Der Golf baut Hormus um

    274815 Aufrufe 274815 1 Kommentar 1 Kommentar

    Hormus umgehen: Der gewagte Milliardenplan der Golfstaaten

    Pipelines, Häfen, Bahnstrecken und neue LNG-Terminals: Die Golfstaaten investieren Milliarden, um ihre gefährliche Abhängigkeit von der Straße von Hormus loszuwerden. Das ist geplant.

    Für Sie zusammengefasst
    Der Golf baut Hormus um - Hormus umgehen: Der gewagte Milliardenplan der Golfstaaten

    Die Vereinigten Arabischen Emirate treiben unter dem Namen "Zero Hormuz" eine Infrastrukturstrategie voran, die eines der wichtigsten Nadelöhre der Weltwirtschaft zumindest teilweise umgehen soll. Nachdem es jahrzehntelang funktionierte, Öl und Gas aus dem Persischen Golf durch die Straße von Hormus auf den Weltmarkt zu bringen, hat der Iran-Krieg den Golfstaaten deutlich gezeigt, wie einfach es ist, diese Handelsroute zu kappen.

    Geplant ist gewaltiges Netz aus Pipelines, Häfen, Bahnstrecken, Straßen und möglicherweise neuen LNG-Anlagen rund um Fujairah, Oman und die Arabische Halbinsel. Die Herausforderung ist groß, in der ersten Hälfte 2025 passierten laut US-Energiebehörde EIA durchschnittlich 20,9 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte pro Tag die Straße von Hormus. Das entsprach rund einem Fünftel des weltweiten Verbrauchs flüssiger Erdölprodukte. Die jetzt schon vorhandenen Pipelines Saudi-Arabiens und der Emirate können davon nur einen Teil ersetzen. Es muss also neue Infrastruktur geschaffen werden.

    Anzeige 
    Handeln Sie Ihre Einschätzung zu BlackRock Inc!
    Long
    998,41€
    Basispreis
    0,67
    Ask
    × 14,22
    Hebel
    Zum Produkt
    Blatt
    Short
    1.129,24€
    Basispreis
    0,64
    Ask
    × 14,89
    Hebel
    Zum Produkt
    Blatt
    Präsentiert von
    Im Durchschnitt erleiden 7 von 10 Kleinanlegern Verluste beim Handel mit Turbo-Zertifikaten. Turbo-Zertifikate sind hoch risikoreiche Produkte und nicht für langfristige Anlagestrategien geeignet.
    Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf das Disclaimer Dokument. Beachten Sie auch die weiteren Hinweise zu dieser Werbung.

    Im Mittelpunkt der neuen Strategie steht Fujairah. Anders als Abu Dhabi und Dubai liegt das Emirat östlich der Straße von Hormus direkt am Golf von Oman. Öl, das hier verschifft wird, hat das Nadelöhr bereits umgangen. Eine 400 Kilometer lange Pipeline verbindet seit 2012 die Fördergebiete um Habshan mit Fujairah und kann rund 1,5 Millionen Barrel täglich transportieren. Jetzt baut ADNOC (Abu Dhabi National Oil Company) eine zweite West-Ost-Pipeline. Sie soll die Exportkapazität über Fujairah verdoppeln und bereits 2027 in Betrieb gehen. Im Mai war das Projekt nach Unternehmensangaben bereits zur Hälfte fertiggestellt.

    Gleichzeitig soll Fujairah als Hafenstandort massiv wachsen. Abu Dhabis neuer Staatsfonds L'imad will laut Bloomberg in den kommenden Jahren Dutzende Milliarden US-Dollar in Infrastruktur außerhalb von Hormus investieren. Bereits vereinbart ist eine Partnerschaft mit BlackRock, Temasek und ADNOC, die Investitionen von bis zu 30 Milliarden US-Dollar in Energie-, Logistik- und Wasserinfrastruktur anvisiert. Die Strategie reicht jedoch weit über Öl hinaus. Ausgebaut werden sollen neben Fujairah noch weitere Häfen an der Ostküste der Emirate. Hinzu kommt ein Schienennetz von Etihad Rail, das Abu Dhabi inzwischen direkt mit Fujairah verbindet und Industriezentren, Häfen und Logistikkorridore immer enger miteinander verzahnen soll.

    Die nächste Baustelle ist Gas. Omans Energieminister Salim Al-Aufi hat die Golfstaaten deshalb aufgefordert, alternative LNG-Routen zu schaffen. Denkbar seien Verbindungen über Oman, nach Norden oder sogar über den Jemen. Entscheidend sei es, mehrere Möglichkeiten zu schaffen, um Energie aus der Region herauszubringen. Oman besitzt dabei einen geografischen Vorteil. Seine LNG-Anlage in Qalhat liegt bereits außerhalb von Hormus. Die drei Verflüssigungsanlagen verfügen über eine gemeinsame Kapazität von rund 10,4 Millionen Tonnen pro Jahr. ADNOC Gas prüft ebenfalls eine zusätzliche LNG-Exportanlage außerhalb der Meerenge.

    Wie wichtig das werden könnte, zeigt Katar, einer der größten LNG-Exporteure der Welt. Der Konflikt hat die Abhängigkeit des Emirats von Hormus erstmals mit voller Härte offengelegt. Denn im Gegensatz zu den Vereinigten Arabischen Emiraten und Oman besitzt Katar praktisch keine geografische Alternative zu der Meerenge.

