Micron sprengt Erwartungen – doch nach Rekordzahlen bleibt die Aktie kühl
Der KI-Boom beschert Micron außergewöhnliches Wachstum – und stellt zugleich hohe Erwartungen an den Speicherchiphersteller. Vor den Quartalszahlen hatte die Investmentbank Baird ihre Einstufung „Outperform“ bestätigt und das Kursziel von 1.280 auf 1.520 US-Dollar angehoben. Ausgehend von einem damaligen Aktienkurs von 1.070 Dollar sah Analyst Tristan Gerra damit weitere 42 Prozent Potenzial. Die Aktie hatte 2026 zu diesem Zeitpunkt bereits 274 Prozent zugelegt und im Juni mit 1.255 Dollar ein Rekordhoch erreicht.
Bairds Optimismus beruht auf dem wachsenden Bedarf an Rechenleistung und Speicher für künstliche Intelligenz. Besonders KI-Agenten könnten die Nachfrage weiter verstärken: Anders als viele herkömmliche Anwendungen planen und erledigen sie Aufgaben weitgehend selbstständig. Dafür benötigen Rechenzentren zusätzliche Prozessoren und leistungsfähigen Speicher. Zugleich erwartet Baird ein langsameres Wachstum des weltweiten DRAM-Angebots im Jahr 2027 sowie höhere Margen bei High Bandwidth Memory (HBM).
Micron konzentriert sich gemeinsam mit Samsung und SK Hynix auf diesen hochwertigen Speicher, der in KI-Beschleunigern eingesetzt wird. Die Produktion ist technisch anspruchsvoll, die Nachfrage derzeit hoch. Das eröffnet den Herstellern Spielraum für hohe Preise und Margen. Im Anlegerforum wurde zugleich die Konkurrenz des chinesischen Herstellers CXMT als Risiko diskutiert. Dort vertretene Kommentatoren verwiesen darauf, dass CXMT vor allem preisgünstigen Standard-DRAM für PCs, Laptops und Smartphones herstelle, während Micron stärker auf HBM setze. Diese Einschätzung unterstreicht die unterschiedliche Positionierung, beseitigt aber nicht grundsätzlich das Risiko, dass zusätzliches Angebot den Speichermarkt beeinflussen könnte.
Die nun veröffentlichten Zahlen übertrafen die Erwartungen. Im vierten Geschäftsquartal erzielte Micron einen Gewinn je Aktie von 33,42 Dollar, verglichen mit Analystenschätzungen von 31,16 Dollar. Der Umsatz erreichte 54,23 Milliarden Dollar und lag damit über der Prognose von 50,45 Milliarden. Die Bruttomarge betrug 86,8 Prozent. Bereits im Vorquartal hatte Micron deutliches Wachstum gemeldet: Der Umsatz war gegenüber dem Vorjahr um 346 Prozent auf 41,46 Milliarden Dollar gestiegen, die Bruttomarge hatte 85 Prozent erreicht.
Besonders stark fiel der Ausblick aus. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellt Micron einen Umsatz von 60 bis 63 Milliarden Dollar in Aussicht; Analysten hatten im Schnitt 56,8 Milliarden erwartet. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll 37,15 bis 39,15 Dollar erreichen, gegenüber einer Markterwartung von 36,02 Dollar. Trotz der besser als erwarteten Zahlen und Prognosen reagierte die Aktie nachbörslich verhalten: Das Plus lag zeitweise bei rund einem Prozent, zwischenzeitlich notierte das Papier im Minus. Nach einem Jahresanstieg von fast 300 Prozent scheint der Markt bereits viel Wachstum einzupreisen. Die kommenden Quartale müssen zeigen, ob Nachfrage, Preise und Margen das hohe Bewertungsniveau rechtfertigen.
Die Micron Technology Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von 0,00 % und einem Kurs von 1.065USD auf Nasdaq (01. Oktober 2026, 02:00 Uhr) gehandelt.
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