Dividenden-Radar
Hormel Foods: Die höchste sichere Rendite unter den Dividendenkönigen
Seit 60 Jahren hat Hormel Foods die Ausschüttungen kontinuierlich erhöht und ist damit ein echter Dividendenkönig. Die Rendite beträgt inzwischen knapp sechs Prozent. Ein Stabilitätsanker fürs Portfolio?
- Hormel erhöht die Dividende seit 60 Jahren in Folge
- Knapp sechs Prozent Rendite treffen auf Kursverluste
- Foodservice wächst, Brakebush soll Erholung fördern
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Die sogenannten Dividendenkönige, also Unternehmen, die ihre Ausschüttungen mindestens 50 Jahre in Folge kontinuierlich erhöht haben, zählen zu den beliebtesten passiven Investments überhaupt. Im Portfolio von Berkshire Hathaway, der Investmentholding der Börsenlegende Warren Buffett, stellt beispielsweise Coca-Cola seit Jahrzehnten einen Anker dar. Und da der Erfrischungsgetränke-Spezialist schon so lange zu den Beteiligungen zählt und seine Dividende Jahr für Jahr erhöht, kassiert Berkshire inzwischen rund 850 Millionen US-Dollar jährlich, fast zwei Drittel des gesamten ursprünglichen Kaufpreises. Die über die Jahrzehnte vereinnahmten Dividenden haben den damaligen Einsatz längst um ein Vielfaches übertroffen. Das macht die Dividendenkönige für langfristig orientierte Anleger so interessant.
Im heutigen Dividenden-Radar wollen wir uns einen der Kandidaten aus dieser Güteklasse genauer ansehen, den Lebensmittelkonzern Hormel Foods, der seine Ausschüttungen fast ebenso lange wie Coca-Cola erhöht hat, aber über eine mehr als doppelt so hohe Dividendenrendite verfügt. Nachdem wir in der vergangenen Woche den Spezial-Versicherer Old Republic durchleuchtet haben, bleiben wir also vorerst in den USA. Hormel aber schlägt Old Republic in punkto Verlässlichkeit um Längen. Im November 2025 erhöhte Hormel die Dividende zum 60. Mal in Folge. Gleichzeitig bietet die Aktie inzwischen eine Rendite von rund sechs Prozent.
Hormel bietet eine außergewöhnliche Ausschüttungshistorie. Das Unternehmen hat seit seinem Börsengang 1928 nicht eine Quartalsausschüttung ausfallen lassen und 392 Quartale in Folge seine Aktionäre belohnt. Die jüngste Anhebung fiel allerdings bescheiden aus: Im November 2025 wurde die Quartalsdividende um ein Prozent auf 0,2925 US-Dollar je Aktie erhöht. Damit beträgt die annualisierte reguläre Dividende derzeit 1,17 US-Dollar. Für nächsten Monat sagen Analysten die 61. Erhöhung in Folge auf dann 1,20 US-Dollar pro Jahr voraus.
Etwas trübe entwickelt hat sich in den letzten Jahren allerdings der Aktienkurs. In diesem Jahr hat er bislang gut 13 Prozent nachgegeben, mit Blick auf die vergangenen 5 Jahre sogar mehr als 50 Prozent. Dadurch ist die Rendite auf ein Niveau gestiegen, das für einen Dividendenkönig ungewöhnlich hoch ist. Aktuell haben in dieser Güteklasse nur der Tabakhändler Universal und der Tabakkonzern Altria eine etwas höhere Rendite aufzuweisen. Wobei Universal von Analysten mit einem Risikorating von "Unsafe / High Risk" eingeschätzt wird und Altria mit "Borderline Safe". Hormel hingegen wird als "Safe", also "Sicher" eingeschätzt. Mit einer neuen Strategie will das Unternehmen nun auch wirtschaftlich wieder auf einen Wachstumskurs zurückkehren.
Was macht Hormel eigentlich?
Hormel ist ein Lebensmittelkonzern mit den vor allem in den USA bekannten Marken wie SPAM, Skippy, Applegate, Jennie-O, Hormel Pepperoni und Planters. Das Unternehmen ist sowohl im Einzelhandel als auch im Geschäft mit Gastronomie und Großkunden aktiv. Das Foodservice-Geschäft entwickelte sich zuletzt deutlich besser als Teile des klassischen Einzelhandels. Im dritten Quartal 2026 verzeichnete die Sparte bereits das zwölfte Quartal in Folge mit organischem Umsatzwachstum. Im Retail-Geschäft ist die Situation dagegen schwieriger. Im dritten Quartal gingen dort Volumen, Umsatz und Segmentgewinn zurück. Hormel musste deshalb seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr senken.
