60 Milliarden für Chips
Wie riskant ist Broadcoms Wette auf Anthropic?
Broadcom sammelt 60 Milliarden Dollar für Chips ein, Anthropic soll profitieren. Gleichzeitig leiht der Konzern seinem Kunden Milliarden. Kritiker sprechen von einem Kreislauf. Wie riskant ist das für Anleger?
- Broadcom sammelt 60 Milliarden Dollar für KI-Chips
- Broadcom leiht Anthropic Geld für gemietete Chips
- Wenige Großkunden machen das KI-Geschäft riskant
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Ein Konsortium von Wall-Street-Banken rund um den Chipkonzern Broadcom beginnt damit, 60 Milliarden US-Dollar einzusammeln. Das berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Mit dem Geld sollen Chips für künstliche Intelligenz (KI) finanziert werden. Profitieren sollen das auf KI spezialisierte Unternehmen Anthropic und weitere Kunden.
Den Kern bildet eine vorrangig besicherte Tranche der Klasse A über 42 Milliarden US-Dollar. Die Banken stehen laut Bloomberg kurz davor, die Einladungen an Investoren zu verschicken. Hinzu kommen nachrangige Schuldtitel der Klasse B über 18 Milliarden US-Dollar. Diese Tranche führt der Finanzinvestor Blackstone an. Er steuert neun Milliarden US-Dollar aus eigenen Fonds bei.
Den Rest soll ein weiteres Konsortium aufbringen. Das Prinzip ist bekannt: Bereits im Juni hatten Blackstone und Apollo 35 Milliarden US-Dollar für Rechenleistung von Anthropic eingesammelt. Investoren kaufen die Chips und vermieten die Kapazität weiter.
Lieferant finanziert Kunden
Wie eng die Verflechtung ist, zeigt eine weitere Nachricht vom Mittwoch. Laut Reuters will Broadcom Anthropic bis zu 42 Milliarden US-Dollar leihen. Damit soll Anthropic die Miete für Rechenkapazität bezahlen. Die Kredite lassen sich in Aktien wandeln. Das geht aus dem Börsenprospekt von Anthropic hervor. Insgesamt hat sich das Unternehmen verpflichtet, über fünf Jahre Rechenleistung für 125,2 Milliarden US-Dollar zu mieten.
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Kritiker sehen darin einen Kreislauf. Der Lieferant leiht dem Kunden Geld, damit dieser die Chips des Lieferanten bezahlt. Ein Analyst von Rothschild & Co warnt vor einer konzentrierten Wette darauf, dass zwei Unternehmen genug Umsatz für all diese Finanzierungen erwirtschaften.
Stimmungstest für die Branche
Die Wall Street verfolgt den Deal genau. Er zeigt, ob Geldgeber den KI-Ausbau trotz wachsender Kritik am Bau von Rechenzentren weiter tragen. Für Broadcom steht viel auf dem Spiel. Der Konzern will mehr Chips und Ausrüstung für Rechenzentren verkaufen und so Nvidia herausfordern.
Bisher geht die Rechnung auf. Im dritten Geschäftsquartal stieg der Umsatz um 86 Prozent auf 29,6 Milliarden US-Dollar. Allein mit KI-Chips etzte Broadcom 16,7 Milliarden US-Dollar um, mehr als dreimal so viel wie im Vorjahr.
Die Aktie schloss am Donnerstag bei 343,64 Dollar. Die 50 von Stockanalysis erfassten Analystinnen und Analysten raten im Schnitt zum Kauf. Ihr mittleres Kursziel von 531,85 US-Dollar liegt mehr als 50 Prozent über dem aktuellen Kurs.
Fazit
Broadcom sichert sich mit fremdem Geld die Nachfrage von morgen. Das treibt Umsatz und Gewinn. Zugleich wächst die Abhängigkeit von wenigen Großkunden wie Anthropic. Geraten diese ins Straucheln, wackelt die ganze Konstruktion. Wer einsteigt, setzt auf einen anhaltenden KI-Boom und sollte die Größe der Position entsprechend begrenzen.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
