Gottfried Heller "Ich erwarte 2008 neue Höchststände"

Nachrichtenquelle: Jörn Kränicke
28.01.2008, 16:14  |  7222   |   |   
Gottfried Heller ist einer der bekanntesten deutschen Vermögensverwalter. €uro fondsxpress fragte ihn zum Börsencrash und seinem Ausblick für 2008.
"Der Goldpreis signalisiert Inflation, Treasuries zeigen dagegen eine US-Rezession an"

€uro fondsxpress: Herr Heller, die Aktienmärkte spielen verrückt. Haben Sie in Ihrer langen Karriere schon einmal solch einen miserablen Jahresauftakt gesehen?

Gottfried Heller: Nein. In 40 Jahren habe ich noch keinen so schlechten Start erlebt. Die Börsen spielen verrückt. Gold steht bei rund 900 Dollar, das signalisiert Inflationsgefahren. Auf der anderen Seite notieren die zehnjährigen US-Treasuries bei 3,6 Prozent. Das ist ein Zeichen für Rezession. Was stimmt nun?

€uro fondsxpress: Es stimmt, dass der Dax in diesem Jahr schon mehr als 20 Prozent verloren hat!

Heller: Ich war mir darüber im Klaren, dass 2008 ein volatiles Jahr wird und die Märkte korrigieren werden. Aber solch ein Ausmaß hätte ich mir nicht vorstellen können. Es ist wie bei einem Gewitter, man weiß, dass es regnet – nur nicht, wie viel.

"Alles, was ich in den Zeitungen lese, sind Fehldiagnosen"

€uro fondsxpress: Sie bleiben also ganz ruhig und werden nicht panisch?

Heller: Genau, ich sehe wenig Gründe panisch zu werden. Wie hat Warren Buffett einmal so schön gesagt: "Man muss ängstlich sein, wenn alle gierig sind, und man muss gierig sein, wenn alle ängstlich sind." Und danach handelt er immer noch. Buffett hat gerade drei Prozent an der Swiss Re gekauft.

€uro fondsxpress: Wenn man sich die Erklärungen der Experten für die Krise anschaut, spricht vieles gegen den Kauf von Aktien.

Heller: Alles, was ich in den Zeitungen lese, sind Fehldiagnosen. Wir haben eine Bereinigung einer schwülen, überhitzten Situation bei Öl und Rohstoffen verbunden mit Zwangsverkäufen. Man nennt dies auch Exekutionen. Mehr nicht. Mein Freund André Kostolany hat immer gesagt: Exekutionsware muss man kaufen.

"Nun platzt eine riesige Kreditblase"

€uro fondsxpress: Was verstehen Sie unter Exekutionsware?

Heller: Das sind Aktien, die von um Liquidität ringenden Anlegern – vor allem Hedgefonds – als Zwangsverkäufe auf den Markt geworfen werden müssen. Denn nun platzt eine riesige Kreditblase und die Überspekulation der vergangenen Jahre wird abgebaut. Die Hedgefonds müssen zwei Seiten bedienen. Zum einen Anleger, die massiv Geld abziehen, und zum anderen die Banken, von denen sie sich das Geld für ihre Spekulationen ausgeliehen haben.
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