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Kabelnetze der Deutschen Telekom Kauft Liberty Media?

Gastautor: Klaus Singer
03.09.2001, 20:38  |  282   |   |   
Der Verkauf der TV-Kabelnetze der Deutschen Telekom geht in eine entscheidende Phase. Der US-Betreiber macht sich für die Übernahme der gesamten Nord-Südachse zwischen Schleswig-Holstein und Bayern stark. Dem Vernehmen nach will er dafür 5,5 Mrd. Euro hinblättern, was der Telekom zum Abbau ihrer Schulden gerade recht käme. Liberty verlangt aber einen besonders langen Zeitraum von bis zu neun Monaten zwischen Vertragsabschluss und dem Eigentumsübergang, in dem das Unternehmen unter bestimmten Bedingungen vom Vertrag zurücktreten kann. Das könnte die Verhandlungen platzen lassen.

Die Telekom geht unverändert davon aus, dass die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss stehen. „Die Chancen stehen nur noch 50 zu 50“, sagt demgegenüber Liberty-Präsident John Malone jetzt der „FAZ“. Es gebe auch noch andere Möglichkeiten, in Deutschland Fuß zu fassen. Sollte z.B. Kirch nach einem Investor aus der Branche suchen, habe er, Malone, durchaus Interesse. Er könne sich eine Beteiligung an der Kirch-Gruppe vorstellen.

Im Kern geht es um die Freistellung von Konsequenzen aus kartellrechtlichen Einsprüchen. Liberty plant nämlich weitere Übernahmen, um die Präsenz in Deutschland noch zu verstärken. Lehnt das Kartellamt einen weiteren bedeutenden Zukauf ab, will Liberty die Möglichkeit haben, komplett auszusteigen. Ein wichtiger Stein in diesem Puzzle ist UPC und die Tochter PrimaCom. Malone will die Kartell-Problematik bei seinem in Kürze anstehenden Deutschland-Besuch mit Kanzler Schröder persönlich erörtern. Ob er dann auch mit Kirch spricht?

Die TV-Netze von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg befinden sich bereits im Besitz des US-Kabelbetreibers Callahan, in Hessen hat die iesy/Kabel Hessen GmbH zugegriffen, die hauptsächlich zum britischen NTL-Konzern gehört.

Bevor die Kabelsysteme für innovative Anwendungen taugen, muss erst einmal kräftig investiert werden. Was vor allem fehlt, ist der Rückkanal, über den der Nutzer mit dem System des Kabelbetreibers kommunizieren kann. Accenture, vormals Anderson Consulting, schätzt den Ausbau des deutschen Breitbandkabelnetzes auf ein Investitionsvolumen von insgesamt rund 15 Mrd. DM. Dann haben die Betreiber interaktiven, digitalen Zugang zu etwa 18 Mio. Haushalten. Jeder Kabelkunde wird gegenwärtig mit rund 1.600 DM bewertet. Nach vollzogener Aufrüstung wären zwischen 5.000 und 6.000 DM zu veranschlagen, heißt es.

Was haben die Konzerne mit den TV-Netzen dann vor? Zunächst denken Callahan und iesy vor allem an Breitband-Internet, E-Mail und preisgünstige Telefondienste. Interaktive TV-Dienste stehen nach den Worten von David Colley in der Prioritätenliste nicht oben an. „Der Markt für eCommerce existiert noch nicht“, glaubt er. Erfahrungen in anderen europäischen Märkten, wie etwa in Spanien, hätten gezeigt, dass die Anbieter dort mit dem Einkauf per Fernbedienung noch nicht viel verdienen. Anders Kollege Mobley von iesy, wo man Innovation zum Prinzip erhoben hat. Schon von Herbst diesen Jahres an werde man Multimedia-Dienste anbieten. Allerdings wird digitales Fernsehen zunächst nur in den Ballungsräumen Frankfurt und Wiesbaden zu sehen sein und dann auch nur in etwa 2.000 Test-Wohnungen. Ab Januar nächsten Jahres sollen dann aber monatlich rund 50.000 Einheiten hinzukommen.

Liberty möchte – wenn man zum Zuge kommt - im nächsten Jahr in Berlin z.B. mehr als 700.000 Haushalte mit Rückkanal und neuen Diensten versorgen. Traditionell will das Unternehmen bei den Programmen selbst verdienen. Deren Zahl soll deutlich steigen, aber natürlich will man auch Telefonie und schnelle Internet-Zugänge anbieten.

Auf einen einheitlichen Standard wie etwa MHP (Multimedia Home Platform) wollen sich die Kabelbetreiber nicht einschwören - bisher jedenfalls. Man müsse erst einmal die Entwicklung beobachten. Seitens der Regulierer wird allerdings auf einen solchen offenen Zugang gedrungen. Schließlich gehe es nicht an, dass der Kunde bei einem Umzug seine Set-Top-Box wechseln muss. Das ist für die Kabelbetreiber allerdings kein Argument. Schließlich stellen sie das entsprechende Equipment. Die Kabelnutzung soll auch nicht teurer werden, jedenfalls nicht für den, der nur die rund 30 "Free-TV“-Programme sehen will. Deren Versorgung sei weiterhin gewährleistet, blocken die neuen Kabel-Herren Bedenken der Regulierer ab.

Beim Stichwort MHP scharrt übrigens SCM Microsystems schon mit den Hufen. Mit nach DVB (Digital Video Broadcast) weltweit standardisierten Zugangskarten für das digitale Fernsehen ist das deutsch-amerikanische Unternehmen gut im Geschäft.

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