Neue Spannungen zu erwarten
USA entsenden dritten Flugzeugträger – Öl schießt zeitweise hoch, Aktien fester
Vor dem Wochenende zeichnet sich am Aktienmarkt eine Entspannung ab, obwohl der Ölpreis weiter zugelegt hat. Hierfür sind fallende Renditen verantwortlich.
- Sinkende Renditen stützen Aktien trotz teurem Öl
- Asien-Vorgaben stützen den DAX zur Eröffnung
- Rohstoffe und Kryptos erholen sich vorerst wieder
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Aktien trotz höherer Ölpreise auf Erholungskurs
Nach einem schwachen September und einem missglückten Quartalsauftakt, der DAX büßte am Donnerstag zeitweise mehr als 1,5 Prozent an Wert ein, befinden sich deutsche Basiswerte vor dem Wochenende auf Erholungskurs und folgen damit US-Aktien sowie einigen asiatischen Märkten, die am Donnerstagabend und in der Nacht zum Freitag zulegen konnten.
Die Resilienz ist auf den ersten Blick bemerkenswert, weil die Rohölpreise weiter zugelegt haben. Laut Medienberichten verlegen die USA einen dritten Flugzeugträgerverband in den Nahen Osten, außerdem dachte US-Präsident Donald Trump laut über neue Angriffe ab Ende November nach.
Der Preis für die Rohölsorte Brent kletterte in der Nacht auf zeitweise über 108 US-Dollar pro Barrel, für WTI wurden am Spotmarkt bis zu 96 US-Dollar fällig. Etwas zurück kamen hingegen die Preise für Erdgas, Benzin und Diesel – Trump drängt aktuell darauf, dass europäische Sicherheitspartner mehr Dieselbestände aus ihren strategischen Reserven freigeben.
Entspannung am Anleihemarkt beruhigt die Nerven
Trotz anhaltend hoher Energiepreise kann am Freitag mit einer Entspannung an den Aktienmärkten gerechnet werden, weil Investoren wieder verstärkt bei Anleihen zugriffen. Zwar erreichten sowohl europäische als auch US-amerikanische Renditen am Donnerstag noch neue Mehrjahreshochs, allerdings kam es zu einem bemerkenswerten Intraday-Reversal.
Nach einem Tageshoch bei 5,36 Prozent fielen die Renditen für US-Anleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren in der Nacht auf 5,25 Prozent zurück. Für Bundesanleihen wurden am Donnerstagvormittag noch bis zu 3,64 Prozent fällig, ehe sie bis zum Nachmittag auf unter 3,5 Prozent fielen. Hält dieser Trend am Freitag an, ist eine Erholung vor allem zinssensitiver Aktien, wie Heidelberg Materials und Vonovia möglich. Auch Versicherer, wie die Allianz und die Münchner Rück, könnten profitieren, nachdem Verluste in den Anleiheportfolios am Donnerstag noch zu Kurseinbußen geführt hatten.
Überwiegend positive Vorgaben aus Asien stützen auch den DAX
Während die US-Futures 0,3 bis 0,4 Prozent höher taxiert werden, zeichnet sich im DAX ein Plus von 0,3 Prozent und eine Notierung wieder oberhalb der Marke von 25.000 Punkten ab. Das Börsenbarometer profitiert dabei auch von positiven Vorgaben aus dem asiatischen Handel.
Vor allem Werte in Sydney waren gefragt, wo der ASX um 0,8 Prozent zulegen konnte, an festlandchinesischen Börsen legten die Kurse rund 0,3 Prozent zu. Unauffällig verhielt sich dagegen mit einem Plus von 0,1 Prozent der südkoreanische KOSPI-Index. Mit Verlusten von rund einem Prozent wurde dagegen der Nikkei gehandelt, nachdem die Verbraucherpreisinflation im Großraum Tokio mit +2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich über den Erwartungen von 2,4 Prozent ausgefallen ist. Gleichzeitig kletterte die Arbeitslosenrate von 2,4 auf 2,5 Prozent.