Um wachstumsstärkere Konzernteile zu fördern, wurde Ende September die Übernahme von Brakebush Brothers für rund 1,055 Milliarden US-Dollar angekündigt. Das Familienunternehmen produziert Hähnchenprodukte wie Patties, Wings und Nuggets und erwirtschaftete zuletzt rund 1,2 Milliarden US-Dollar Umsatz. Hormel will damit seine Position im Proteinmarkt ausbauen und gleichzeitig das Foodservice-Geschäft stärken. Der Abschluss wird im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erwartet; zum bereinigten Gewinn je Aktie soll die Übernahme ab 2028 beitragen.
Die aktuellen Zahlen zeigen ein gemischtes Bild. Im zweiten Quartal hatte Hormel noch in allen drei Segmenten Verbesserungen verzeichnet. Im dritten Quartal setzte sich diese Dynamik allerdings nicht vollständig fort. Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet das Unternehmen inzwischen einen Umsatz von 12,1 bis 12,2 Milliarden US-Dollar. Beim bereinigten operativen Ergebnis werden 1,08 bis 1,12 Milliarden US-Dollar erwartet. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll bei 1,45 bis 1,51 US-Dollar liegen.
Interessant ist vor allem die Margenentwicklung: Während der Umsatz kaum wächst, soll das operative Ergebnis deutlich stärker zulegen. Gelingt es Hormel, diese Verbesserung nachhaltig zu machen, könnte dies ein wichtiger Baustein für eine Stabilisierung des Geschäfts sein.
Der aktuelle Analystenkonsens ist noch zurückhaltend. FactSet-Daten sehen für das Geschäftsjahr 2026 einen Gewinn je Aktie von rund 1,49 US-Dollar und für 2027 etwa 1,57 US-Dollar. Für die Dividende werden 1,17 US-Dollar für 2026, 1,20 US-Dollar für 2027 und 1,25 US-Dollar für 2028 erwartet. Beim Kursziel liegt der Konsens bei rund 25,94 US-Dollar, das entspricht einem Aufwärtspotenzial von mehr als 28 Prozent. Die zehn von MarketScreener erfassten Analysten, die die Aktie beobachten, raten im Schnitt zum Aufstocken.
Fazit
Hormel kann für passive Investoren ein interessanter Baustein des Portfolios sein: 60 Jahre steigende Dividenden treffen auf eine Aktie, die in einen Turnaround umschwenken könnte. Die hohe Rendite ist aber Chance und Warnsignal zugleich. Für eine mögliche Trendwende gibt es erste operative Ansatzpunkte. Das Foodservice-Geschäft wächst, die Profitabilität soll 2026 stärker zulegen als der Umsatz und mit Brakebush investiert Hormel mehr als eine Milliarde US-Dollar in einen wachsenden Proteinmarkt.
Noch ist allerdings nicht bewiesen, dass daraus ein nachhaltiger Turnaround entsteht. Für Dividendenjäger ist Hormel deshalb vor allem eine Wette darauf, dass die außergewöhnliche Ausschüttungstradition fortgesetzt wird und möglicherweise eine operative Erholung gelingt.
Beispielrechnung: 12.000 Euro Brutto-Dividende
Wer mit der Hormel-Aktie auf ein passives Einkommen von 12.000 Euro pro Jahr kommen will, benötigt dafür bei 1,17 US-Dollar (1,04 Euro) Dividende etwa 11.500 Anteilsscheine des Unternehmens. Bei einem aktuellen Kurs von 20,25 US-Dollar entspricht das einem Investment von rund 233.000 US-Dollar oder 207.000 Euro.
Zum Vergleich: Beim Spezial-Versicherer Old Republic waren dafür im Radar der vergangenen Woche mit der regulären Dividende 355.000 Euro notwendig gewesen, beziehungsweise inklusive eventueller Sonderdividenden lediglich 119.000 Euro. Bei der kanadischen Bank of Montreal (BMO) im Radar der Woche davor betrug der Kapitaleinsatz noch 425.000 Euro.
Steuerliche Behandlung
Für deutsche Anleger wird bei US-Dividenden aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens grundsätzlich eine US-Quellensteuer von 15 Prozent angerechnet. Zusammen mit der deutschen Kapitalertragsteuer ergibt sich bei korrekter Behandlung eine Gesamtbelastung in der Größenordnung der deutschen Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent zuzüglich gegebenenfalls Kirchensteuer.
