Alarmglocken kaum zu überhören
DAX unter 25.000 Punkten: Wann kommt der große Knall?
Der deutsche Leitindex DAX beschleunigt am Donnerstag seinen Abverkauf und fällt unter 25.000 Punkte. Ist das erst der Beginn einer größeren Korrektur?
- DAX fällt nach schwachem September unter 25.000
- Energiepreise und Renditen drücken die Aktienkurse
- Schwache Technik spricht für weitere DAX-Verluste
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Nach schwachem September: DAX-Korrektur verschärft sich
Der September wurde seinem Ruf als saisonal schwacher Börsenmonat gerecht. Der deutsche Leitindex DAX verlor rund 4 Prozent und setzte damit deutlich von seinem noch Ende August erzielten Allzeithoch zurück. Belastet wird die Stimmung nicht nur bei deutschen, sondern auch bei europäischen Basiswerten durch die hohen Energiepreise und den Anstieg der Anleiherenditen.
Die sind infolge höherer Zins- und Inflationserwartungen nach beunruhigenden Daten zur Verbraucherpreisinflation am Vortag am Donnerstagvormittag weiter gestiegen. Für französische Anleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren wurden zeitweise mehr als 4,9 Prozent fällig, für italienische Staatsanleihen erhielten Investoren Kupons von 4,7 Prozent und Bundesanleihen notierten zwischenzeitlich über der Marke von 3,6 Prozent und damit so hoch wie seit 2009 nicht mehr.
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Eskaliert nach dem Anleihe- jetzt auch der Aktienmarkt?
Das wurde vom Aktienmarkt mit empfindlichen Kursverlusten quittiert. Der DAX verlor bis zu 1,5 Prozent an Wert und rutschte mit einem Tagestief von 24.832 Punkten deutlich unter die Marke von 25.000 Punkten und damit eine wichtige psychologische Unterstützung ab.
Zu den hohen Gesamtmarktverlusten trugen vor allem zinssensitive Basis- und Finanzwerte bei. Zu den größten Verlierern gehörten Vonovia, die Deutsche Bank sowie die Rückversicherer Münchner Rück und Hannover Rück, wo der anhaltende Abverkauf am Anleihenmarkt zunehmend die Portfoliowerte unter Druck setzt. Auch Bayer präsentierte sich schwach.
Mit hohen Kursverlusten schon zum Quartalsbeginn verschärft sich die Korrektur im DAX. Die Frage, die sich jetzt stellt ist, ob und wie viel schlimmer es in den kommenden Wochen noch kommen könnte oder ob es nicht doch Anzeichen für den baldigen Beginn einer Gegenbewegung gibt.
Neues Allzeithoch verpufft, DAX in Schwierigkeiten
Übergeordnet befindet sich der DAX seit dem letzten Bärenmarkttief im Herbst 2022 in einer mehrjährigen Aufwärtsbewegung. Zwar kam es mit dem Zoll-Crash im vergangenen Jahr und einem Abverkauf im Zusammenhang mit dem Kriegsbeginn im Iran zu zwischenzeitlich scharfen Korrekturen, doch die wurden umgehend wieder zurückgekauft und konnten von den Bullen mit neuen Allzeithochs beantwortet werden, die in der technischen Analyse starke Kaufsignale darstellen.
Auch Ende August erreichte der DAX, angeführt vor allem von einer starken Erholung der SAP-Anteile, ein neues Rekordhoch. Seither überwiegt jedoch der Gegenwind aus hohen Energiepreisen und eskalierenden Anleiherenditen sowie Wetten auf weitere Zinserhöhungen durch die EZB.
Doch auch technisch hatte der DAX trotz neuer Kursrekorde mit Problemen zu kämpfen, denn das bei rund 26.600 Punkten markierte Allzeithoch war durch die technischen Indikatoren nicht bestätigt worden. Sowohl der RSI als auch der MACD lagen unter ihren im Januar erzielten Höchstständen. Damit lagen bearishe Divergenzen und Anzeichen einer Trendwende vor, die sich in der aktuell zu beobachtenden Korrektur niedergeschlagen haben.
Trendwende nimmt gerade erst an Fahrt auf
Mit dem Bruch der 50-Tage-Linie verschärfte sich der Abverkauf weiter. Am Donnerstag kam es schließlich zum Bruch der Marke von 25.000 Punkten und einem Aufsetzen auf der 200-Tage-Linie. Von hier aus startete am späten Vormittag nach auf Stundenbasis überverkauften Niveaus zwar eine Gegenbewegung, doch nachhaltig bestätigt ist der Test der wichtigen Unterstützung damit noch nicht.
Im Gegenteil dürfte der Verkaufsdruck in den kommenden Tagen anhalten, denn technisch präsentiert sich der DAX inzwischen äußerst schwach. Der Relative-Stärke-Indikator (RSI) liegt im Schwäche-Bereich, ohne dass der deutsche Leitindex bereits überverkauft wäre. Damit besteht weiteres Abwärtspotenzial. Gleichzeitig ist der Trendstärkeindikator MACD weit von seiner Nulllinie entfernt und liegt zudem unterhalb seiner Signallinie. Das zeigt einen gerade erst an Fahrt gewinnenden Abwärtstrend an und könnte schließlich zu einem Bruch der 200-Tage-Linie führen.
Es könnte durchaus noch schlimmer kommen
Sollte sich dieses Szenario bewahrheiten, wäre die nächste Anlaufstelle für den Index 24.500 Punkte. Reißt auch diese Unterstützung, könnten auch 24.000 und 23.000 Punkte angelaufen werden. Das initiale Abwärtspotenzial liegt also bei weiteren 6 Prozent. Darunter würde sich die Ausgangslage gravierend eintrüben und es stünde ein dauerhafter Kurswechsel zur Diskussion.
Mit Blick auf die Chancen einer zügigen Wiederaufnahme des übergeordneten Aufwärtstrends liegen aktuell nur wenige Indizien vor. Bullishe Divergenzen in den technischen Indikatoren gibt es zumindest auf Tageskursbasis noch keine. Solche sind zwar im 4-Stunden- und Stunden-Chart zu finden, allerdings noch ohne die nötigen Begleitsignale, wie einen über die Nulllinie zurückgekehrten MACD. Anlegerinnen und Anleger sollten daher weitere Kursverluste als das Basisszenario annehmen.

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Fazit: Ohne gute Nachrichten dürften die Verluste anhalten
Nach einem schwachen September ist der deutsche Leitindex DAX denkbar schlecht in Oktober und damit in das Schlussquartal gestartet. Unter dem Druck explodierender Anleiherenditen büßten Basiswerte zeitweise rund 1,5 Prozent an Wert ein und fielen damit unter die Unterstützung von 25.000 Punkten. Mit Blick auf das angeschlagene Chartbild spricht das aktuell für weitere Verluste in den kommenden Wochen und eine Verschärfung der Korrektur.
Technisch fehlt es an belastbaren Hinweisen für eine Gegenbewegung, für eine solche könnte aber jederzeit ein sinkender Ölpreis und damit verbunden eine Entspannung auf dem Anleihenmarkt sorgen. Hierfür ist aber unverändert eine dauerhafte Friedenslösung im Nahen Osten nötig, die sich nach wie vor nicht abzeichnet.
Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das einerseits, sich auf die Lauer zu legen für potenziell gute Nachrichten, andererseits aber auch, wachsam zu sein, sollte sich das Chartbild weiter eintrüben. Dann wären zur Risikovorsorge Gewinnmitnahmen und Absicherungen zu erwägen.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


