"Hier geht es um den Euro"
Micron-Rekord verpufft, Anleihen brennen: DAX vor dem Rutsch unter 25.000?
Der DAX droht auf den tiefsten Stand seit Juli zu fallen. US-Renditen klettern auf Mehrjahreshochs. In Frankreich schrillen die Alarmglocken. Und selbst Rekordzahlen von Micron verpuffen. Wie geht es weiter?
- Höhere US-Renditen belasten den schwachen DAX
- Frankreichs Risikoaufschlag auf Eurokrisen-Niveau
- Microns Rekordzahlen überzeugen Anleger nicht
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Der DAX startet schwach in den Oktober. Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex am Donnerstagmorgen 0,5 Prozent tiefer bei 25.078 Punkten. Damit droht der tiefste Stand seit Ende Juli. Bereits am Mittwoch hatte die Inflation die Börsen belastet. Rekordhohe Spritpreise trieben die Teuerung in Deutschland im September auf 3,3 Prozent. So hoch lag sie seit fast drei Jahren nicht mehr.
DAX: Die Unterstützung wackelt
Der Leitindex teste einmal mehr den unteren Rand seiner Handelsspanne, sagt Thomas Altmann von QC Partners. "Dabei lebt der DAX in diesem Jahr ohnehin nur noch von den Dividenden", betont Altmann. Im September verlor der Index gut vier Prozent. Hoffnung macht die Statistik: In den vergangenen 30 Jahren endete der Oktober 21-mal im Plus und nur neunmal im Minus.
Anleihen: US-Renditen auf Mehrjahreshoch
Den Takt gibt der Anleihemarkt vor. "Mit jeder neuen Verkaufswelle am Anleihemarkt wächst der Druck auf den DAX", warnt Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank. Zehnjährige US-amerikanische Staatsanleihen rentierten mit 5,306 Prozent so hoch wie seit Juni 2007 nicht mehr. Bei 30 Jahren Laufzeit waren es bis zu 5,65 Prozent, der höchste Wert seit 2002. Nicht die Marke von fünf Prozent beunruhige Anleger, sondern das Tempo des Anstiegs, sagt Darren Shames von Nomura.
Frankreich: Risikoaufschlag wie in der Eurokrise
Auch Frankreich gerät unter Druck. Der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen kletterte am Mittwoch auf 1,27 Prozentpunkte. So groß war er seit der Eurokrise 2011 und 2012 nicht mehr. Mit 3,6 Billionen Euro trage Frankreich die höchsten Staatsschulden der Eurozone, warnt Altmann. Das Land sei zu groß, um zu scheitern, und zugleich zu groß, um gerettet zu werden.
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Wall Street: Nasdaq trotzt dem Zinsdruck
In New York zeigte sich am Mittwoch ein gespaltenes Bild. Der Dow Jones fiel um 0,9 Prozent, der S&P 500 um 0,3 Prozent. Der Nasdaq Composite legte 0,2 Prozent zu. Entlastung brachte die Inflation. Der Preisindex der privaten Konsumausgaben stieg im August um 3,4 Prozent und blieb damit unter den erwarteten 3,7 Prozent.
Laut der Terminbörse Chicago Mercantile Exchange sank die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der US-Notenbank Fed im Oktober binnen einer Woche von 71 auf rund 37 Prozent.
Chips und Asien: Micron zündet nicht
Selbst Rekordzahlen von Micron hellen die Stimmung nicht auf. Der Speicherchiphersteller steigerte den Quartalsumsatz auf 54,2 Milliarden US-Dollar, fast das Fünffache des Vorjahres. Auch der Ausblick übertraf die Erwartungen. Trotzdem gab die Aktie nachbörslich nach.
Wenn es nicht mehr genüge, alle Erwartungen zu übertreffen, sei womöglich alles eingepreist, sagt Stanzl. In Asien verlor der MSCI-Index ohne Japan am Donnerstag 0,2 Prozent. Nur der japanische Nikkei kletterte dank Chipwerten um mehr als ein Prozent.
Öl: Entspannung am Golf
Am Ölmarkt lässt der Druck nach. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um 1,1 Prozent auf 96,92 Dollar je Barrel. Im September hatte sie noch rund 14 Prozent zugelegt. Jetzt belädt Saudi-Arabien wieder Tanker im Hafen Yanbu. Zudem stiegen die US-amerikanischen Lagerbestände überraschend. Eine Annäherung zwischen Washington und Teheran könne die Risikoprämie weiter senken, sagt Sugandha Sachdeva von SS WealthStreet.
Gas: Berlin kauft nach
Am Gasmarkt sorgt Berlin für Unruhe. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat den Staatskonzern Sefe angewiesen, bis Mitte Dezember acht Terawattstunden Gas einzulagern. Die Speicher waren laut ZDF zuletzt nur zu 57,7 Prozent gefüllt. Müsse Deutschland in kurzer Zeit große Mengen kaufen, verschiebe das die Stimmung, sagt Stanzl. In einem nervösen Markt könne das die Schwankungen verstärken.
Devisen: Dollar auf Mehrmonatshoch
Der US-Dollar profitiert von den steigenden Renditen. Gegenüber einem Währungskorb erreichte er den höchsten Stand seit Ende Juni. Der Euro fiel auf 1,1317 US-Dollar. Im September verlor er knapp 2,5 Prozent und damit so viel wie seit Juli 2025 nicht mehr. Der US-Dollar reagiere derzeit stärker auf die Renditen als auf die Zinspolitik, sagt Ray Attrill von der National Australia Bank.
Gold: Zaghafte Erholung
Gold startet freundlich in den Oktober. Die Feinunze verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 4.175 US-Dollar. Im September hatte das Edelmetall mehr als sechs Prozent verloren. Bart Melek von TD Securities glaubt, das Schlimmste der Korrektur sei vorerst vorbei.
Fazit
Der Anleihemarkt bleibt der Taktgeber. Solange die Renditen steigen, fehlt dem DAX der Rückenwind. Entscheidend ist nun die Marke von 25.000 Punkten. Am Freitag folgt mit dem US-Arbeitsmarktbericht der nächste Prüfstein.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion

