Aramco dreht den Ölhahn auf
Aramco meldet Pipeline-Comeback – das könnte den Ölpreis unter Druck setzen
Saudi Aramco fährt die Ost-West-Pipeline stark hoch und bringt wieder mehr Öl an den Weltmarkt. Das entlastet Hormus-Risiken und könnte Brent bremsen.
- Aramco steigert den Durchfluss auf über 80 Prozent
- Die Route über Yanbu umgeht die Straße von Hormus
- Mehr Exporte erhöhen das Angebot und bremsen Brent
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Saudi Aramco erhöht den Durchfluss durch seine strategisch wichtige Ost-West-Pipeline massiv. Nach einem Bericht von Bloomberg fließen inzwischen mehr als 80 Prozent der maximalen Kapazität durch die Leitung, die Rohöl von den Fördergebieten im Osten Saudi-Arabiens bis zum Roten Meer transportiert. Bei einer Gesamtkapazität von sieben Millionen Barrel pro Tag entspricht das mehr als 5,6 Millionen Barrel täglich. Rund sechs Millionen Barrel pro Tag sollen derzeit durch die Pipeline laufen, wovon nach Versorgung der heimischen Raffinerien etwa 4,5 Millionen Barrel für den Export über die Westküste zur Verfügung stehen.
Die Pipeline ist für Saudi-Arabien derzeit besonders wichtig, weil sie die Straße von Hormus vollständig umgeht. Rund ein Fünftel des weltweiten Rohöl- und LNG-Handels passiert normalerweise die Meerenge. Seit Beginn des US-israelischen Kriegs gegen den Iran ist der Verkehr dort jedoch stark gestört. Saudi-Arabien kann deshalb über die Ost-West-Pipeline Öl direkt zum Hafen Yanbu am Roten Meer transportieren und von dort nach Europa oder Asien verschiffen.
Noch vor wenigen Wochen war genau diese Route selbst zum Problem geworden. Ein Drohnenangriff am 11. September beschädigte drei der elf Pumpstationen und legte die Pipeline zeitweise lahm. Saudi Aramco musste daraufhin Lieferungen an europäische Raffinerien aussetzen. Seit dem 22. September läuft die Leitung wieder, zunächst mit deutlich reduzierter Kapazität. Ende September wurden erst 2 bis 2,65 Millionen Barrel pro Tag transportiert. Dass der Durchfluss nun bereits wieder auf mehr als 80 Prozent der Maximalleistung gestiegen ist, zeigt, wie schnell Aramco die Infrastruktur wiederhergestellt hat.
Für den Ölmarkt ist das ein wichtiges Entspannungssignal. Die Exporte aus dem Nahen Osten hatten sich im September bereits deutlich erholt. Laut Kpler stiegen die Rohölausfuhren der Region auf 16,33 Millionen Barrel pro Tag, den höchsten Stand seit Beginn des Konflikts im Februar. Allein Saudi-Arabien erhöhte seine Exporte von 2,45 Millionen Barrel pro Tag im August auf rund 5,4 Millionen Barrel im September. Die Rückkehr zusätzlicher saudischer Mengen an den Weltmarkt hatte zuletzt bereits Druck auf die Ölpreise ausgeübt. Brent fiel Ende September zeitweise wieder in Richtung 100 US-Dollar je Barrel, nachdem die Wiederaufnahme der Lieferungen über Yanbu und die Erholung der Golf-Exporte Sorgen über akute Angebotsengpässe gedämpft hatten.
Für Saudi Aramco unterstreicht die Entwicklung zugleich den strategischen Wert der Ost-West-Pipeline. Bereits im ersten Quartal hatte der Konzern die Leitung zeitweise auf ihre volle Kapazität von sieben Millionen Barrel pro Tag hochgefahren. Aramco bezeichnete sie damals selbst als entscheidende Versorgungsader, um Störungen in der Straße von Hormus abzufedern und Exporte über die Westküste aufrechtzuerhalten.
Für Anleger ist die Meldung deshalb doppelt relevant. Zum einen kann Aramco wieder deutlich größere Mengen exportieren und damit verlorene Marktanteile zurückgewinnen. Zum anderen steigt mit der höheren Auslastung der Pipeline das globale Ölangebot – ein Faktor, der bei ansonsten unveränderten Bedingungen tendenziell gegen einen erneuten starken Preissprung bei Brent spricht. Gleichzeitig bleibt die Infrastruktur selbst ein geopolitisches Risiko: Der Angriff im September hat gezeigt, dass auch die wichtigste Alternative zur Straße von Hormus verwundbar ist.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion

