Meta baut Muse aus: KI-Agenten könnten Banken unter Druck setzen
Meta baut sein KI-Ökosystem rund um den Agenten Muse aus. Am Dienstag stellte der Konzern eine Variante für Kleinunternehmen vor, die den digitalen Assistenten mit verbreiteter Geschäftssoftware verbindet. Dazu zählen Asana, Zoom, Intuit, Box, Canva und Slack von Salesforce. Außerdem lassen sich Werbekonten bei Meta sowie professionelle Instagram- und Facebook-Profile verknüpfen. Muse soll Unternehmen bei ihrer Arbeit mit vorhandenen Werkzeugen unterstützen. Meta begründet das Angebot mit einem praktischen Engpass: Kleinbetrieben fehlten häufig nicht die Ideen, sondern die Zeit, sie umzusetzen. Damit zielt der Konzern auf einen Markt, den er bereits gut kennt: Nach eigenen Angaben nutzen rund 200 Millionen kleine Unternehmen Facebook.
Zur Preisgestaltung machte Meta zunächst keine Angaben. Der Konzern verweist auf die bestehende Muse-App: Sie ist kostenlos nutzbar, allerdings mit Begrenzungen; zusätzliche Nutzung gibt es im Abonnement. Die App wurde am 8. September in den USA veröffentlicht und kletterte rasch in den Apple-App-Store-Charts, wo sie ChatGPT übertraf. Evercore-Analyst Mark Mahaney erwartet, dass Muse innerhalb von sechs bis zwölf Monaten 100 Millionen Nutzer erreichen könnte. Meta-Chef Mark Zuckerberg bezeichnete den Agenten auf der Connect-Konferenz als „Herzstück“ der KI-Strategie. Auch an der Börse kommt die Entwicklung bislang gut an: Die Meta-Aktie legte im September rund 25 Prozent zu, gab an den letzten beiden Handelstagen jedoch leicht nach.
Der Ausbau beschränkt sich nicht auf den Geschäftskundenbereich. Bereits am Montag kündigte Meta eine neue Unternehmensplattform an, deren Leitung CJ Desai übernehmen soll, bislang CEO von MongoDB. Geplant sind ein Muse-Agent, ein Business-Agent und ein Programmierwerkzeug. Parallel zeichnet Meta Muse als persönlichen Assistenten, der rund um die Uhr Aufgaben übernehmen könnte: E-Mails beantworten, Einkäufe organisieren oder Reisen buchen. Die Vision reicht bis zu tragbarer Hardware, etwa einem uhrenähnlichen Gerät, über das Nutzer ohne Smartphone mit der KI interagieren. Meta hat dafür auch eine haptische Schnittstelle namens Meta Charme vorgestellt. Solche Agenten sollen Software nicht nur bedienen, sondern eigenständig mehrere Schritte ausführen.
Die wirtschaftliche Tragweite könnte über Produktivität und Softwareumsätze hinausgehen. Apollo-Ökonom Torsten Slok sieht mögliche Folgen für Banken: KI-Assistenten könnten Kontostände von Haushalten prüfen und Geld auf höher verzinste Konten verschieben. Slok fragt in seinem „Daily Spark“, ob ein „Ansturm auf Agentenbanken“ droht, sobald solche Werkzeuge verbreitet sind. Im Raum stehen Angebote mit Zinssätzen von 3,3 bis 5,0 Prozent. Wenn ein Agent Finanzentscheidungen im Auftrag des Nutzers trifft, könnten Einlagen schneller zwischen Anbietern wandern. Für traditionelle Banken würde dies den Wettbewerb um Kundengelder verschärfen. Meta hätte zugleich eine neue Rolle als Zugangspunkt zu Finanzentscheidungen. Entscheidend bleibt, ob Nutzer einer KI sensible Aufgaben anvertrauen: Kreditkarte, Kalender, Einkäufe und Geldanlagen. Vertrauen wird damit zur Voraussetzung dafür, dass aus dem technologischen Versprechen ein tragfähiges Geschäftsmodell wird.
Die Meta Platforms (A) Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -1,84 % und einem Kurs von 725,2EUR auf Nasdaq (01. Oktober 2026, 02:00 Uhr) gehandelt.
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