Öl-Schock droht: Indien zögert, die Hormus-Krise treibt die Preise
Die Ölversorgung rückt zugleich in den Mittelpunkt von Sanktionen, geopolitischen Risiken und neuen Lieferstrategien. Indiens möglicher Rückzug aus dem russischen Ölgeschäft dürfte dabei langsamer verlaufen, als Washington es sich wünscht. Ein neues US-Gesetz sieht für große Käufer russischer Energie Zölle von bis zu 100 Prozent vor und soll binnen 30 Tagen greifen. Neu-Delhi hält einen abrupten Kurswechsel jedoch für schwer umsetzbar.
Indien importiert mehr als 85 Prozent seines Rohöls; Russland stellte 2025 rund ein Drittel des Importwerts. Im August kaufte Indien russische Energieträger im Wert von 4,8 Milliarden Euro, davon Rohöl für 4,1 Milliarden. Finanzministerin Nirmala Sitharaman warnt, ein schneller Ausstieg könne bei begrenztem Angebot die Preise treiben. Zudem sind indische Raffinerien auf mittelschweres, schwefelhaltiges Öl ausgelegt. Ersatzlieferungen müssten deshalb nicht nur verfügbar, sondern auch technisch geeignet sein. Beobachter verweisen auf zusätzliche Inflationsgefahren und die angespannte Lage im Nahen Osten. Indien könnte Ausnahmen aushandeln und dürfte die Ölfrage in den Handelsgesprächen mit den USA mit seinen Exportinteressen verknüpfen.
Die Störungen in der Straße von Hormus verändern zugleich die Erwartungen am Markt. Wegen des stark eingeschränkten Schiffsverkehrs hebt HSBC ihre Ölpreisannahmen für 2026 und 2027 deutlich an. Die Bank rechnet für Brent nun mit durchschnittlich 90 beziehungsweise 85 US-Dollar je Barrel. Auch Raffineriemargen und europäische Gaspreise werden höher eingeschätzt. Nach der jüngsten Eskalation stieg der Ölpreis zeitweise auf mehr als 107 US-Dollar. HSBC stuft BP und TotalEnergies auf „Buy“ hoch und erhöht deren Kursziele. Das größte Aufwärtspotenzial sieht die Bank bei Repsol; bei OMV bleibt sie trotz eines höheren Kursziels skeptisch. Eine Entspannung am Golf könnte den Preis allerdings wieder drücken.
Auch Deutschland sucht nach verlässlicheren Bezugsquellen. Kasachstan kündigte an, die Öllieferungen ausweiten zu wollen. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete das Land als wichtigen Baustein der Diversifizierung und als Ersatz für russisches Öl. Für die Raffinerie PCK Schwedt war kasachisches Rohöl besonders wichtig, bis Russland im Mai die Durchleitung über die Druschba-Pipeline stoppte. Seither muss die Anlage andere Transportwege und Lieferanten nutzen.
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch Berichte über Angriffe auf drei Schiffe in der Straße von Hormus. Zugleich verweisen Nutzerkommentare auf Kämpfe im Jemen und mögliche Risiken für die Meerenge Bab al-Mandab. Diese Einschätzungen sind spekulativ, unterstreichen aber die Sorge vor weiteren Engpässen: Angriffe, Umwege und knappe Tankerkapazitäten könnten Transportkosten erhöhen und die Ölpreise länger hoch halten.
Öl (Brent) wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -1,12 % und einem Kurs von 96,89USD auf Lang & Schwarz (01. Oktober 2026, 07:42 Uhr) gehandelt.
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