Aktie behauptet sich
Renk und Rheinmetall landen auf der Abschussliste, doch Hensoldt bleibt gefragt
Bei deutschen Rüstungswerten zeigt sich aktuell eine diskrepante Entwicklung. Renk und Rheinmetall handeln mit Verlusten, Hensoldt beweist relative Stärke.
- Renk und Rheinmetall fallen, Hensoldt bleibt stark
- Drohnenkrieg stärkt Hensoldts Fokus auf moderne Luftabwehr
- Kaufsignale locken, doch Hensoldt bleibt teuer
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Niemand will Renk oder Rheinmetall, dafür aber Hensoldt
Die beiden deutschen Rüstungswerte Renk und Rheinmetall befinden sich in einer tiefen Kurskrise. Während Renk nach einer Reihe negativer Analystenkommentare auf den niedrigsten Stand seit dem Zoll-Crash abgerutscht ist und gegenüber dem Jahreswechsel fast ein Drittel an Wert verloren hat, belaufen sich die Verluste beim Branchenprimus Rheinmetall auf fast 40 Prozent.
Dem gegenüber behauptet sich Hensoldt mit einem Plus von rund 5 Prozent bemerkenswert gut. Das Papier des Luftverteidigungsspezialisten zeigt damit gegen einen schwachen Trend auch bei anderen europäischen Rüstungstiteln eine bemerkenswert hohe relative Stärke.
Hensoldt trotz gravierender Bewertungsunterschiede gefragt
An Bewertungsvorteilen kann es nicht liegen, denn mit einem KGVe 2026 von 51,0 und von 35,5 für das kommende Jahr ist die Hensoldt-Aktie ausgesprochen teuer. Für Renk und Rheinmetall wird für das laufende Geschäftsjahr ein Gewinnvielfaches von etwa 27 fällig und für 2027 stehen KGVs von 19 zu Buche. Das entspricht dem internationalen Branchendurchschnitt.
Die vergleichsweise starke Kursentwicklung, auch wenn auf Sicht der vergangenen Monate ein Seitwärtstrend vorliegt, muss also andere Gründe haben. Einer dieser Gründe liegt im Produktportfolio. Angesichts der Entwicklungen im Ukraine- und Iran-Krieg zeichnet sich ein Trend zu einer zunehmend drohnenbasierten Kriegsführung ab.
Zweifel am Produktportfolio bei Renk und Rheinmetall
Renk und Rheinmetall sind allerdings überwiegend auf landbasierte Systeme spezialisiert – Renk mit Antriebslösungen und Rheinmetall mit gepanzerten Fahrzeugen vom Truppentransporter bis zum Artilleriesystem. Auch die beweisen im Ukraine-Krieg eine hohe Wirksamkeit, sind aber deutlich teurer und verwundbarer als Drohnen, die nötigenfalls als "Einmalprodukt" zum Einsatz kommen.
Hensoldt hingegen hat seine Kompetenzen im Bereich Luftraumverteidigung und elektronischer Kampfführung. Genau hier zeichnet sich ein anhaltend hoher, nachhaltiger Bedarf ab. Das spiegelt sich auch in der jüngsten Studie der Bank of America wider, welche ihre Kaufempfehlung für Renk kassiert, diejenige für Hensoldt aber bekräftigt hat. Die Begründung: Gegenwärtig mag der Auftragseingang bei Renk zwar stark sein, doch sobald europäische Streitkräfte ihre Fuhrparks modernisiert und aufgerüstet haben, könnte das Wachstum zum Erliegen kommen.
Aber auch technisch hat Hensoldt aktuell die Nase vorne
Doch es lassen sich auch technische Gründe für die Outperformance der Hensoldt-Aktie finden. Während Renk und Rheinmetall in hartnäckigen Abwärtstrends handeln, konsolidiert Hensoldt auf hohem Niveau seitwärts. Dadurch bleiben Chancen zur Oberseite erhalten, während Anlegerinnen und Anleger bei den beiden Mitbewerbern zunehmend verzweifelt auf einen Turnaround hoffen müssen – Hier drohen Kurse von 30 Euro für Renk und von 600 Euro für Rheinmetall.
