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Ein Evergreen Ohne Money Management läuft nichts

Gastautor: Heiko Aschoff
06.09.2008, 09:30  |  2194   |   |   
Regel eins lautet: Nie Geld verlieren. Regel zwei lautet: Vergesse nie die Regel Nummer eins." (Warren Buffet)

Bei jeder Anlageüberlegung stehen drei zentrale Fragen im Vordergrund:

1. Was ist zu tun (kaufen oder verkaufen)?

2. Wann ist es zu tun (Timing)?

3. Wie viel soll investiert werden (Money Management)?

Die erste Frage wird durch die richtige Kursprognose beantwortet. Ist die Prognose falsch, bleibt nur zu hoffen, dass dann durch die richtige Umsetzung der Fragen zwei und drei der finanzielle Schaden begrenzt wird. Die technische Analyse ist gegenüber der fundamentalen Einschätzung bei der Wahl des idealen Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt vorrangig (Timing). Die dritte Frage bezieht sich auf die Allokation von Kapital. Dabei werden Aspekte wie Risikokontrolle, Diversifikation oder Portfoliomanagement berücksichtigt. Das richtige Money Management ist ein wesentlicher Schlüssel für den Börsenerfolg. Umso erstaunlicher ist die geringe Aufmerksamkeit, die dieser Disziplin gewidmet wird.

Die besten Trader verdanken ihren Erfolg nur einem kleinen Anteil der durchgeführten Transaktionen. Das sie dennoch per Saldo ein Plus erwirtschaften, liegt an einem ausgewogenen Gewinn-/Verlust-Verhältnis. Für jeden Trade wird ein Gewinnziel formuliert, das ins Verhältnis zum maximal akzeptierten Verlust gesetzt wird. Das Gewinnpotenzial sollte mindestens dreimal so hoch sein wie der maximal mögliche Verlust. Nur so besteht die Chance, die anfallenden Verluste auszugleichen. Dahinter steht die Maxime „Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen“. Es ist besser, einen sicheren Verlust zu realisieren, als von der Hoffnung zu leben, dass die Aktie wieder steigt. Die Einstandskurse zu verbilligen birgt ein großes Risiko – oft wird dann gutes Geld schlechtem hinterher geworfen.

Grundsätzlich sollten Sie mit Stop-Loss-Limiten arbeiten, da ein Totalverlust niemals auszuschließen ist bzw. eine Kurserholung „ewig“ dauern kann. Bedenken Sie, dass ihr „Favorit“ bei einem Kursrückgang von 50% um 100% steigen muss, um den Einstandskurs wieder zu erreichen. Ziehen Sie rechtzeitig die Notbremse. Sobald der Kursverfall definitiv gestoppt ist, kann der Wert wieder ins Depot genommen werden. Vorausgesetzt, die Perspektiven stimmen noch.


Eine Warnung an das Prinzip Hoffnung. Es ist bodenloser Leichtsinn, Verluste zu groß werden zu lassen. Alle Angaben in Prozent.

Halten Sie sich diesen Zusammenhang immer vor Augen, wenn Sie sich dabei erwischen, eine verlustbringende Lieblingsaktie zum Hoffnungswert umzudeklarieren. In fast allen Aktiendepots befinden sich solche zusammengebrochenen Hoffnungswerte. Nicht nur, dass eine kräftige Erholung meist unwahrscheinlich ist, das Geld wird für chancenreichere Aktien blockiert.

Betrachten Sie dazu den Chart mit dem Performancevergleich zwischen der Deutschen Telekom und Danone. Der Kursverlauf beginnt links, nachdem sich die Deutsche Telekom seit dem Allzeithoch mehr als halbiert hatte. Seitdem haben treue Anleger schon wieder mehr als 70% verloren. Wer die Maxime „Verluste begrenzen“ beherzt hat (wenn auch erst sehr spät) und Mitte 2000 (linker Chartrand) beispielsweise 100.000 Euro in Danone umgeschichtet hatte, kann sich jetzt über rund 170.000 Euro freuen, statt magere 30.000 (Telekom-) Euro im Depot liegen zu haben.


Verlieben Sie sich nicht in eine „Verlustaktie“. Ziehen Sie rechtzeitig die Notbremse und schichten Sie um in bessere Aktien. Die Ausrede „dann realisiere ich einen Verlust“ gilt nicht. Quelle: Aschoff, Kostbares Wasser, FinanzBuch Verlag

In Abhängigkeit vom gewählten Stoppkurs wird der Kapitaleinsatz bestimmt. Hier lautet die Grundregel „je weiter der Stopp vom Einstandskurs entfernt ist, desto weniger Kapital wird eingesetzt“. Es gibt keine allgemeingültige Regel für die Platzierung eines Stopps. Es können charttechnische Kriterien herangezogen werden, die bedeutende Unterstützungszonen oder gleitende Durchschnitte berücksichtigen. So sind beispielsweise bei einer Long-Spekulation Stopps 5% unter dem letzten markanten Tief denkbar oder 3% unter der 200-Tage-Linie (sofern der gleitende Durchschnitt steigt und die Aktie darüber notiert). Im Gewinnfall wird das Stop-Loss-Limit je nach Anlagehorizont nachgezogen (Trailing Stop). Da man in diesem Fall bereits in der Gewinnzone liegt, kann der Stopp großzügiger gewählt werden, um sich nicht durch normale Marktschwankungen aus dem Rennen werfen zu lassen. Das Kriterium des Kapitalerhalts bleibt gewahrt. So hat man die Chance, auch von großen Marktbewegungen partizipieren zu können. Denn leider hat die Börse die unschöne Eigenart, die Anleger vorher in die Irre zu leiten und auszustoppen, um dann in die andere Richtung voll durchzustarten. Bei Erreichen der gesetzten Limite müssen diese strikt befolgt werden. Hier ist eiserne Disziplin und konsequentes Handeln erforderlich.
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