Boeing unter Druck: 737-Max-Softwarefehler und 787-Beinaheunglück
### Boeing unter zusätzlichem Sicherheitsdruck
JPMorgan hält trotz eines neu bekannt gewordenen Softwarefehlers bei Boeings verbreiteter 737 Max an seiner positiven Einschätzung des US-Flugzeugbauers fest. Die Analysten bestätigen „Overweight“ und ein Kursziel von 290 US-Dollar. Nach den Abstürzen von Max-Maschinen in den Jahren 2018 und 2019 widme Boeing den Sicherheitsaspekten der Flugsteuerungssoftware große Aufmerksamkeit, schrieb Analyst Seth M. Seifman. Zugleich könne die Vorgeschichte dazu führen, dass Aufsichtsbehörden und Kunden dem Thema kurzfristig besonders genau nachgingen. Details zu Art und Folgen des Softwarefehlers wurden in der Einschätzung nicht genannt.
Zusätzliche Aufmerksamkeit gilt Boeing auch wegen eines Beinahe-Unglücks mit einer 787-9 von Vietnam Airlines am Münchner Flughafen. Ein Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hält fest, dass während des Startlaufs die Bremspedale betätigt und dauerhaft gehalten wurden. Warum dies geschah, ist jedoch offen: Denkbar sind laut Experten ein unbeabsichtigter Eingriff der Besatzung, ein technischer Defekt oder eine Kombination beider Faktoren. Der Zwischenbericht beschreibt den Ablauf, enthält aber noch keine abschließende Bewertung der Ursache. Der Abschlussbericht wird voraussichtlich erst etwa ein Jahr nach dem Vorfall vorliegen.
Die Maschine mit fast 290 Menschen an Bord erhielt am 15. August die Startfreigabe. Sekunden nach Beginn des Startlaufs wurden die Bremsen aktiviert. Das Flugzeug beschleunigte nach Angaben der Pilotenvereinigung Cockpit rund 18 Sekunden lang nicht, schoss über das Ende der Startbahn hinaus und geriet auf das Gras. Erst kurz vor dem Abheben erhöhte der Copilot den Triebwerksschub manuell. Heck und Fahrwerk trafen 20 Lampen der Bahnbeleuchtung; außerdem wurden der Rumpf und vier Reifen beschädigt. Das Flugzeug hob dennoch ab. Verletzte gab es nicht.
Die Piloten brachen den Flug nach Vietnam ab. Weil die vollgetankte Maschine für eine Landung zu schwer war, ließ die Besatzung in Abstimmung mit der Flugsicherung 62 Tonnen Kerosin ab. Nach Sichtprüfungen am Boden landete die 787-9 rund zwei Stunden später. Am Hauptfahrwerk entstand Rauch, ein Brand wurde nicht festgestellt. Auch ein Wechsel des verantwortlichen Piloten in der Luft wirft Fragen auf; daraus lasse sich aber nicht automatisch auf Fehlverhalten schließen, betonte Cockpit-Experte Sebastian Kloth.
Für Boeing sind die Vorfälle nicht gleichzusetzen: Der Münchner Bericht betrifft eine 787, nicht die 737 Max, und belegt keinen Zusammenhang mit dem neu gemeldeten Softwarefehler. Dennoch können Sicherheitsereignisse die öffentliche Wahrnehmung des Herstellers und das Vertrauen von Fluggesellschaften und Aufsehern beeinflussen. JPMorgan bleibt optimistisch, räumt aber ein, dass Boeings Sicherheitsbilanz die Prüfung neuer Probleme verschärfen dürfte. Die Ursachen des Münchner Vorfalls bleiben bis zum Abschluss der Untersuchung ungeklärt.
Die Boeing Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -0,87 % und einem Kurs von 186,1EUR auf NYSE (01. Oktober 2026, 02:04 Uhr) gehandelt.
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