Earnings Preview KW41
Handelskonflikt, KI-Sorgen, Ölpreis-Eskalation: Wer hält jetzt stand?
Diese in den kommenden Tagen (KW41) anstehenden US-Quartalszahlen müssen Anlegerinnen und Anleger kennen: Herausforderungen, Erwartungen und die aktuell eingepreisten Kursreaktionen – alles auf einen Blick!
Dienstag, 06. Oktober: Constellation Brands
Die Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und Kanada hat der Aktie von Constellation Brands im wahrsten Sinne des Wortes einen Bärendienst erwiesen. Verglichen mit dem Stand vor einem Jahr notiert das Papier des Spirituosenherstellers mit einem Minus von knapp 20 Prozent, denn Kanada ist einer der wichtigsten Exportmärkte für US-Hersteller. Gleichzeitig kämpft die Branche mit einer sinkenden Nachfrage, insbesondere von jüngeren Konsumentinnen und Konsumenten, sowie gestiegenen Preisen bei Agrarrohstoffen.
Dementsprechend sind die Konzernerlöse bereits 5 Quartale in Folge gefallen. Nach Einschätzung von Analystinnen und Analysten könnte Constellation Brands im zurückliegenden Vierteljahr jedoch zum Wachstum zurückgekehrt sein, denn nach 2,48 Milliarden US-Dollar vor 12 Monaten wird nun mit einem Umsatzergebnis von 2,54 Milliarden US-Dollar gerechnet. Beim bereinigten Gewinn pro Aktie (Non-GAAP) droht allerdings ein geringfügiger Rückgang von 3,63 auf 3,55 US-Dollar.
Mit Blick auf die mögliche Kursreaktion liegt die Hürde für einen Anstieg niedrig, denn der Abwärtstrend der Aktie hält schon seit geraumer Zeit an, sodass die Bewertung inzwischen weit unter die historische Norm als auch den Branchendurchschnitt gefallen ist. Für das laufende Geschäftsjahr ist Constellation Brands mit dem 9,6-Fachen seiner erwarteten Gewinne bewertet, was um 46,2 Prozent unter dem 5-Jahres-Mittel und um knapp ein Drittel unter dem Mittel der Vergleichsgruppe liegt. Auch bei den anderen Kennziffern ergeben sich gegenüber der historischen Norm Abschläge zwischen 35 und 45 Prozent. Schon geringfügig übertroffene Erwartungen könnten daher zu einer Erholungs- und Erleichterungsrallye führen – wenn der Ausblick nicht enttäuscht.
Optionshändlerinnen und -händler rechnen überwiegend mit einer nach den Zahlen positiven Kursreaktion. 54,5 Prozent der am kommenden Freitag auslaufenden Kontrakte liegen auf der Call-Seite, ihnen steht ein Anteil von 45,5 Prozent an Put-Optionen gegenüber. Eingepreist ist eine Kursbewegung von bis 5,4 Prozent. Das ist ein für die Aktie durchschnittlicher Wert.
Dienstag, 06. Oktober: Aehr Test Systems
Nach einer ersten Welle der Begeisterung in 2023 handelte die Aktie des Spezialisten für Testsysteme für Halbleiterprodukte in den vergangenen 2 Jahren unauffällig auf niedrigem Niveau. Das Unternehmen blieb lange hinter den eigenen Ambitionen und Wachstumserwartungen zurück und wurde dafür mit Nichtbeachtung bestraft. In den zurückliegenden 12 Monaten geben Unternehmen und Aktie aber ein grundlegend verändertes Bild ab.
Aehr Test Systems hat sich inzwischen erkennbar als Profiteur des KI- und Halbleiterbooms positioniert, vor allem die zurückliegenden Quartal veröffentlichte Prognose sorgte für Begeisterung und einen starken Kursanstieg. Nun muss das Unternehmen aber beweisen, mit einer Verdreifachung der Erlöse innerhalb eines Zeitraumes von nur 12 Monaten nicht zu viel versprochen zu haben.
Nach bescheidenen knapp 11,0 Millionen US-Dollar Umsatz im Vorjahresquartal werden nun 26,6 Millionen US-Dollar (+141,8 Prozent) erwartet, dabei soll sich auch die lange schwache Profitabilität verbessert haben. Nach einem bereinigten Gewinn pro Aktie von einem Cent vor 12 Monaten werden nun 0,09 US-Dollar erwartet. Allerdings ist anzuzweifeln, ob das Papier von übertroffenen Erwartungen tatsächlich auch profitieren könnte, denn mit Ausnahme des Kurs-Gewinnwachstumsverhältnisses (PEG), das aktuell bei 0,75 liegt, sind die übrigen Bewertungskennzahlen äußerst unvorteilhaft. Für das Forward-KGV liegt aktuell bei knapp 143.
