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Ist der Dollar am Ende?

Gastautor: Thomas Grüner
16.11.2009, 15:22  |  3446   |   |   
Wird die Finanzkrise den Dollar zu Fall bringen?

Die globale und von den USA ausgehende Finanzkrise hat den US-Dollar wieder in den Blickpunkt des Interesses gerückt. Offen wird über ein Ende des Dollars als Leitwährung diskutiert und seine „Reservetauglichkeit“ ist zunehmend in Frage gestellt. Die Nullzinspolitik der US-Notenbank FED hat die amerikanische Währung weiter geschwächt. Ist diese Entwicklung mit Gefahren verbunden?

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Die Ausgangssituation

Betrachten wir uns zuerst einmal die Fakten. Der Euro markierte gegenüber dem US-Dollar sein bisheriges Allzeithoch am 15. Juli 2008 bei 1,6036 USD. Während sich die Finanzkrise anschließend im Zuge der Lehman-Pleite dramatisch verschärfte und weitere US-Banken in Not gerieten, konnte sich die Krisenwährung Dollar - für viele Marktteilnehmer völlig überraschend – wieder deutlich erholen. Am 28. Oktober 2008 mussten für einen Euro nur noch 1,2328 USD bezahlt werden. Der Dollar scheint also von einer sich zuspitzenden Krise eher zu profitieren als dass sie ihm schadet. Mit einem heutigen Kursniveau von rund 1,49 USD wird wieder heftig über das Ende des US-Dollars diskutiert. Wir sollten dabei nicht vergessen, dass vor rund 18 Monaten für einen Euro sogar über 1,60 USD bezahlt werden mussten. Heute notieren wir noch rund 7% unter dieser Marke.

Verschuldung für die USA nicht mehr zu schultern?

Schulden werden immer in absoluten Zahlen betrachtet. Das ist grober Unfug! Die Nettoschulden der USA belaufen sich dabei auf kaum vorstellbare 7,6 Billionen US-Dollar. Das sind 7.600 Milliarden US-Dollar. Eine ganze Menge! Relativ gesehen jedoch weniger als in den meisten anderen Industrienationen. Die Verschuldung der USA beläuft sich derzeit auf rund 54 Prozent des dortigen Bruttoinlandsprodukts. In Deutschland beträgt diese Quote 74 Prozent, in Italien 98 Prozent und Japan weist schwindelerregende 165 Prozent auf. Die Schuldenquote der USA soll zwar im Laufe des Jahres 2010 in die Nähe der 60 Prozent-Marke ansteigen. Kein Drama. In Deutschland wird die Schuldenquote sogar Richtung 80 Prozent klettern. Auch kein echtes Drama. Deutschland hat nämlich im europäischen Vergleich sogar noch eine der eher geringeren Verschuldungsquoten. Für eine ausgesprochene Euro-Stärke spricht dies sicher nicht. Die Schwäche des britischen Pfunds kann auch nicht aus dem Grad der Verschuldung herrühren: In Großbritannien liegt die Quote sogar nur bei 55 Prozent.

Der Carry Trade wird neu entdeckt

Das Zinsgefälle sorgt wie ein Magnet für Spekulanten. Die berühmt-berüchtigten Carry Trades erreichen wieder Rekordvolumina. Der Dollar wird durch diese Entwicklung tendenziell belastet. Die US-Zinsen werden auf absehbare Zeit tief bleiben. Die Märkte antizipieren das. Sich in den USA kurzfristig zu verschulden ist beliebt. Anleger nehmen vermehrt Kredite in den USA auf und legen die damit generierten Mittel höher verzinslich in Euro und vor allem in den Emerging Markets - den Schwellenländern - an. Auch Rohstoffe – hierbei vor allem Gold – profitieren von dieser Entwicklung. Den Dollarkurs drückt dieser Mechanismus nach unten – Dollar werden tendenziell verkauft und parallel alle anderen Anlageklassen und Währungen gekauft. Angebot und Nachfrage belasten den US-Dollar.

