VW baut Batterie-Allianz mit China aus – und kündigt zehn Tarifverträge
### VW zwischen Batterieoffensive und Sparkurs
Volkswagen steht vor einem doppelten industriellen Kraftakt: Der Konzern will seine Batterieproduktion in Europa mit dem chinesischen Zellhersteller Gotion ausbauen und zugleich seine Kosten massiv senken. Die beiden Unternehmen vereinbarten drei Gemeinschaftsunternehmen in Spanien, der Slowakei und Marokko. Parallel kündigte VW nach einem Gespräch mit Arbeitnehmervertretern zehn Tarifverträge, darunter den Manteltarifvertrag, zum Jahresende 2026. Die Entscheidungen verdeutlichen die Spannung zwischen industrieller Expansion und verschärftem Sparkurs beim Europas größten Autobauer.
Im Zentrum der Batterieallianz stehen die im Bau befindliche PowerCo-Zellfabrik in Valencia sowie Gotions Werk im slowakischen Surany. Beide Standorte sollen in gemeinsam geführte Gesellschaften überführt werden. In Marokko ist eine Fabrik für Batterie-Vormaterialien geplant, insbesondere für Kathodenmaterial. VW-Batterietochter PowerCo will bis 2030 rund 470 Millionen Euro in die slowakischen und marokkanischen Standorte investieren und jeweils 49 Prozent erwerben. Gotion soll etwa 1,1 Milliarden Euro für 49 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen in Valencia aufbringen. Die Pläne bedürfen noch behördlicher Genehmigungen.
VW verspricht sich von der Kooperation einen schnelleren Zugang zu Batterietechnologien und eine finanzielle Entlastung. Gotion erhält im Gegenzug einen stärkeren Zugang zum europäischen Markt. PowerCo-Chef Thomas Schmall bezeichnete das Vorhaben als Win-win-Situation und einen Schritt zur Industrialisierung der Batteriezellfertigung in Europa. Nach seiner Darstellung deckt VW damit als erster europäischer Autohersteller die gesamte Wertschöpfungskette ab: von Entwicklung und Vormaterialien bis zur Produktion. Die marokkanische Anlage soll die Versorgungssicherheit erhöhen, weil Kathodenmaterial bislang vor allem aus China kommt. Surany soll laut Schmall erst hochgefahren werden, wenn Valencia voll ausgelastet ist.
Die Batteriesparte PowerCo wurde 2022 gegründet. Ihre erste Fabrik in Salzgitter nahm Ende 2025 die Produktion auf; ein weiteres Werk entsteht in Kanada. Diese beiden Standorte sind von den neuen Vereinbarungen ausgenommen. VW und Gotion arbeiten seit Jahren zusammen: Der Konzern stieg 2020 bei dem chinesischen Unternehmen ein und ist dessen größter Aktionär.
Auf der Kostenseite begründet VW die Kündigungen mit strukturell verschärftem Wettbewerb, hohem Preisdruck und dem Vordringen chinesischer Hersteller mit günstigen Exporten. Die IG Metall spricht von zehn Verträgen; das Unternehmen nannte keine genaue Zahl. Der Manteltarifvertrag regelt zentrale Arbeitsbedingungen für mehr als 100.000 Beschäftigte in Deutschland, darunter Arbeitszeit und Urlaub. Weitere Vereinbarungen betreffen Eingruppierung, Zulagen, Zusatzvergütungen und Ausbildung. Die Verträge sollen zum 31. Dezember 2026 auslaufen; mögliche Änderungen könnten Beschäftigte ab Januar 2027 treffen. Der Zukunftstarifvertrag von 2024 mit Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 bleibt formell unberührt.
Der Kompromiss 2024 sieht bis 2030 35.000 Stellen weniger in Deutschland, ohne betriebsbedingte Kündigungen, vor. Weltweit plant VW 50.000 Kürzungen; Investitionszusagen bleiben umstritten.
Die Volkswagen (VW) Vz Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,03 % und einem Kurs von 70,51EUR auf Lang & Schwarz (01. Oktober 2026, 07:45 Uhr) gehandelt.
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