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Liquiditätsengpass an Chinas Börsen?

Gastautor: Gerhard Heinrich
09.10.2009, 08:59  |  771   |   |   
Der chinesische Aktienmarkt ist seit Anfang August in einer Korrekturphase. In den letzten beiden Monaten ging der Shanghai Composite Index um knapp 20 Prozent nach unten. Bis zum 8. Oktober wird an den chinesischen Börsen wegen der Feierlichkeiten zum 60jährigen Bestehen der Volksrepublik kein Handel stattfinden. Dies gibt uns Zeit, um einige wichtige Aspekte der chinesischen Inlandsbörsen zu beleuchten. Diese sind vom ausländischen Kapital immer noch nahezu abgeschottet. Die chinesischen Anleger kochen dort ihr eigenes Süppchen.

Eine weit verbreitete Theorie ist, dass die Entwicklung an den China-Börsen mit der Kreditvergabe der dortigen Banken zusammenhängt. Im ersten Halbjahr haben Chinas Banken im Durchschnitt 175 Milliarden Dollar pro Monat an neuen Krediten in die Wirtschaft gepumpt. Dies entsprach einem absoluten Rekordwert. Viele Börsianer mutmaßen, dass ein Teil dieser Gelder von den Unternehmern nicht investiert wurde, sondern an die Börse floss. Demnach wären Chinas Aktien im ersten Halbjahr nur deshalb so stark gestiegen, weil dort viele Akteure auf Pump spekulierten. Im Umkehrschluss, so die gängige Meinung, gehe es jetzt an Chinas Börsen abwärts, weil die Kreditvergabe der Banken wieder zurückgegangen ist.

Es ist richtig, dass Chinas Börsen inzwischen über eine enorm hohe Liquidität verfügen. Der Zusammenhang mit der Kreditvergabe ist aber schwer zu beweisen. Laut Daten, die die UBS veröffentlicht hat, wurden im gesamten Halbjahr 1,07 Billionen Dollar an Firmenkrediten vergeben. Den Börsen in Shanghai und Shenzhen sind dagegen „nur“ 67 Milliarden Dollar an frischen Geldern zugeflossen. Dementsprechend lässt sich nicht belegen, dass das Vorhandensein von Krediten und die Hausse überhaupt etwas miteinander zu tun haben. Die These von der Liquiditätsblase steht auf schwachen Beinen. Das Problem ist nur, dass fast alle Anleger an diese These glauben. Sie sind dementsprechend sehr vorsichtig geworden, seit die Banken wieder deutlich weniger Kredite vergeben.

Letztlich folgt die Vergabe von Bankkrediten in China aber einem saisonalen Muster. Der Großteil der Firmenkredite wird in der ersten Jahreshälfte ausgereicht. 2009 war die Kreditvergabe besonders robust, da sie von der Regierung im Rahmen ihrer Maßnahmen zur Wirtschaftförderung forciert worden ist. Der jüngste Rückgang stellt aber eher eine Rückkehr auf ein normales Niveau dar. Gleichzeitig hat der Chef der chinesischen Bankenaufsicht gestern erklärt, dass die Regierung dafür sorgen will, dass sich die Kreditvergabe künftig um 30 Prozent pro Jahr erhöht. Es besteht also vorerst keine Gefahr, dass Chinas Wirtschaft oder die Finanzmärkte von der Liquiditätsseite her „austrocknen“ werden.

Die Korrektur in China hat mehrere Ursachen. Die Furcht vor einer Verringerung der Liquidität war die wichtigste. Diese wurde noch angefacht durch zahlreiche milliardenschwere Börsengänge, die zusätzliche Anlegergelder gebunden haben. Hinzu kommt noch, dass der Shanghai Composite Index von Januar bis August um fast 90 Prozent gestiegen ist. Viele Anleger haben deshalb einfach Gewinne mitgenommen, zumal auch die Bewertungen schon recht ambitioniert waren.

Chinas Börsen werden wohl noch eine Weile brauchen, bis sie sich wieder stabilisiert haben. Ernsthafte Liquiditätsengpässe brauchen wir vorerst aber ebenso wenig fürchten wie ein Abflauen des chinesischen Wirtschaftswachstums. Hier sprechen die jüngsten volkswirtschaftlichen Daten eine ganz andere Sprache. Chinas Wachstum hat sich im zweiten Quartal auf 7,9 Prozent verbessert, und nimmt nach der „Delle“ zu Jahresbeginn jetzt erst wieder richtig an Fahrt auf.

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