Hensoldt hingegen hat die Chance auf zweistellige Kursgewinne, da die Aktie jetzt unterstützt von steigenden technischen Indikatoren vor neuen Kaufsignalen steht, wie der Blick in den Chart zeigt.
Aktie mit Chance auf neuen Aufwärtsimpuls
Übergeordnet befindet sich Hensoldt in einem mehrjährigen Aufwärtstrend mit hoher Dynamik. Ausgehend von einem IPO-Preis von 12,00 Euro konnte sich die Aktie zeitweise fast Verzehnfachten mit einem Allzeithoch bei 117,70 Euro, markiert im Herbst vergangenen Jahres.
Das allerdings wurde nach bearishen Divergenzen in den technischen Indikatoren konsolidiert. Seit November 2025 liegt daher ein seitwärts gerichteter Trend vor mit eine Handelsspanne überwiegend zwischen 70 und 90 Euro. Zwischenzeitliche Ausbrüche darüber oder darunter bleiben folgenlos.
Während Renk und Rheinmetall in den vergangenen Wochen auf immer neue Tiefs gefallen sind, bildete sich bei Hensoldt nach einer Korrektur im August ein Boden im Bereich von 76 Euro. Hierfür war vor allem eine Erholung des Relative-Stärke-Index verantwortlich, nachdem dieser auf überverkaufte Niveaus gefallen war.
90 Euro? Die technischen Indikatoren unterstützen das!
Nach dem positiven Analystenkommentar der Bank of America, sowie einem Upgrade von Kepler Chevreux am Freitagmorgen mit einem Kursziel von 90 Euro konnte die Aktie vor dem Wochenende deutlich zulegen. Damit steht sie unmittelbar vor dem Sprung über die 200-Tage-Linie, was den Wechsel in einen neuen Aufwärtstrend anzeigen könnte.
Die Aussichten auf einen solchen Wechsel sind dabei zunehmend als gut zu bewerten, da sich RSI und MACD in Aufwärtstrends befinden und der RSI inzwischen im Stärke-Bereich liegt und der MACD zumindest über seine Signallinie klettern konnte und jetzt die Nulllinie im Visier hat, deren Überwinden einen neuen Aufwärtstrend technisch bestätigen würde. Erste Anlaufstellen für die Aktie wären dann die 50-Tage-Linie bei 83,60 Euro, wo es zu einem weiteren Kaufsignal kommen könnte, sowie 90 Euro. Dieses bullishe Setup sollte aktiv bleiben, solange Hensoldt nicht nachhaltig unter 70 Euro fällt.

wallstreetONLINE RedaktionRenk stürzt weiter ab
Darum versetzt dieser Analyst der Aktie jetzt den Todesstoß!
Fazit: Story und Trend intakt, aber die Aktie ist nicht immun
Zwar handeln Renk und Rheinmetall am Freitag mit Erholungsgewinnen, die in diesem Jahr bislang erlittenen Verluste macht das allerdings nicht wett. Hensoldt hingegen konnte sich dank einer hohen relativen Stärke im Plus behaupten und könnte seine Gewinne dank einer charttechnisch verbesserten Ausgangslage und einem für Investoren attraktiveren Produktportfolio jetzt sogar ausbauen.
Die im Branchendurchschnitt hohe Unternehmensbewertung könnte jedoch zu einem Problem werden – denn während ambitionierte Bewertungsniveaus bei Renk und Rheinmetall inzwischen auf besser vertretbare Notierungen korrigiert wurden, handelt Hensoldt mit einer Premiumbewertung, die das Papier anfällig für Rückschläge machen könnte, wenn sich entweder ein verändertes Narrativ zeigt oder das Unternehmen mit seinem Wachstum hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Dann könnte Hensoldt rasch das gleiche Schicksal drohen und sich die relative Stärke zu noch nachzuholendem Abwärtspotenzial wandeln. Aktuell sind aber eindeutig die Bullen am Drücker.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


