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Japan Airlines stürzt ab - naht jetzt die Rettung?

Gastautor: Gerhard Heinrich
20.10.2009, 10:00  |  1043   |   |   
Japan Airlines ist in ernsten Schwierigkeiten. Ende September gab die Fluggesellschaft bekannt, um staatliche Hilfen bitten zu müssen. Seitdem ist die Aktie unterm Strich um 41 Prozent eingebrochen.

Allein letzte Woche rutschte der Titel um 26 Prozent ab, und landete dabei auf einem neuen Allzeit-Tief von 100 Yen. Standard & Poor´s hatten zuvor ihr Rating um zwei Stufen nach unten gesetzt, und dabei die hässliche Vermutung ausgesprochen, dass eine Insolvenz zumindest in Erwägung gezogen werden müsse. In Japan befürchtet man jetzt, dass eine spektakuläre Rettungsaktionsaktion auf Kosten von Aktionären und Steuerzahlern droht.

Japan Airlines ist Asiens größte Fluggesellschaft. Natürlich war es auch der Nachfragerückgang durch die Finanzkrise, der die Fluglinie in Bedrängnis brachte. Doch die Probleme liegen tiefer. Die Gesellschaft leidet unter hohen Kosten, einem ausgeuferten Verwaltungsapparat, einer erheblichen Verschuldung und dem schärfer gewordenen Wettbewerbsdruck. In vier der fünf vergangenen Geschäftsjahre flog sie einen Verlust ein. Dieser befand sich im abgelaufenen Quartal bei 99 Milliarden Yen und damit bei umgerechnet bei über 1 Milliarde Dollar – dem höchsten Minus in der Unternehmensgeschichte. Seit 2001 mußte der Staat bereits viermal mit frischen Krediten einspringen.

Zurzeit verhandelt das Unternehmen unablässig mit den Regierungsstellen und mit seinen Gläubigerbanken. In einer konzertierten Aktion soll eine rettende Lösung gefunden werden. Die neue Regierung hat bereits zugesichert, Japan Airlines nicht fallen zu lassen. Fraglich ist allerdings, auf wessen Kosten die Sanierung gehen wird. Aller Voraussicht nach werden die Gläubigerbanken (darunter die börsennotierten Institute Mizuho, Mitsubishi UFJ und Sumitomo Mitsui) vorübergehenden Zahlungsaussetzungen und Refinanzierungsrunden mit ungewissem Ausgang zustimmen müssen. Sehr wahrscheinlich werden Schuldverschreibungen in neue Aktien umgewandelt, und den Gläubigern angedient. Als letzte Lösung schließlich kommt die Sanierung unterm dem Schutz des Insolvenzgesetzes und unter Regie des Staates in Betracht.

Im laufenden Geschäftsjahr dürfte Japan Airlines rund 200 Milliarden Yen verbrennen, allein um den operativen Betrieb aufrechterhalten zu können. Die Liquiditätssituation ist extrem angespannt. Im Juni hat das Unternehmen bereits einem neuen Kredit über 100 Millionen Yen erhalten; der aber nicht lange hinreichen wird. Eine Aktienemission auf dem Kapitalmarkt erscheint angesichts der desolaten Lage aussichtslos. Lediglich die Gläubigerbanken oder die staatlichen Fonds könnten zur Zeichnung neuer Titel bereit sein. Allerdings würde dadurch das bestehende Kapital enorm verwässert werden, denn der Bedarf liegt offensichtlich bei 100 bis 200 Milliarden Yen; und die aktuelle Marktkapitalisierung befand sich am Freitag nur noch bei 276 Milliarden Yen.
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