Notenbanken geben die Richtung vor

Die weitere Reise wird maßgeblich von den Notenbanken vorgegeben. Die US-Notenbank FED hat mit einer Spanne zwischen 0 Prozent und 0,25% die Latte sehr tief gelegt. In ihrer letzten Stellungnahme hat die US-Notenbank noch einmal betont, dass sie die Leitzinsen auf absehbare Zeit in diesem außergewöhnlich tiefen Korridor belassen will. Bereits seit Ende 2008 hat dieses Niveau Bestand. Dem Kampf gegen die Rezession in den USA werden hierbei alle anderen Ziele untergeordnet. Die FED weiß nur zu gut, dass sie auf jeden Fall die japanischen Verhältnisse in den 90er Jahren vermeiden will und muss. Bisher scheint diese Strategie auch zu funktionieren. Der Finanzsektor in den USA hat sich spürbar stabilisiert. Die Wirtschaft wächst sogar schon wieder recht kräftig. Nachdem das dritte Quartal bereits mit einer jährlichen Wachstumsrate von über drei Prozent aufgewartet hat, wird für das Schlussquartal erneut ein Wachstum in dieser Größenordnung prognostiziert. Das Ende der Rezession haben die globalen Aktienmärkte – wieder einmal der verlässlichste Konjunkturindikator – bereits seit März angezeigt.

Schwacher Dollar als Belastung für die Aktienmärkte?

„Die heftigen Ausschläge an den Devisenmärkten sollen für die globalen Aktienmärkte eine zunehmende Gefahr darstellen.“ Dieses angebliche Währungs-Roulette gab es schon immer und wird es auch in Zukunft geben. Die Auswirkungen werden jedoch klar überschätzt.

Wir haben bei Grüner Fisher Investments einmal die Korrelation eines schwachen bzw. auch starken US-Dollars zu den Aktienmärkten überprüft und dabei einige interessante Zusammenhänge feststellen können. Seit 1971 ist der amerikanische Leitindex S&P 500 in 76 Prozent des untersuchten Zeitraums gestiegen und in 24 Prozent gefallen. Der US-Dollar ist seit 1971 rund die Hälfte der Zeit gestiegen und im restlichen Zeitraum gefallen. 50:50. Die amerikanischen Aktienmärkte sind in Phasen eines steigenden US-Dollars mit einer Quote von 39 Prozent gestiegen und zu 37 Prozent gefallen. Während eines schwachen US-Dollars ist der S&P 500 in elf Prozent der Zeit gestiegen und mit einer Quote von 13 Prozent gefallen. Einfach ausgedrückt: Der US-Aktienmarkt steigt und fällt in Zeiten eines schwachen oder auch starken US-Dollars nahezu gleich stark. Es besteht also faktisch kein Zusammenhang zwischen der Stärke bzw. Schwäche der amerikanischen Währung und der folgenden Entwicklung an den Aktienmärkten.

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Technische Situation EUR / USD



Der Blick auf den Kursverlauf des US-Dollars zum Euro verläuft derzeit in Form eines sich zuspitzenden Keils – von Charttechnikern daher auch Bärkeil genannt. Parallel dazu wird die jüngste Aufwärtsbewegung des Euro zum US-Dollar von vielen technischen Indikatoren nicht mehr bestätigt. Diese so genannte negative Divergenz mahnt zumindest zur Vorsicht. Der US-Dollar wird wieder einmal von vielen Kommentatoren zu Grabe getragen. Dies spricht eher dafür, dass ein Comeback der US-Währung zunehmend wahrscheinlicher wird.
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Gastautor

Thomas Grüner ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung „Grüner Fisher Investments“ mit Sitz in Rodenbach bei Kaiserslautern. Grüner Fisher Investments arbeitet eng mit „Fisher Investments“, einem der größten amerikanischen Vermögensverwalter zusammen. Weitere Informationen unter: www.gruener-fisher.de. Bitte beachten Sie den dort hinterlegten Disclaimer sowie die Nutzungsbedingungen.

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