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Volldampf voraus - Chinas und Indiens neue Wirtschaftsdaten

Gastautor: Gerhard Heinrich
16.11.2009, 14:57  |  1045   |   |   

Ein Jahr nach dem Höhepunkt der Finanzkrise erscheint es fast unglaublich, wie stark die großen Volkswirtschaften in Fernost wieder wachsen. Das beste Beispiel sind die neuesten Wirtschaftsdaten aus China und Indien. Wenn man sich diese vor Augen führt, hat man fast den Eindruck, als hätte dort die Krise gar nicht stattgefunden.

In China ist die Industrieproduktion im Oktober gegenüber dem Vorjahr um 16,1 Prozent gestiegen. Dies entspricht einem neuen Jahreshöchststand und lag deutlich über den Markterwartungen (15,5 Prozent). Im September hatte die Zuwachsrate 13,9 Prozent betragen. Die enorme Dynamik der wirtschaftlichen Erholung setzt sich damit offensichtlich auch im vierten Quartal mit ungebremstem Schwung fort.

Die treibende Kraft blieb weiterhin die Binnenkonjunktur. So ergab sich bei den Sachanlageinvestitionen ein Anstieg von 33,1 Prozent. Daneben zogen auch die Einzelhandelsumsätze um 16,2 Prozent an – nach einem Plus von 15,5 Prozent im September. Stellvertetend dafür stand unter anderem die boomende Autobranche, in der der Absatz um 76 Prozent auf 946.000 Fahrzeuge nach oben sprang. 

Sorgen um fallende Immobilienpreise, überschuldete Verbraucher oder Deflationsgefahren kennt man angesichts solcher Daten in China nicht. Stattdessen wird schon wieder darüber debattiert, ob die Regierung Maßnahmen ergreifen soll, um Überhitzungstendenzen vorzubeugen. Von den Immobilienmärkten in verschiedenen Metropolen einmal abgesehen, gibt es dafür aber noch keinen allzu großen Bedarf. 

Vor allem von Seiten der Inflation in China kommt bisher keinerlei Handlungsdruck. Die Verbraucherpreise sind im Oktober gegenüber dem Vorjahr um 0,5 Prozent und die Produzentenpreise sogar um 5,8 Prozent zurückgegangen. Ideale Voraussetzungen also, um die momentan relativ lockere Geldpolitik noch eine Weile weiter laufen zu lassen.

Auch in Indien haben die Daten zur Industrieproduktion die Markterwartungen übertroffen. Diese stieg im September gegenüber dem Vorjahr um 9,1 Prozent. Dies ist umso erfreulicher, als die Trockenheit während der Monsun-Saison teilweise als Gefahr für die Wirtschaftserholung gesehen wurde. Doch sämtliche Branchen jenseits des landwirtschaftlichen Sektors zeigten sich weiterhin robust.

Besonders stark stieg auch in Indien die Nachfrage des immer größer werdenden Mittelstands nach Konsumgütern. Vor allem bei den langlebigen Konsumgütern gab es einen ansehnlichen Sprung nach vorn. Hier zog der Absatz im Jahresvergleich um 22,2 Prozent an. Während der Krise haben offenbar viele Privathaushalte größere Anschaffungen zurückgestellt. Jetzt ist der Nachholbedarf umso größer.

Sowohl China als auch Indien sind Volkswirtschaften, deren Wohlstand zunehmend von der immer stärker wachsenden Binnenwirtschaft abhängt. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch verstärken, denn die Binnennachfrage wächst in den beiden Ländern stetig. Damit konnten sie sich bereits 2009 in einer Weise von der globalen Konjunktur abkoppeln, wie das vor einem Jahr noch kaum jemand für möglich gehalten hätte. 

Von den Börsen wird dies natürlich zunehmend honoriert. Sowohl China als auch in Indien gehörten dieses Jahr weltweit zu den besten Aktienmärkten. Die äußerst robusten Wirtschaftsdaten von September und Oktober zeigen aber einmal mehr, dass die Börsen dieser Länder die hohen Aufschläge auch verdient haben. 

Zudem sind ja auch die Indizes in Shanghai, Hongkong und Mumbai 2008 stark eingebrochen, und kamen deshalb dieses Jahr von einem durchaus niedrigen Niveau. Zum anderen stehen die Wirtschaftsdaten Chinas und Indiens in einem scharfen Gegensatz zu denen der westlichen Industrienationen. In letzteren Ländern konnten die Börsen zwar ebenfalls gut zulegen; bei den volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten herrscht aber leider noch eher das Prinzip Hoffnung vor.

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