Das sind die Gründe
Hormus öffnet langsam wieder – doch der Ölpreis bleibt hoch!
Durch Hormus fließt wieder mehr Öl, die Exporte aus Nahost erreichen fast zwei Drittel des Vorkrisenniveaus. Trotzdem bleibt Brent nahe 100 US-Dollar. HSBC sieht dafür triftige Gründe in Fracht, Logistik und Datenlage.
- Hormus-Exporte erholen sich auf fast zwei Drittel
- Unsichere Daten erschweren Schätzungen der Ölströme
- Rekordfracht hält Brent trotz Ölzufluss teuer
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Durch die Straße von Hormus fließt wieder deutlich mehr Öl. Nach Einschätzung der Rohstoffexperten von HSBC passieren derzeit rund 10 Millionen Barrel pro Tag die Meerenge. Anfang September waren es erst etwa 6 Millionen Barrel, die Erholung verläuft damit schneller als im Basisszenario der Bank unterstellt.
Rechnet man die Umgehungsrouten hinzu, exportiert der Nahe Osten knapp 15 Millionen Barrel täglich, rund 64 Prozent des Niveaus vor dem Konflikt. Getragen wird das Plus vor allem von Saudi-Arabien, das nach Störungen an seiner Ost-West-Pipeline wieder verstärkt über Hormus verschifft.
Wie viel Öl tatsächlich durch die Meerenge geht, ist allerdings umstritten. Die Schätzungen reichen von weniger als 3 bis etwa 15 Millionen Barrel am Tag. HSBC nennt drei Gründe: Tanker fahren zunehmend unsichtbar ohne vollständige Ortungssignale, Ladungen werden auf See umgeschlagen, und manche Datensätze rechnen Ausweichwege wie den saudischen Hafen Yanbu am Roten Meer mit ein, andere nicht. Hinzu kommt, dass Rohöl schneller zurückkehrt als Raffinerieprodukte, deren Transport kleinteiliger und riskanter ist.
Von Normalität kann trotzdem keine Rede sein. Als die Ausfuhren während der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran im Juni und Juli zuletzt nahe am Vorkrisenniveau lagen, rutschte Brent auf rund 70 US-Dollar ab. Damals drängte mehr Öl auf den Markt, als Käufer aufnehmen konnten. Ein Barrel kostet immer noch rund 100 US-Dollar. Diese Lücke von 30 US-Dollar lässt sich nach Ansicht der Bank kaum allein mit einer höheren Risikoprämie und kleineren Lagern erklären.
Der physische Markt bleibt angespannt. Dated Brent liegt rund 17 US-Dollar über dem vordersten Terminkontrakt an der ICE, die Kurve zeigt eine steile Backwardation. Die Fracht für einen Supertanker vom Golf nach China hat mit über 1,2 Millionen US-Dollar pro Tag Rekordniveau erreicht, das entspricht etwa einem Fünftel der Lieferkosten.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
Öl (Brent) wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -2,50 % und einem Kurs von 99,68USD auf Lang & Schwarz (02. Oktober 2026, 13:36 Uhr) gehandelt.
