10.000 Aktien in einem ETF
Vanguard-ETF im Experten-Check: Was taugt der neue "Super-Welt-ETF"?
Vanguards neuer Welt-ETF "FTSE Global All-Cap UCITS ETF" lockt mit geringen Kosten und einer großen Streuung. Die Stiftung Warentest hat den neuen Anlegerliebling geprüft. Das ist das Ergebnis.
Mit über 10.000 Aktien großer, mittlerer und kleiner Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern im Index und nur 0,07 Prozent laufenden Kosten pro Jahr klingt der neue Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF wie ein Rundum-Sorglos-Paket fürs Depot. Innerhalb weniger Wochen sammelte er zwei Milliarden US-Dollar an Anlegergeldern ein.
Doch die Stiftung Warentest dämpft die Euphorie. Das Urteil fällt zwar grundsätzlich positiv aus: Der ETF erhält das Siegel "1. Wahl" als marktbreiter Welt-Aktien-ETF. Er bietet eine günstige Alternative für Anleger, die neben Industrieländern auch Schwellenländer und kleine Unternehmen abdecken wollen. Aus Sicht der Tester rechtfertigt das jedoch kein Umschichten bestehender Anlagen.
Denn die riesige Anzahl an Aktien bringt nicht zwingend den zusätzlichen Nutzen, den viele erwarten. Zum Vergleich: Die weltweite Marktabdeckung liegt beim MSCI World bei 78,10 Prozent, beim MSCI ACWI bei 88,61 Prozent, beim klassischen FTSE All-World bei 90,60 Prozent, beim MSCI ACWI IMI bei 99,30 Prozent und beim FTSE Global All Cap bei 99,40 Prozent.
Hinzu kommt, dass der ETF längst nicht sämtliche Indexwerte hält. Ende August waren es 6.429 Aktien. Vanguard setzt auf eine Auswahl, um den Index effizient nachzubilden. Gerade sehr kleine Aktien können höhere Handelsspannen und geringe Liquidität aufweisen. Laut Stiftung Warentest ist die Auswahl deshalb kein Qualitätsmangel.
Der entscheidende Haken lauert jedoch beim Verkauf des alten ETF. Laut test.de gehen dabei sofort rund ein Viertel der bislang erzielten Gewinne als Steuern verloren. Dieses Geld kann anschließend nicht mehr vom Zinseszinseffekt profitieren. Bei einer langen Anlagedauer kann dies schwerer wiegen als geringfügig niedrigere Kosten oder eine zusätzliche Streuung.
Wer den neuen Fonds bevorzugt, kann stattdessen künftige Sparraten dort investieren und die vorhandenen ETFs behalten. Das Fazit der Tester lautet: Es handelt sich um einen attraktiven neuen Welt-ETF, dessen praktische Unterschiede zu etablierten, breit gestreuten Produkten kaum messbar sein dürften.
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