Um 21,9 Prozent ging es für die Aktie nach dem im Juli vorgelegten Quartalsbericht nach oben und damit stärker, als mit ± 21,4 Prozent eingepreist war. Dementsprechend wettet eine knappe Mehrheit der Anlegerinnen und Anleger angesichts einer Call-Quote von 54,1 Prozent erneut auf eine nach den Zahlen steigende Aktie. Dabei dürfte es erneut volatil werden, eingepreist sind ±10,7 Prozent.
Mittwoch, 07. Oktober: Applied Digital
Zu Neocloud-Anbietern gibt es gegenwärtig zwei konkurrierende Erzählungen. Die eine berichtet von sagenhaftem Umsatzwachstum angesichts einer nicht enden wollenden Nachfrage nach Rechenleistung für KI-Anwendungen und stetig steigenden Preisen, wodurch die bislang vermisste Profitabilität schon bald erreicht werden könnte. Die andere Geschichte sind gigantische, fremdfinanzierte Investitionen in KI-Infrastruktur, die nur noch über zunehmend komplexe Kreditprodukte oder Kapitalerhöhungen zulasten der bestehenden Aktionärsstruktur gestemmt werden können – und die eine gewaltige Belastung für die Bilanz darstellen.
Beim ehemaligen Bitcoin-Miner, keine Seltenheit in der Branche, Applied Digital ist beides wahr. Innerhalb von nur 12 Monaten sind die Verbindlichkeiten des Unternehmens zuletzt von 867,0 Millionen US-Dollar auf 3,51 Milliarden US-Dollar angewachsen, im selben Zeitraum haben sich die Erlöse von 228,6 auf 611,3 Millionen US-Dollar verbessert – das allerdings wiederum zulasten der Erträge, denn der operative Verlust kletterte von 96,1 auf 174,4 Millionen US-Dollar.
Wenn das Unternehmen also nicht in absehbarer Zeit einen glaubhaften Pfad zur Profitabilität präsentieren kann, könnte es für Applied Digital und seine Gläubiger eng werden. Derzeit wird nicht vor dem Geschäftsjahr 2029 mit positiven Erträgen gerechnet. Dass die Aktie gegenüber dem Jahresauftakt trotzdem mit einem Plus von 3,5 Prozent gehandelt wird, zeigt wie hoffnungsvoll Investoren derzeit sind. Das zurückliegende Quartal könnte allerdings für einen Dämpfer sorgen. Zwar mit einem Umsatzwachstum von fast 100 Prozent auf 124,6 Millionen US-Dollar gerechnet, allerdings soll der Verlust pro Aktie von 0,07 US-Dollar um mehr als das Vierfache auf -0,30 US-Dollar geklettert sein. Vor dem Management liegt daher die große Herausforderung bezüglich der Profitabilität einen positiven und glaubwürdigen Spin der unternehmenseigenen Erzählung zu finden.
Wie bei Aehr Test Systems ist auch bei Applied Digital mit einer hohen Schwankungsbreite zu rechnen, gegenwärtig sind ± 13,6 Prozent impliziert. Dabei rechnen sich Händlerinnen und Händler auf Call-Seite mit einer knappen Mehrheit von 52,5 Prozent die größeren Chancen aus. In den vergangenen 4 Quartalen blieb die Aktie aber deutlich unter der zuvor eingepreisten Bewegung.
Donnerstag, 08. Oktober: PepsiCo
Dividenden- und Value-Werte gehören zu denjenigen Wertpapieren, die gegenwärtig besonders stark unter dem unaufhaltsamen Anstieg der Anleiherenditen zu leiden haben – festverzinste Wertpapiere werfen inzwischen oft die höheren und gleichzeitig sichereren Renditen ab. Vor allem aus dem Konsumgüterbereich stammen derzeit viele Verlierer. Die Branche kämpft mit finanziell erschöpften Verbraucherinnen und Verbrauchern und gleichzeitig steigenden Input-Kosten.
Obwohl der Coca-Cola-Rivale inzwischen eine stattliche Rendite von 4,7 Prozent und damit so viel wie seit 10 Jahren nicht mehr bietet, findet die Aktie selbst nach einem Minus von 12,3 Prozent seit dem Jahreswechsel keine Käuferinnen und Käufer. Und das trotz einer zwar Herausforderungen ausgesetzten, insgesamt aber erfolgreichen operativen Entwicklung, die auch im abgelaufenen Quartal eine Fortsetzung gefunden haben dürfte.
Beim bereinigten Gewinn pro Aktie wird zwar nur mit einem Anstieg von 1 Cent auf 2,30 US-Dollar gerechnet, die Erlöse dürften gegenüber dem Vorjahresquartal aber um 4,3 Prozent auf 24,97 Milliarden US-Dollar geklettert sein. Das läge im Durchschnitt der vergangenen Quartale. Wie bei Constellation Brands liegt die Hürde für eine positive Kursreaktion niedrig, denn das KGVe 2026 liegt mit 14,7 um fast ein Drittel unter dem 5-Jahres-Mittel. Besonders der Kontrast gegenüber Coca-Cola, das mit einem Gewinnvielfachen von 26 gehandelt wird, ist auffällig – entweder ist Coca-Cola deutlich zu teuer oder PepsiCo deutlich zu günstig bewertet. Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen.
