Mutares greift doppelt zu: Zwei Deals in Industrie und Chemie
Mutares erweitert sein Beteiligungsportfolio mit zwei Zukäufen im Industrie- und Chemiegeschäft. Am 29. September unterzeichnete die Münchner Beteiligungsgesellschaft eine Vereinbarung zum Erwerb der Steinmüller Engineering GmbH von der japanischen IHI Corporation. Einen Tag später meldete sie den Abschluss der Übernahme der tschechischen Synthomer a.s. von Synthomer plc. Die Transaktionen stärken unterschiedliche Segmente des Portfolios: Steinmüller soll die Plattform Energy & Technology ergänzen, Synthomer das Geschäft Chemicals & Materials. Kaufpreise nannte Mutares in den Mitteilungen nicht. Beide Unternehmen sollen operative Entwicklungsmöglichkeiten bieten, die Mutares nach eigener Strategie erschließen will. Für die Steinmüller-Transaktion steht der Vollzug noch aus.
Steinmüller ist ein deutscher Anbieter thermischer Verfahrenstechnik mit Wurzeln bis ins Jahr 1874. Seit 2014 gehörte das Unternehmen zur IHI Group. Der Hauptsitz liegt in Gummersbach; dort beschäftigt der Spezialist rund 170 Mitarbeiter. Das Leistungsspektrum umfasst Engineering, Beschaffung sowie schlüsselfertige EPC-Lösungen für Feuerungs- und Verbrennungsanlagen, Abgasreinigung und Wärmeübertragung. Zu den Abnehmern zählen Unternehmen aus Energieversorgung, Entsorgung, Chemie und Industrie. Ein europäisches Patentportfolio stützt die technischen Angebote. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Steinmüller eine Gesamtleistung von nahezu 100 Millionen Euro. Nach Unternehmensangaben hat es mehr als 1.300 Projekte für über 500 Kunden in 80 Ländern umgesetzt. Der Abschluss des Share-Deals wird vorbehaltlich üblicher Bedingungen im vierten Quartal 2026 erwartet.
Synthomer ist ein europäischer Hersteller und Anbieter hochwertiger Acrylatlösungen. Das Unternehmen produziert Acrylsäuren und Acrylester, die in zahlreichen industriellen Anwendungen eingesetzt werden. Mutares übernahm das Geschäft im Rahmen eines Carve-outs von der britischen Synthomer plc; der Vollzug ist bereits erfolgt. Für 2025 weist die Mitteilung Carve-out-Umsätze von rund 110 Millionen Euro aus. Diese Kennzahl schließt auch konzerninterne Erlöse ein und entspricht einer eigenständigen Betrachtung des Geschäfts. Synthomer beschäftigt etwa 300 Menschen. Nach Darstellung von Mutares verfügt der Betrieb über ein integriertes Produktportfolio sowie flexible, effiziente Produktionsstrukturen. Damit lasse sich der Produktmix anpassen und die Margen könnten optimiert werden. Der Investor sieht zudem Potenzial für operative und kommerzielle Verbesserungen sowie profitables Wachstum.
Für Mutares sind die Erwerbe Bausteine der Portfoliostrategie: Die Beteiligungsgesellschaft kauft Unternehmen in Sondersituationen, entwickelt sie operativ weiter und strebt später einen Verkauf an. Bei Steinmüller verweist Mutares auf den regulatorisch getriebenen Rückenwind für Energiewende und industrielle Dekarbonisierung. Zusammen mit der bestehenden Sofinter Group könnten sich Synergien ergeben, erklärte Chief Investment Officer Johannes Laumann. Beide Plattformen sollten eine stärkere Marktposition aufbauen. Konkrete Finanzziele, Kaufpreise oder Angaben zur Finanzierung veröffentlichten die Parteien nicht. Im Mittelpunkt stehen damit die Integration des abgeschlossenen Chemiegeschäfts und der geplante Vollzug der Engineering-Akquisition.
Die mutares Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,31 % und einem Kurs von 24,63EUR auf Lang & Schwarz (01. Oktober 2026, 07:49 Uhr) gehandelt.
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