Der Golf baut Hormus um
Hormus umgehen: Der gewagte Milliardenplan der Golfstaaten
Pipelines, Häfen, Bahnstrecken und neue LNG-Terminals: Die Golfstaaten investieren Milliarden, um ihre gefährliche Abhängigkeit von der Straße von Hormus loszuwerden. Das ist geplant.
- Golfstaaten planen neue Wege um Hormus herum
- Fujairah soll Öl- und Gasexporte sicherer machen
- Mehr Routen sollen Hormus-Risiken besser verteilen
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Die Vereinigten Arabischen Emirate treiben unter dem Namen "Zero Hormuz" eine Infrastrukturstrategie voran, die eines der wichtigsten Nadelöhre der Weltwirtschaft zumindest teilweise umgehen soll. Nachdem es jahrzehntelang funktionierte, Öl und Gas aus dem Persischen Golf durch die Straße von Hormus auf den Weltmarkt zu bringen, hat der Iran-Krieg den Golfstaaten deutlich gezeigt, wie einfach es ist, diese Handelsroute zu kappen.
Geplant ist gewaltiges Netz aus Pipelines, Häfen, Bahnstrecken, Straßen und möglicherweise neuen LNG-Anlagen rund um Fujairah, Oman und die Arabische Halbinsel. Die Herausforderung ist groß, in der ersten Hälfte 2025 passierten laut US-Energiebehörde EIA durchschnittlich 20,9 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte pro Tag die Straße von Hormus. Das entsprach rund einem Fünftel des weltweiten Verbrauchs flüssiger Erdölprodukte. Die jetzt schon vorhandenen Pipelines Saudi-Arabiens und der Emirate können davon nur einen Teil ersetzen. Es muss also neue Infrastruktur geschaffen werden.
Im Mittelpunkt der neuen Strategie steht Fujairah. Anders als Abu Dhabi und Dubai liegt das Emirat östlich der Straße von Hormus direkt am Golf von Oman. Öl, das hier verschifft wird, hat das Nadelöhr bereits umgangen. Eine 400 Kilometer lange Pipeline verbindet seit 2012 die Fördergebiete um Habshan mit Fujairah und kann rund 1,5 Millionen Barrel täglich transportieren. Jetzt baut ADNOC (Abu Dhabi National Oil Company) eine zweite West-Ost-Pipeline. Sie soll die Exportkapazität über Fujairah verdoppeln und bereits 2027 in Betrieb gehen. Im Mai war das Projekt nach Unternehmensangaben bereits zur Hälfte fertiggestellt.
Gleichzeitig soll Fujairah als Hafenstandort massiv wachsen. Abu Dhabis neuer Staatsfonds L'imad will laut Bloomberg in den kommenden Jahren Dutzende Milliarden US-Dollar in Infrastruktur außerhalb von Hormus investieren. Bereits vereinbart ist eine Partnerschaft mit BlackRock, Temasek und ADNOC, die Investitionen von bis zu 30 Milliarden US-Dollar in Energie-, Logistik- und Wasserinfrastruktur anvisiert. Die Strategie reicht jedoch weit über Öl hinaus. Ausgebaut werden sollen neben Fujairah noch weitere Häfen an der Ostküste der Emirate. Hinzu kommt ein Schienennetz von Etihad Rail, das Abu Dhabi inzwischen direkt mit Fujairah verbindet und Industriezentren, Häfen und Logistikkorridore immer enger miteinander verzahnen soll.

wallstreetONLINE RedaktionMilliarden-Investition
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Die nächste Baustelle ist Gas. Omans Energieminister Salim Al-Aufi hat die Golfstaaten deshalb aufgefordert, alternative LNG-Routen zu schaffen. Denkbar seien Verbindungen über Oman, nach Norden oder sogar über den Jemen. Entscheidend sei es, mehrere Möglichkeiten zu schaffen, um Energie aus der Region herauszubringen. Oman besitzt dabei einen geografischen Vorteil. Seine LNG-Anlage in Qalhat liegt bereits außerhalb von Hormus. Die drei Verflüssigungsanlagen verfügen über eine gemeinsame Kapazität von rund 10,4 Millionen Tonnen pro Jahr. ADNOC Gas prüft ebenfalls eine zusätzliche LNG-Exportanlage außerhalb der Meerenge.
Wie wichtig das werden könnte, zeigt Katar, einer der größten LNG-Exporteure der Welt. Der Konflikt hat die Abhängigkeit des Emirats von Hormus erstmals mit voller Härte offengelegt. Denn im Gegensatz zu den Vereinigten Arabischen Emiraten und Oman besitzt Katar praktisch keine geografische Alternative zu der Meerenge.
Auch Saudi-Arabien arbeitet seit Jahren an einem Ausweg und hat mit der Ost-West-Pipeline die Ölfelder im Osten des Landes mit der Hafenstadt Yanbu am Roten Meer verbunden. Damit lässt sich Hormus zwar vollständig umgehen, als sicher hat sich die Strategie aber nicht erwiesen. Angriffe auf die Pipeline zwangen Saudi-Arabien zeitweise, die Route herunterzufahren. Ende September wurde der Transport wieder aufgenommen.
Mit der "Zero Hormuz"-Strategie wollen die Golfländer ihre geopolitischen Risiken stärker verteilen. Sie bauen Redundanz: mehrere Pipelines, mehrere Häfen, mehr Schienenverbindungen und möglicherweise zusätzliche LNG-Terminals. Pipelines können angegriffen werden, Häfen ebenso. Selbst Fujairah wurde während des Konflikts bereits getroffen. Experten verweisen zudem darauf, dass auch die Ostküste der Emirate weiterhin in Reichweite von Drohnen und Kurzstreckenraketen liegt.
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Das Ziel ist nicht zwingend, die Straße von Hormus komplett überflüssig zu machen. Die Emirate selbst betonen, dass die Meerenge strategisch wichtig bleiben wird. Gleichzeitig wollen sie ihre wirtschaftliche Abhängigkeit davon so weit wie möglich reduzieren. Damit beginnt ein Infrastrukturzyklus, der Jahre dauern und Milliarden verschlingen dürfte. Für Baukonzerne, Hafenbetreiber, Pipelinebauer, Logistiker und Infrastrukturinvestoren könnten daraus neue Aufträge entstehen.
Vor allem aber verändert sich die strategische Landkarte des Nahen Ostens. Bislang war Hormus der Flaschenhals, durch den ein erheblicher Teil des Energieexports der Golfstaaten musste. Künftig könnten Fujairah, Sohar, Duqm und Yanbu zu den wichtigsten Sicherheitspolen dieses Nadelöhrs werden.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