Selbst nach den empfindlichen Kursverlusten in den vergangenen Wochen und Monaten überwiegt bei PepsiCo das Absicherungsbedürfnis. Mit 52,3 Prozent liegt eine knappe Mehrzahl der offenen Optionskontrakte auf der Put-Seite. Dabei ist mit ± 3,7 Prozent eine für die Aktie durchschnittliche Kursreaktion eingepreist. In den vergangenen 6 Quartalen ging es dabei zwei Mal nach den Zahlen nach unten und vier Mal nach oben.
Freitag, 09. Oktober: Delta Air Lines
Airlines befinden sich in einem herausfordernden Geschäftsumfeld aus stark gestiegenen Kerosinpreisen, veränderten Reisepräferenzen und Einsparungsbemühungen sowohl von Unternehmen als auch von privaten Verbraucherinnen und Verbrauchern. Mit diesem Umfeld umzugehen, gelingt Luftfahrtgesellschaften auch mit Blick auf die Aktienkursentwicklung sehr unterschiedlich. Während die Lufthansa gegenüber dem Jahreswechsel knapp 10 Prozent an Wert verloren hat, dürfen sich Anlegerinnen und Anleger von Delta Air Lines – der nach eigenen Angaben pünktlichsten Airline der Welt – über ein Plus von 21,2 Prozent freuen.
Das Geheimnis: Delta Air Lines stellt dank der 2012 erworbenen Ölraffinerie in Trainer, Pennsylvania, einen Teil seines Kerosins selbst her. Das verschafft der Airline Kostenvorteile, die zugunsten von Marktanteilsgewinnen an Kundinnen und Kunden weitergereicht werden können. Zwar trübte sich die Ertragslage hier zuletzt wie bei der Konkurrenz ebenfalls ein, allerdings lange nicht so stark. Die vergangenen 3 Monaten dürften hierbei keine Ausnahme gewesen sein.
Gegenüber dem Vergleichszeitraum vor einem Jahr sollen die Erlöse laut Wall-Street-Schätzungen von 16,67 Milliarden US-Dollar um 13,0 Prozent geklettert sein. Aufgrund höherer Ticketerlöse soll der bereinigte Gewinn pro Aktie um 17 Cent auf 1,88 US-Dollar angestiegen sein – der Kontrast gegenüber der Lufthansa, die sich im laufenden Geschäftsjahr trotz höherer Erlöse auf niedrigere Gewinne einstellen muss, könnte kaum größer sein. Für die Delta-Aktie liegt die Messlatte allerdings inzwischen hoch. Das KGVe von 14,3 für 2026 liegt inzwischen um 45 Prozent über dem 5-Jahres-Mittel. Das wird zwar durch ein PEG von 0,75 geschätzt, allerdings ergeben sich auch für andere Kennziffern, wie das Kurs-Cashflow-Verhältnis, inzwischen signifikante Aufschläge.
Ungeachtet der gewaltigen Herausforderungen mit denen Delta Air Lines zuletzt konfrontiert war, wettet mit 77,9 Prozent eine überwältigende Mehrheit der Optionshändlerinnen und -händler auf eine nach den Zahlen positive Kursreaktion, für die eine Bewegung von bis zu 6,4 Prozent eingepreist ist. In den vergangenen 3 Quartalen machten allerdings zweimal die Bären das Rennen.
Weitere nennenswerte US-, China-ADR-Quartalszahlen:
| Wert | Datum | Zeit | erw. EPS | erw. Umsatz | erw. Kursbew. | Börsenwert |
| RPM Intl. | Di., 06.10. | Vorbörse | 1,95 $ | 2,22 Mrd. $ | ± 5,9 % | 19,4 Mrd. $ |
| Lamb Weston | Di., 06.10. | Vorbörse | 0,59 $ | 1,66 Mrd. $ | ± 9,5 % | 6,0 Mrd. $ |
| Levi Strauss | Mi., 07.10. | Nachbörse | 0,36 $ | 1,62 Mrd. $ | ± 9,4 % | 7,6 Mrd. $ |
| NovaGold Resources | Do., 08.10. | Vorbörse | -0,06 $ | - | ± 10,6 % | 2,9 Mrd. $ |
| Tilray Brands | Do., 08.10. | Vorbörse | 0,04 $ | 267,8 Mio. $ | ± 10,4 % | 533,5 Mio. $ |
* Earnings per Share / Gewinn pro Aktie (Non-GAAP, bereinigt)
Stand: Sonntag, 04. Oktober, 10:00 Uhr (MESZ)
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