Das ließ die Furcht vor weiteren Zinserhöhungen bei gleichzeitig schwächerem Wirtschaftswachstum aufkommen. Der japanische Yen wertete gegenüber dem US-Dollar geringfügig auf. Auch der Euro konnte sich etwas erholen, nachdem er im September noch deutlich unter Druck geraten und von 1,16 auf 1,12 US-Dollar abgerutscht war.
Gold, Silber und Industriemetalle wieder gefragt
Auch am Edelmetallmarkt zeichnet sich eine Erholung ab, nachdem Gold und Silber zum Wochenauftakt noch mit heftigen Verlusten gehandelt wurden. Das Reversal bei den Anleiherenditen sorgt für Zugewinne von knapp 0,3 Prozent bei Gold, das sich auf rund 4.190 US-Dollar pro Feinunze verteuert. Silber legt am Freitagmorgen um 0,5 Prozent auf etwa 61,30 US-Dollar zu.
Ebenfalls gefragt sind Platin und Palladium, die aufgrund ihrer üblicherweise höheren Schwankungsbreite Gewinne von 1,7 und 0,7 Prozent verzeichnen. Nach Verlusten in den Tagen zuvor zeichnet sich auch bei Industriemetallen eine Gegenbewegung ab. Kupfer, Zink, Zinn, Nickel und Blei werden mit Aufschlägen gehandelt.
Das signalisiert ein zurückkehrendes Vertrauen von Investoren, dass die konjunkturelle Wachstumsdynamik trotz der höchsten Realzinsen seit Jahren stark bleibt.
Kryptomarkt legt auch in der breite zu, neue Jahreshochs möglich
Anlegerinnen und Anleger von Kryptowährungen dürfen sich vor dem Wochenende ebenfalls über höhere Notierungen freuen. Nach einer Zwischenkonsolidierung legte Bitcoin in der Nacht um rund 2 Prozent auf 86.300 US-Dollar zu und nähert sich damit wieder seinem 6-Monats-Hoch bei rund 87.400 US-Dollar an, Ethereum wird am Freitagmorgen mit einem Plus von 1,3 Prozent zu 2.727 US-Dollar gehandelt. Auch hier kommt es zu einer Annäherung an die bisherigen Jahreshochs.
Mit überdurchschnittlichen Aufschlägen gehandelt wurden vor allem Aave und der Meme-Coin Pepe. Aave verteuerte sich in den vergangenen 24 Stunden um knapp 10 Prozent, Pepe verbuchte Aufschläge von 5,2 Prozent. Insgesamt gewann der Markt für digitale Assets laut CoinMarketCap 1,6 Prozent auf eine Marktkapitalisierung von 2,93 Billionen US-Dollar hinzu. Das zeigt wachsendes Investorenvertrauen auch in der Breite, nachdem der Marktwert im Sommer auf zeitweise nur wenig mehr als 2 Billionen US-Dollar abgerutscht war.

wallstreetONLINE RedaktionAlarmglocken kaum zu überhören
DAX unter 25.000 Punkten: Wann kommt der große Knall?
Fazit: Kurzfristige Entspannung, aber Zweifel an der Nachhaltigkeit
Trotz anhaltend hoher, am Donnerstag erneut gestiegener Ölpreise zeichnet sich vor dem Wochenende eine breite Erholung am Aktien- und Rohstoffmarkt sowie bei Kryptowährungen ab. Ursache hierfür sind vor allem fallende Anleiherenditen, nachdem es bei Schuldscheinen in den Tagen zuvor noch zu anhaltenden Verkäufen mit hoher Dynamik gekommen war.
Das zeigt allerdings auch die Fragilität des gegenwärtigen Marktumfeldes. Kurzfristig mögen Aktien hohen Energiepreisen standhalten können, sobald diese aber zu weiter steigenden Anleiherenditen führen – etwa, weil sich Zweitrundeneffekte bei der Inflationsentwicklung bemerkbar machen – dürften Wertpapiere wieder unter Druck geraten.
Die sich vor dem Wochenende abzeichnende Entspannung ist daher vorerst nur eine Momentaufnahme, bis sich ein dauerhafter Weg zu niedrigeren Energiepreisen abzeichnet. Das allerdings liegt aktuell in unberechenbaren Händen.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


