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Japan Teuer beim KGV - günstig beim Buchwert

Gastautor: Gerhard Heinrich
09.06.2009, 15:05  |  1192   |   |   

Die meisten Anleger haben ihr Urteil über den japanischen Aktienmarkt schon vor vielen Jahren gefällt: Sie meiden ihn. Japans Wirtschaft gilt als strukturschwach, die Börse als chronisch überteuert. In den letzten Monaten hat sich dieser Eindruck bei vielen Beobachtern noch verstärkt.

Die japanische Wirtschaft ist derzeit in der Tat in einem beklagenswerten Zustand. Das Bruttoinlandsprodukt ist im abgelaufenen Quartal um nie dagewesene 15,2 Prozent eingebrochen. Die Krise hat sich dort damit noch viel schlimmer ausgewirkt als etwa in den USA, wo die Wirtschaft um 5,7 Prozent geschrumpft ist, oder in Deutschland, wo sich ein Rückgang um 2,8 Prozent ergeben hat.

Auch das riesige Konjunkturprogramm, das mit einem Volumen von 25 Billionen Yen für rund 5 Prozent des japanischen Bruttoinlandsprodukts steht, hat sich bisher kaum niedergeschlagen. Das Land ist nach wie vor stark von Exporten abhängig, während das Binnenwachstum schon seit Jahren darnieder liegt. Der Einbruch der globalen Nachfrage traf es deshalb mit voller Wucht, und konnte von der Binnenwirtschaft nicht abgedämpft werden.

Dennoch hat sich auch der japanische Aktienmarkt in den vergangenen Monaten sehr gut erholt. Der Topix, der mit 1703 enthaltenen Unternehmen den japanischen Aktienmarkt in voller Breite erfasst, ist seit Mitte März um 30 Prozent gestiegen. Er hat damit mit anderen internationalen Indizes gut mithalten können. Mehr als anderswo machen sich die Börsianer jetzt aber Gedanken, ob diese deutliche Erholung durch die fundamentalen Daten noch zu rechtfertigen ist.

Laut „Bloomberg“ liegen die Analystenprognosen für die Topix-Unternehmen bei einem Jahresgewinn von 21,90 Yen. Damit weist der Index bereits ein KGV von 42 auf, während der fünfjährige Durchschnittswert bei 21 liegt. Dabei handelt es sich bereits um die Gewinne des Jahres 2009, die aus Sicht der Analysten besser aussehen sollen als im Krisenjahr 2008. Seinerzeit haben die Topix-Unternehmen als Ganzes einen Durchschnittsverlust von rund 13 Yen ausgewiesen. 

Auf KGV-Basis ist der Topix damit unter den 40 größten Indizes der Welt der mit Abstand teuerste. Japans Aktien sind mehr als doppelt so hoch bewertet wie die Aktienmärkte in China, Hongkong oder Korea. Und auch der amerikanische S&P 500 Index, der ebenfalls eine große Marktbreite aufweist, kommt auf Basis der für 2009 prognostizierten Gewinne lediglich auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,1. Betrachtet man zudem die schlechten wirtschaftlichen Perspektiven in Japan, scheint sich der Schluss aufzudrängen, dass japanische Aktien momentan gemieden werden sollten.
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