Übersicht zur Dividende von Hormel Foods
Marktkapitalisierung: 11,14 Milliarden US-Dollar (9,89 Milliarden Euro)
Dividendenrendite für 2026: 5,78 %
Dividende erhöht: 60 Jahre in Folge
Dividende nicht gesenkt: seit 1965
Dividende kontinuierlich ausgeschüttet: seit 1928
Frequenz: viermal jährlich, gewöhnlich Februar, Mai, August und November
Zeitplan
28.09.2026: Dividendenankündigung
13.10.2026: Ex-Tag/Record Date
16.11.2026: Auszahlung
| Geschäftsjahr |
Dividendenrendite in %** |
Dividende in USD |
|---|---|---|
| 2028e | 6,17e | 1,25e |
| 2027e | 5,93e | 1,20e |
| 2026 | 5,78 | 1,17 |
| 2025 | 4,90 | 1,16 |
| 2024 | 3,60 | 1,13 |
| 2023 | 3,43 | 1,10 |
| 2022 | 2,28 | 1,04 |
| 2021 | 2,01 | 0,98 |
* Quellen: Hormel Foods, FactSet, wallstreetONLINE.
** Zur Errechnung der Dividendenrendite wurde der Schlusskurs am 31. Oktober genommen, an dem das Geschäftsjahr bei BMO endet, beziehungsweise ab 2026 der aktuelle Kurs.
Die optimale Dividendenstrategie
Eine optimale langfristige Dividendenstrategie hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter dem individuellen Risikoprofil, den Anlagezielen und der finanziellen Situation. Hier sind jedoch einige allgemeine Prinzipien, die empfohlen werden können:
Diversifikation: Investieren Sie in eine breite Palette von Unternehmen und Sektoren, um das Risiko zu streuen. Diversifikation kann helfen, das Portfoliorisiko zu mindern, da nicht alle Sektoren gleichzeitig von Marktschwankungen betroffen sind.
Qualitätsaktien wählen: Achten Sie auf Unternehmen mit einer starken Bilanz, stabilen Cashflows und einer Geschichte von zuverlässigen und wachsenden Ausschüttungen. Solche Unternehmen sind oft besser positioniert, um auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Dividenden zu zahlen.
Reinvestition von Dividenden: Das Reinvestieren von Dividenden kann das Wachstum des Portfolios beschleunigen. Durch den Zinseszinseffekt können reinvestierte Dividenden über die Zeit einen signifikanten Beitrag zum Gesamtertrag des Portfolios leisten.
Langfristige Perspektive: Dividendenstrategien sind oft langfristig ausgerichtet. Marktschwankungen sollten daher nicht zu überstürzten Entscheidungen führen. Geduld und Beständigkeit sind Schlüssel zum Erfolg.
Steuereffizienz berücksichtigen: Die steuerliche Behandlung von Dividenden kann je nach Land und individueller Situation variieren. Es ist wichtig, Steuereffekte in die Strategie einzubeziehen.
Überwachung und Anpassung des Portfolios: Portfolios sollten regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden, um sicherzustellen, dass es weiterhin den eigenen Anlagezielen entspricht und gut diversifiziert bleibt.
Bewertung: Achten Sie auf die Bewertung der Aktien. Hohe Dividendenrenditen sind nicht immer ein gutes Zeichen; sie können auch ein Hinweis auf Probleme im Unternehmen sein.
Verwendung von Dividendenfonds, -ETFs: Für Anleger, die nicht direkt einzelne Aktien auswählen möchten, können Dividendenfonds eine praktikable Alternative sein, da sie eine gute Möglichkeit zur Diversifikation bieten.
Fazit:
Dividendeninvestitionen können eine großartige Möglichkeit sein, ein passives Einkommen aufzubauen. Indem Sie sich auf Unternehmen mit stabiler Dividendenhistorie konzentrieren, können Sie Ihr Portfolio schrittweise ausbauen. Dabei ist natürlich immer zu beachten, dass Investitionen in Dividendenaktien – wie alle Investitionen – mit Risiken verbunden sind.
Weitere interessante Dividenden-Aktien befinden sich übrigens auch in der Dividenden-Watchlist unseres Börsenexperten Markus Weingran, dessen Börsenlounge sich täglich mit aktuellen Marktentwicklungen, Investitionstipps und Finanzthemen befasst.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion
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