategisch attraktiv. SiC-Bauteile können hohe Spannungen und Temperaturen effizienter bewältigen als herkömmliche Siliziumkomponenten. Sie eignen sich deshalb für leistungsstarke Anwendungen, bei denen Energieverluste möglichst gering bleiben sollen. Die Zusammenarbeit ist keine neue Geschäftsbeziehung: Eaton und Infineon arbeiten seit mehr als 20 Jahren zusammen, unter anderem bei Photovoltaik und unterbrechungsfreien Stromversorgungen. Nun prüfen sie Festkörpertransformatoren der nächsten Generation mit 2,3- und 3,3-Kilovolt-SiC-Modulen.
Der Deal ist Teil einer breiteren Strategie, mit der Infineon die Stromversorgungskette von der Netzanbindung bis zum Server-Rack adressieren will. Anfang September vereinbarte der Konzern mit Skeleton Technologies die Entwicklung von Festkörpertransformatoren und Energiespeichern für KI-Rechenzentren. Mit SolarEdge arbeitet Infineon zudem an Halbleiter-Schutzschaltern für 800-Volt-Gleichstromnetze. Damit setzt der Konzern nicht allein auf Chips für Rechenleistung, sondern auch auf die dafür nötige Energieinfrastruktur.
Rückenwind kommt von Jefferies: Das Analysehaus bestätigte für Infineon die Kaufempfehlung „Buy“ und ein Kursziel von 96 Euro. Analyst Janardan Menon erwartet eine anhaltend starke Halbleiternachfrage und rechnet damit, dass die meisten Unternehmen die Erwartungen mindestens erfüllen. Größere Prognoseanhebungen hält er jedoch für unwahrscheinlich. Zudem könnte ein erwarteter Zyklusgipfel im vierten Quartal die Bewertungen belasten; diese reagierten typischerweise drei bis sechs Monate im Voraus.
Parallel baut Infineon seine Fertigung aus. In Samut Prakan nahe Bangkok eröffnete der Konzern eine neue Backend-Fabrik. Dort arbeiten derzeit 350 Menschen; mit dem Hochlauf des ersten von bis zu fünf Modulen soll die Belegschaft auf 1.000 steigen. Infineon hat bislang einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag investiert. Der Standort könnte langfristig zum größten Backend-Werk des Konzerns werden.
Die Infineon Technologies Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +1,63 % und einem Kurs von 60,49EUR auf Lang & Schwarz (01. Oktober 2026, 07:40 Uhr) gehandelt.
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