    Auch Saudi-Arabien arbeitet seit Jahren an einem Ausweg und hat mit der Ost-West-Pipeline die Ölfelder im Osten des Landes mit der Hafenstadt Yanbu am Roten Meer verbunden. Damit lässt sich Hormus zwar vollständig umgehen, als sicher hat sich die Strategie aber nicht erwiesen. Angriffe auf die Pipeline zwangen Saudi-Arabien zeitweise, die Route herunterzufahren. Ende September wurde der Transport wieder aufgenommen.

    Mit der "Zero Hormuz"-Strategie wollen die Golfländer ihre geopolitischen Risiken stärker verteilen. Sie bauen Redundanz: mehrere Pipelines, mehrere Häfen, mehr Schienenverbindungen und möglicherweise zusätzliche LNG-Terminals. Pipelines können angegriffen werden, Häfen ebenso. Selbst Fujairah wurde während des Konflikts bereits getroffen. Experten verweisen zudem darauf, dass auch die Ostküste der Emirate weiterhin in Reichweite von Drohnen und Kurzstreckenraketen liegt.

    Bis zu 120 € Prämie sichern
    Nur im September: Depot eröffnen, 5 Trades ausführen, Depot übertragen – oder beides kombinieren.→ Jetzt teilnehmen

     

    Das Ziel ist nicht zwingend, die Straße von Hormus komplett überflüssig zu machen. Die Emirate selbst betonen, dass die Meerenge strategisch wichtig bleiben wird. Gleichzeitig wollen sie ihre wirtschaftliche Abhängigkeit davon so weit wie möglich reduzieren. Damit beginnt ein Infrastrukturzyklus, der Jahre dauern und Milliarden verschlingen dürfte. Für Baukonzerne, Hafenbetreiber, Pipelinebauer, Logistiker und Infrastrukturinvestoren könnten daraus neue Aufträge entstehen.

    Vor allem aber verändert sich die strategische Landkarte des Nahen Ostens. Bislang war Hormus der Flaschenhals, durch den ein erheblicher Teil des Energieexports der Golfstaaten musste. Künftig könnten Fujairah, Sohar, Duqm und Yanbu zu den wichtigsten Sicherheitspolen dieses Nadelöhrs werden.

    Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion



    Reports
    KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!




    wallstreetONLINE Redaktion
    0 Follower
    Autor folgen
    Mehr anzeigen

    Melden Sie sich HIER für den Newsletter der wallstreetONLINE Redaktion an - alle Top-Themen der Börsenwoche im Überblick! Verpassen Sie kein wichtiges Anleger-Thema!

    Für Beiträge auf diesem journalistischen Channel ist die Chefredaktion der wallstreetONLINE Redaktion verantwortlich.

    Die Fachjournalisten der wallstreetONLINE Redaktion berichten hier mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus den Partnerredaktionen exklusiv, fundiert, ausgewogen sowie unabhängig für den Anleger.

    Die Zentralredaktion recherchiert intensiv, um Anlegern der Kategorie Selbstentscheider relevante Informationen für ihre Anlageentscheidungen liefern zu können.

    NEU: Podcast "Börse, Baby!"

    Mehr anzeigen

    NEU: Podcast "Börse, Baby!"


    Verfasst vonRedakteurIngo Kolf
    wallstreetONLINE bei Google bevorzugen.Sie erhalten mehr Inhalte von uns in Ihren Suchergebnissen
    Der Golf baut Hormus um Hormus umgehen: Der gewagte Milliardenplan der Golfstaaten Pipelines, Häfen, Bahnstrecken und neue LNG-Terminals: Die Golfstaaten investieren Milliarden, um ihre gefährliche Abhängigkeit von der Straße von Hormus loszuwerden. Das ist geplant.

    Im Durchschnitt erleiden 7 von 10 Kleinanlegern Verluste beim Handel mit Turbo-Zertifikaten. Turbo-Zertifikate sind hoch risikoreiche Produkte und nicht für langfristige Anlagestrategien geeignet.
    Profitieren Sie von unserem Alleinstellungsmerkmal als den zentralen verlagsunabhängigen Wissens-Hub für einen aktuellen und fundierten Zugang in die Börsen- und Wirtschaftswelt, um strategische Entscheidungen zu treffen.
    • ✅ Größte Finanz-Community Deutschlands
    • ✅ über 550.000 registrierte Nutzer
    • ✅ rund 2.000 Beiträge pro Tag
    • ✅ verlagsunabhängige Partner ARIVA, FinanzNachrichten und BörsenNews
    • ✅ Jederzeit einfach handeln beim SMARTBROKER+
    • ✅ mehr als 25 Jahre Marktpräsenz
    Aktien von A - Z: # A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
    wallstreetONLINE bei X wallstreetONLINE bei Instagram wallstreetONLINE bei Facebook wallstreetONLINE bei Youtube wallstreetONLINE bei LinkedIn
    Unsere Apps: Apple App Store Icon Google Play Store Icon
    Wenn Sie Kursdaten, Widgets oder andere Finanzinformationen benötigen, hilft Ihnen ARIVA gerne. 

    Unsere User schätzen wallstreet-online.de: 4.8 von 5 Sternen ermittelt aus 285 Bewertungen bei www.kagels-trading.de
    Zeitverzögerung der Kursdaten: Deutsche Börsen +15 Min. NASDAQ +15 Min. NYSE +20 Min. AMEX +20 Min. Dow Jones +15 Min. Alle Angaben ohne Gewähr.
    Copyright © 1998-2026 Smartbroker Holding AG - Alle Rechte vorbehalten.
    Mit Unterstützung von: Ariva Smartbroker+
    Daten & Kurse von: TTMzero