Kaffee als Milliardenmotor: Was Deutsche trinken – und wie sie reisen
### Kaffee zwischen Wirtschaftskraft und Lebensstil
Deutschland ist nicht nur ein Land der Kaffeetrinker, sondern auch ein zentraler Knotenpunkt der europäischen Kaffeewirtschaft. Eine vom Deutschen Kaffeeverband vorgestellte Studie beziffert deren gesamte Wirtschaftsleistung hierzulande auf 70,2 Milliarden Euro und die Zahl der direkt und indirekt gesicherten Arbeitsplätze auf rund 517.000. Der Befund rückt ein alltägliches Konsumgut als bedeutenden Wirtschaftsfaktor in den Blick: Deutschland verbindet Import, Handel, Verarbeitung, Logistik und Ausschank. 2025 kamen rund 1,01 Millionen Tonnen Kaffee über deutsche Häfen und Grenzen in das EU-Zollgebiet; das entsprach 34,4 Prozent der Einfuhren aus Drittstaaten. Zudem wurden hier 517.000 Tonnen Röstkaffee hergestellt, gut ein Viertel der europäischen Produktion.
Die ausgewiesenen 70,2 Milliarden Euro setzen sich aus 36,6 Milliarden Euro direkter Wirtschaftsleistung der Branche und 33,6 Milliarden Euro bei Zulieferern und Dienstleistern zusammen. Erfasst werden neben Einfuhr und Röstung auch Maschinenbau, Verpackung, Transport, Wartung sowie Zubereitung und Bewirtung. Die Zahlen stammen aus einer von Europe Economics im Auftrag der European Coffee Federation erstellten Untersuchung und wurden vom Branchenverband zum „Tag des Kaffees“ veröffentlicht. Sie verdeutlichen die Breite der Wertschöpfungskette; die indirekten Beiträge werden dabei anteilig zugerechnet.
Auch im Konsum zeigt sich, wie stark Kaffee von lokalen Vorlieben geprägt ist. Eine De’Longhi-Studie auf Basis von 3.001 Befragten in Großbritannien, Frankreich und Deutschland ermittelte typische Bestellungen in 35 Städten. In Glasgow ist der Caffè Latte besonders beliebt: 33,3 Prozent nannten ihn als bevorzugte Wahl. Stuttgart erwies sich mit 30,6 Prozent als Cappuccino-Hochburg. Auf nationaler Ebene liegt Cappuccino in Deutschland mit 23,1 Prozent vorn. In Großbritannien führt der Latte, während Frankreichs Befragte am häufigsten Espresso bevorzugen. Die Erhebung legt zudem unterschiedliche Bedeutungen des Getränks offen: In Deutschland gilt Kaffee besonders häufig als tägliches Ritual, in Großbritannien ist der soziale Aspekt stärker ausgeprägt. Für den Genuss zu Hause ist laut Studie vor allem die Qualität ausschlaggebend.
Eine weitere Umfrage verknüpft Konsumverhalten mit Tourismus. Visit Sweden wirbt mit einer digitalen „Reiseagentur für Introvertierte“ um Urlaubsgäste, die selbst über Nähe und Rückzug entscheiden möchten. In einer YouGov-Befragung bezeichneten sich 46 Prozent der Befragten in Deutschland als überwiegend introvertiert. 57 Prozent bevorzugen Reiseziele, an denen soziale Kontakte freiwillig bleiben; 54 Prozent würden für mehr Ruhe und Privatsphäre mehr bezahlen. Das Angebot positioniert Schweden mit Natur, Weite und einer zurückhaltenden Alltagskultur als passende Destination. Im Oktober soll ein Pop-up-Konzept unter anderem in Berlin erlebbar sein.
Zusammengenommen zeigen die Meldungen, wie Unternehmen und Branchenverbände Kaffee und Reisen über Daten zu Alltag, Identität und persönlichen Bedürfnissen vermarkten. Während Kaffee in Deutschland zugleich ein Milliardenmarkt und ein tägliches Ritual ist, rückt im Tourismus zunehmend die Möglichkeit in den Vordergrund, das Urlaubserlebnis individuell zu gestalten.
Kaffee wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -0,94 % und einem Kurs von 290,1PKT auf Ariva Indikation (30. September 2026, 21:59 Uhr) gehandelt.
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